der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 07-08/2010 ![]() Diese Ausgabe als PDF |
Hans Kobelt
Nur nie aus Konserven leben. Schöpferisch bleiben. Zur Kreativität reizen. Das ist das Credo von Hans Kobelt, der 42 Jahre als Primarlehrer der Dorfschule Weite Generationen von Schülerinnen und Schülern geprägt hat. Jedes Schuljahr, jeden Stoff, jedes Thema hat Hans Kobelt immer neu konzipiert. Ein Vorbild an Lebensneugier, an Überraschungsbereitschaft. Wie zum Beweis legt er sieben A4-Bögen vor. Er holt sie nicht etwa aus der Schublade. Er hat sie für das Interview eigens entworfen. Auf etwas Altes zurückzugreifen wäre ihm zuwider.
«Schule soll ein Abenteuer sein», erklärt er. Man dürfe im Unterricht nicht alles berechnen. Er habe oft nicht gewusst, wie ein Lernprozess ende. Natürlich habe er immer ein Ziel gehabt. «Aber auf dem Weg dorthin soll doch etwas passieren», findet er. Etwas Lebendiges, Unverrechenbares, etwas, das aus den Kindern selbst komme. Je mehr man vorgebe, umso weniger könne passieren. Dann lebe der Unterricht nicht. Ein Vorbild müsse daher offen sein für das Unerwartete. Nur dann lasse sich lernen.
Offene Räume«Jedes Jahr mit den gleichen Arbeitsbogen vorzugehen, wäre mir ein Graus», sagt er, der Generationen als strenger Lehrer galt. Doch mit geplanten Lernschrittchen, mit kleinkarierten Teilzielen kann er nichts anfangen, auch nicht mit Büchern, die alles vorschreiben. Pisa, Cockpit, Standards – er schüttelt den Kopf. Menschen seien doch nicht programmierbar. «Die Bildungstechniker entwickeln immer Sachen, die nivellieren und in die Enge führen», beklagt er. Er sei Lehrer geworden, wegen des Raums. Um im Einzelnen, gerade im Schwächeren, die Fähigkeiten zu wecken. Jeder könne was, jeder habe seinen Platz in der Gesellschaft. Ihm mache Sorgen, dass das Verständnis dafür sinke. «Diese Freiheit bringt aber auch viel Arbeit», sagt er. Doch in dem, was man selbst entwerfe, wirke das Vorbild. Sein Herz schlug denn auch bei den Fächern Sprache und Gestalten. Die daraus entstandenen Projekte sind sprichwörtlich im Dorf. So hat er mit Kindern Gedichte geschrieben, Theater aufgeführt, Ausstellungen und Lager organisiert, er hat soziale Aktionen angestossen, als permanenten Prozess und immer so, dass die Schüler das Anliegen zu ihrem eigenen machen konnten. Kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand zuletzt noch mit dem Künstler Peter Leissinger. Vor den Ferien haben alle Klassen «seiner» Schule während einer Woche einen eigentlichen Skulpturenpark mit Fantasietieren kreiert.
Experte für KünstlerischesDazu beigetragen, dass er sein ganzes Berufsleben in der Primarschule verbrachte, hat sein Engagement am Lehrerseminar in Sargans. Während 35 Jahren hat er sich hier als Experte für Künstlerisches Gestalten profiliert und Junglehrer auf den Beruf vorbereitet. Diese Arbeit förderte seine ständige kritische Reflexion, sagt er. So hat er die Dorfschule, nein, die Menschen geprägt. In ein Kreativitätsloch fällt Kobelt nach der Pensionierung nicht.
Was kaum überrascht – er hat sich wieder mal was einfallen lassen. Im
Lukashaus Grabs fängt er als Gärtner an. Mit Behinderten gestaltet er
eine «Landschaftssymphonie». Und noch was: Er wird
Schwangerschaftsvertreter. Beim Globus in Chur. Als
Schaufensterdekorateur. Was für ein Vorbild. Reinhold Meier |
«echtzeit»-Gottesdienst
Studienreise nach Israel
Glaubensfragen?
Leserbriefe
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