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 Ausgabe 01/2004 
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Wieder stehen wir vor einem neuen Jahr. Was es uns wohl bringen wird? Vielleicht haben Sie schon diese oder jene Prognose gelesen, etwaüber wirtschaftliche oder soziale Entwicklungen, terroristische Bedrohungen usw. Auch Horoskope haben jetzt Hochkonjunktur, vor allem was die persönliche Zukunft betrifft. Solche Voraussagen deuten die Zukunft aber meist als Fortsetzung der Gegenwart oder gar als ein über uns verhängtes Schicksal.

Zugegeben: Die Geschichte macht kaum Sprünge. Die Kraft der Gewohnheit ist gross und das menschliche Geschlecht ist gefangen in seinen kleinen und grossen Egoismen. Macht, Geld und Waffen-stärke regieren die Welt. Fast illusionär tönt da Jesu Forderung, seine Feinde zu lieben. Wer ist damit nicht überfordert?

Übermenschliches wäre von uns verlangt, wenn auf solch vorbehaltloser Liebe, die den Teufelskreis der Gewalt aufbricht, nicht ein Segen läge. Einen Schimmer dieses Segens haben wir vielleicht selber schon erlebt. Und damit wir immer mehr davon erfahren können, hat Jesus diese Liebe nicht nur vorgelebt, sondern auch sein ganzes Leben dafür eingesetzt.

Die Zukunftsprognose des Glaubens gibt dem Einbruch einer anderen Wirklichkeit Raum. Überraschendes wird nicht mehr ausgeschlossen. Von solcher Prognose lebt auch die 1998 vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ausgerufene «Dekade zur Überwin-dung von Gewalt», die alle christlichen Organe dazu einlädt, «ihre friedenschaffenden Gaben ihrer eigenen Berufung gemäss anzubieten, … die eigentlichen Gründe für persönliche Gewalt zu erforschen, … und die strukturellen Ungerechtigkeiten, die überhaupt erst zu Gewalt führen, zuüberwinden». In diesem Sinne stehen wir nicht passiv vor dem neuen Jahr und fragen, was es uns bringen wird. Wir schreiten ihm aktiv entgegen mit der Frage, was wir selber dem neuen Jahr bringen – Kraft eines Glaubens, der Neues ermöglicht.

Ihr Andreas Schwendener

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