Aktuelle AusgabeApril 06Frühere AusgabenVeranstaltungenKirchgemeindenLinksAbonnementeRedaktionBilderSuche
 
 Ausgabe 04/2006 
Diese Ausgabe als PDF

 

Der letzte Prophet

zu «Der letzte Prophet» im Kirchenboten 3/2006 auf Seite 16
Ich möchte von einer nahezu genialen Idee erzählen, die ich vor einiger Zeit hatte: Etwas verschrobenen Theorien und Phantasien – meinen eigenen – sei in wortgewaltiger Sprache Nachdruck zu verschaffen, indem sie als «vom Himmel gefallen» erklärt werden.

Solches Vorgehen würde dann jede Diskussion darüber ausschliessen (logisch, denn Worte himmlischer Herkunft verlangen nach Wortgläubigkeit). Und automatisch würde alles andere damit zur Ketzerei. Jetzt kommt aber noch der Clou: Dem Urheber der Idee eröffnet dieses Vorgehen die Möglichkeit, sich als letzten, originalsten, ewiggültigen und unübertrefflichen Rechthaber zu erklären, egal, was der Inhalt seiner Lehre auch sei! Sei sie noch so steinzeitlich, kriegerisch und manchmal hinterlistig –  wenn sie direkt von Gott ist und das entsprechende Dogma einmal steht, ist an ihr nicht mehr zu rütteln, basta und mektub! Jammerschade nur, dass schon jemand vor mir auf die Idee gekommen ist! Den letzten Propheten kann es nämlich nur einmal geben!

Im Ernst: Sind solche Dogmen einmal gesetzt, haben sie auch Konsequenzen! Und Konsequenz ist hier eine Absolutheit, wie sie nur eine in sich abgeschlossene Logik hervorbringt. Diese ist daran, dem scheinbar überlegenen Westen wieder einmal gefährlich zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass der Theologe Johannes von Damaskus «Mamed» als einen falschen Propheten bezeichnete, dass sich Christen von alters her schwer damit tun, ihn als einen Propheten anzuerkennen. Das ist auch richtig so!

Das christliche Abendland hat sich in der Geschichte vielleicht ebenso gegen das Dogma der vom Himmel gefallenen Lehre und der Idee des «Siegels aller Propheten» gewehrt, wie gegenüber Aussagen, Jesus sei weder gekreuzigt worden noch auferstanden, die ihm ja nicht gefährlich werden. Heute, wo wir Demokratie und Menschenrechte hochhalten, müssten wir uns erst recht gegenüber totalitären Ideen abgrenzen.

Noch etwas: Wenn Muslime Jesus auch als Propheten anerkennen, interessiert es sie in aller Regel nicht, was er gesagt hat –  steht doch «alles im Koran». Da kann es unsere Rolle ganz gewiss nicht sein, Mohammed als Propheten anzuerkennen; absolute Rechthaberei ist mit aufgeklärtem Denken nicht vereinbar. Toleranz von oben herab und aus der vermeintlichen Position der Stärke ist hier sicher fehl am Platz.

Es stellt sich die Frage nach der angemessenen Haltung dem Phänomen gegenüber. Der Esel wird nämlich nicht mehr stehen bleiben, wenn «der Gschyder» nachgibt, wie das alte Sprichwort will. Der nachgebende Gescheitere kann hier nicht auf Vorbildwirkung, auf Anhänger einer in sich abgeschlossenen Lehre hoffen, er würde zum Geprellten, weil der (troyanische) Esel statt stehen zu bleiben dann unweigerlich mit neuen Forderungen nachrückt. Natürlich kann niemand etwas dafür, in dieser Lehre geboren worden zu sein; dem Menschen ist mit Respekt zu begegnen, aber dieser Lehre haben wir Abendländer, ob Christen oder Laizisten, ganz gewiss nicht zu hofieren!

David Zaugg, St.Gallen


Aktuelles aus den Gemeinden


Vom 5. bis 7. Mai findet in St.Gallen der 12. Bodensee-Kirchentag zum Thema «In der Vielfalt zuhause» statt.
 >>>mehr


Am Mittwoch, 5. April, erfüllen um 12.15 Uhr vier Frauen die St.Laurenzen-Kirche in St.Gallen mit ihren Saxophonklängen.  >>>mehr


Kinder pflegen einen unverkrampften Umgang mit der Bibel und Gott. Kolibri-Kinder, darunter auch Céline und Luca aus der Kirchgemeinde Wil, beschreiben den Himmel, wissen in ihrer Vorstellung genau, was Gott tut und macht. >>>mehr


24.4./ 8./15./22./29.5., montags, 20.15 – 21.45 Uhr im Hörsaal A112 HSG >>>mehr

Schreiben Sie uns

Glaubensfragen?
Hier erhalten Sie Antwort. Lesen Sie auch, was andere gefragt haben. >>>mehr

Leserbriefe
Sagen Sie uns Ihre Meinung! >>>mehr


Zur Homepage der
Evangelisch-Reformierten
Kirche des Kantons St. Gallen