der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 07-08/2010 ![]() Diese Ausgabe als PDF |
Armut bekämpfen – Innovatives Projekt der St.Galler Kirche
Die Arbeitsstelle Diakonie der Evangelisch-reformierten Kirche lanciert ein neues Projekt gegen Armut und Ausgrenzung: Eine «Zukunftswerkstatt für und mit Armutsbetroffenen».
Betroffene haben das Wort
Die Werkstatt findet am 21. September dieses Jahres statt. Sie beginnt
mit einem Vorbereitungstreffen der Armutserfahrenen, bei dem in Gruppen
Ideen und Vorschläge formuliert und von einem begleitenden Coach
aufgezeichnet werden. Die Vorschläge werden danach Fachleuten der
Gemeinden und Institutionen während eines Nachtessens vorgetragen und
von diesen entgegengenommen. Die Vorschläge werden später von einer
interdisziplinären Arbeitsgruppe so bearbeitet, dass sie in der weiteren
Arbeit gegen Armut und Ausgrenzung umgesetzt werden können. Mit dem Treffen an einem grossenEsstisch soll das Wissen beider Seiten verflochten, gestärkt und gleichzeitig ein breiter Dialog ermöglicht werden. Für Marlise Schiltknecht ist das Treffen im Herbst dann gelungen, wenn die Erfahrungen und Anliegen von Armutsbetroffenen formuliert und die nächsten Schritte im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung formuliert sind. Individuelle HilfeAn der Medienkonferenz zum Projekt Ende Juli ermöglichten Betroffene einen Blick in die Welt der Armut. Christian Sandmeier von der Selbsthilfegruppe «Stutz ufwärts» in Flawil berichtete über die Arbeit in Selbsthilfegruppen und zeigte auf, wie bedeutend soziale Kontakte für Betroffene sind. Petra Schoch gab Einblick in den Kampf gegen Armut im Alltag einer Mutter mit drei Kindern. Sozialdiakon Ueli Bächtold berichtete als Verantwortlicher des K-Treffs Wittenbach von konkreten Projekten, wie sie die Evang.-ref. Kirche an mehreren Orten initiiert hat: Personen mit knappem Budget können sich im K-Treff für einen symbolischen Franken mit Lebensmitteln eindecken. Solche Treffs dienen auch dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Deshalb haben die Kunden nach dem Einkauf Gelegenheit, zu bleiben und bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen, während sich die Kinder in der Spielecke beschäftigen. Marlise Schiltknecht informierte über das langjährige Engagement ihrer Stelle gegen Armut und Ausgrenzung. Die individuelle, direkte Hilfe reiche von der Lebensmittelabgabe über die finanzielle Unterstützung bis zur Betreuung und Begleitung Betroffener im Alltag. «Zudem tragen wir auch sozialpolitische Forderungen mit.» Gemeint sind Betreuungsstrukturen für Kinder, Mindestlöhne oder höhere Kinderzulagen, wie Kreisrichterin Dorothea Boesch-Pankow mit Sachkenntnis ausführte. Für Kirchenrätin Margrit Eggenberger sind die Verkündigung und das dienende Handeln – eben die Diakonie – die wichtigsten Aufträge der Kirche: «Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, braucht es die nötigen Strukturen und Finanzen. Die Kantonalkirche hat deshalb mit der Arbeitsstelle Diakonie ein Angebot geschaffen, das Menschen hilft, die sich nicht selber helfen können.» Unsere Kirche wolle «eine Kirche mit Beinen» sein, die zu den Menschen hingehe, sie dort abhole, wo sie gerade seien, sagt Eggenberger: «Wir wollen ihre Bedürfnisse erspüren, helfen und begleiten – ganz im Sinne unserer Vision ‹nahe bei Gott – nahe bei den Menschen›.» pd |
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