der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
| Aktuelle AusgabeMärz 2010Frühere AusgabenVeranstaltungenKirchgemeindenLinksAbonnementeRedaktionBilderSuche |
Ausgabe 03/2010 ![]() Diese Ausgabe als PDF |
Der Herr ist mein Trotz – Texte zur Religion von Peter Bichsel
Ein Sammelband vereinigt die über Jahrzehnte herausgekommenen Texte zur Religion von Peter Bichsel. Sie zeigen einen Erzähler und Denker, dem alles laue Christentum zuwider ist.
Die gesammelten Texte zur Religion von Peter Bichsel enthalten Predigten, Kolumnen, Erzählungen und Essays. Herausgegeben wurden sie vom Theologen und Literaturwissenschafter Andreas Mauz, von dem auch ein informatives und kluges Nachwort stammt.
Kein «Mittel gegen Grippe»Peter Bichsel ist ein Schriftsteller, der immer wieder linkspolitisch Stellung bezogen hat (siehe Kasten). Auch im Christentum erkennt er eine gesellschaftliche und soziale Dimension und macht sein kritisches Potenzial für die Veränderung der Gegenwart fruchtbar. «Der Herr ist mein Trotz» ist die Predigt überschrieben, die Bichsel 1988 in der Zürcher Predigerkirche gehalten hat, und die den Band eröffnet. Der Trotz wird ihm zur Kraft für das Neinsagen und damit zur Triebfeder für das «Recht, ein anderer zu werden» – ein Dorothee-Sölle-Satz, der für Bichsel grundlegend ist. Verweigern sollen sich die Christen einem Christentum, das zum «Erfolgsrezept» und einem «Mittel gegen die Grippe» gemacht wird. «Es meint nicht, reich, gescheit und gesund zu werden.» Bichsel wendet sich gegen die Kirchenleute, die aus Jesus den «Erfinder der Anständigkeit» machen. Er ist überzeugt, dass die Kirche in ihrer Geschichte nicht Christus, sondern den Umständen verpflichtet war. Gemeint ist damit eine bürgerliche Institution Kirche, die an Erhaltung der für sie selber vorteilhaften Umstände interessiert ist und die «Provokationen jenes nonkonformen Jesus von Nazareth» erfolgreich zähmt. Bichsel meint etwas anderes: «Das Reich Gottes ist nicht das Reich der Erfolgreichen» und der Reichen. Es wäre das Reich derer, die die Bergpredigt, diese «bekannteste und erfolgloseste Rede der Welt», ernst nehmen. Und das hätte Konsequenzen: «Wer einseitige Abrüstung als lächerlich empfindet, der findet auch jenen Jesus von Nazareth lächerlich.» Stachel gegen BequemlichkeitDamit ist Peter Bichsel unbequem. Darum lohnt es sich, seinen Gedankengängen zu folgen. Dem 1935 geborenen begnadeten Erzähler von Kurzgeschichten – in den im Buch enthaltenen Weihnachtskolumnen über das «Fest des Dazugehörens» finden sich wunderbare Beispiele – ist es ernst. Aus «sentimentalen, besser gesagt biografischen Gründen» tritt er nicht aus der Kirche aus, sondern vertritt als Mitglied seine Haltung. Als Kind ist er «übereifriger Sonntagschüler» und als Jugendlicher singt er im «Jünglingsbund» des Blauen Kreuzes Lieder gegen den Alkoholkonsum. Diese Erfahrung wird ihm zur Emanzipation vom Elternhaus durch das Christentum. Die Prägung kehrt in veränderter Gestalt wieder: «In meiner politischen Arbeit innerhalb der Sozialdemokratischen Partei bin ich eindeutig motiviert von meiner pietistischen Herkunft.» Peter Bichsel setzt der (protestantischen) Kirche seinen Stachel ins Fleisch der Bequemlichkeit. daniel klingenberg
Religion kaum mehr Thema
Jüngere Schweizer Schriftsteller äussern sich kaum mehr zu Religion und Kirche. Für Eva Bachmann erstens eine Folge davon, dass «Religion nicht mehr zum Grundbestand unserer kulturellen Bildung gehört». Zweitens habe die Kirche auch ihre Rolle als (moralische) Autorität, gegen die man sich auflehne und literarisch abarbeite, weitgehend verloren. Eine Auseinandersetzung mit Wertefragen gebe es aber weiterhin. So etwa in einem Roman von Lukas Bärfuss, der sich kritisch mit Entwicklungshilfe auseinandersetzt. Judith Hermann, die in «Alice» fünf Geschichten über das Sterben vorlegt, ist für Bachmann ein interessantes Beispiel. «Es stecken viele Fragen darin, auf die man religiöse Antworten geben könnte.» Die Autorin vermeide dies aber tunlichst. Für Bachmann aus stilistischen Gründen: Das nüchterne, äusserliche Beschreiben gehöre zu den Merkmalen der zeitgenössischen Literatur. Den Verweis auf Transzendenz finde man kaum mehr. kl |
Aktuell
Glaubensfragen?
Leserbriefe
|