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 Ausgabe 04/2006 
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Swiss Gospel Contest – ein Event mit unsauberen Zwischentönen

Im Rahmen der Swiss-Eglise in Weinfelden wurde am 12. März das Finale des 1. Swiss Gospel Contests ausgetragen. Man mag mich zwar als «zugewandter Ort» einer der acht Finalchöre nicht als «parteilos» bezeichnen, andererseits bin ich als Vertreterin der reformierten Kirchenmusikverbände quasi als Wahlbeobachterin nach Weinfelden gereist.

Leider war der Event von Anfang an von unsauberen Zwischentönen überschattet: Nach verschiedenen organisatorischen Fehlstarts im vergangenen Jahr wurde man spätestens zum Jahresbeginn stutzig, als die Finalisten feststanden, unter denen sich auch ein Gospelchor des Initiators und Jurymitgliedes Urs Leuenberger befand. Nichts Böses ahnend und nicht auf die Unkenrufe vom vergangenen November hörend, welche einen Sieg des betreffenden Chores unter den gegebenen Umständen prophezeiten, ging man davon aus, dass dieser als Juror ausscheiden würde. Tat er auch, aber nur teilweise: Er verzichtete zwar auf die Bewertung und Leitung seines eigenen Chores, durfte aber alle anderen Chöre bewerten. Zugegeben, das Verfahren war von den Veranstaltern so bekannt gegeben worden und rechtlich werden sie sich schon abgesichert haben. Nahe liegt die Vermutung, dass er als Juror wohl über die Bewertungskriterien informiert war. Eine weitere Ungereimtheit bildete das sms-Voting, welches den Lokalmatadoren unter den Chören einen klaren Heimvorteil einräumte. In den Bestimmungen des Contests war zu lesen, dass nur das im Raum anwesende Publikum stimmberechtigt sei. Dies wurde aber zu Beginn der Veranstaltung weder mitgeteilt noch kontrolliert. Aus meiner Sicht kann ein solches Verfahren höchstens die Rolle eines Publikumspreises spielen und nicht de facto über einen Drittel der Punktzahl ausmachen. Den Eindruck, dass die Jury sich nicht dem teilweise konsternierten Publikum stellen wollte, hinterliess die Siegerbekanntgabe: Erster Gospelchor Flawil – no comment von Seiten der Jury, kein Stimmenbarometer, keine Punktzahl, kein zweiter Platz, rein gar nichts. Die Rangliste des Contests sei ab Montag auf der offiziellen Homepage www.gospel-contest.ch nachzulesen. Das bittersüsse Erwachen am Tag danach: Der Lokalchor gewann mit einem – wie von den Veranstaltern beschriebenen – Foto-Finish-Vorsprung auf den Zweitplatzierten dank des sms-Votings; ansonsten hätte er sich mit einem Platz im Mittelfeld begnügen müssen. Von mir aus darf sich der Gospelchor Flawil an seinem Erfolg freuen; ich gönne ihn ihm. Was mir aber mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, dass unter einem offiziellen Label Swiss Gospel Contest ein Event durchgeführt wurde, der an so vielen Stellen unsaubere Zwischentöne beinhaltete und diese jeweils passend schön geredet wurden. Ich wünsche den Veranstaltern sehr, dass sie in einer allfälligen Folgeveranstaltung nicht weiter die Glaubwürdigkeit der Kirchen aufs Spiel setzen.

Verena Friedrich, Zentralpräsidentin der ref. Kirchenmusikverbände der deutschsprachigen Schweiz

 

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