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 Ausgabe 01/2004 
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Ein Lichtkreuz für die Kirche in Abtwil

Die künstlerische Neugestaltung der 1957 erbauten Abtwiler Kirche war nicht unumstritten. Die Kirchgemeinde Gaiserwald hat ihre modernisierte Kirche am ersten Advent eingeweiht.

Der Mut zur Kirchenmalerei vom ­Anfang des 20. Jahrhunderts wich nach dem Zweiten Weltkrieg einer grossen Zurückhaltung. Symbolkunst galt jetzt als eigentlich protestantische Kunstform. Viele ältere Kirchen wurden in möglichst nüchterne, auf das Wort konzentrierte Räume umgestaltet.

Die Kirche in Abtwil ist ein Produkt der 50er-Jahre. Sie enthält aber auch Überraschendes, etwa die geschnitzte Eingangstüre von Max Hunziker (1901–1976). Die weitere künstlerische Gestaltung wurde dem Zürcher Grafiker Ernst Keller (1891–1968) anvertraut. Er entwarf den Hahn auf dem Dach, die Kanzel und den Abend­mahls­tisch wie auch das symbolisch reich befrachtete Kreuz an der Frontwand.

Architekt als Künstler

Treibende Kraft der aktuellen Innen­renovation war Pfarrer Herbert Pachmann, der die künstlerische Ausgestaltung der Kirche mit den ästhetischen und liturgischen Bedürfnissen der ­Gegenwart in Einklang bringen wollte. Der vom Architekten Michael Schläpfer erarbeitete Entwurf fand aber nicht nur Zustimmung. Ein Teil der Gemeinde wollte das alte Konzept bewahren, unterlag aber bei der entscheidenden Kirchgemeindeversammlung.

Der Umbau nahm sechs Monate in Anspruch. Die gegen Osten gerichtete Vorderwand wurde in einem erdfarbenen Ton bemalt und in der Form eines Kreuzes, das Tageslicht hereinlässt, aufgebrochen. Kanzel und Abendmahls­tisch wurden in Ulmenholz neu gestaltet und mit einem Sessel ergänzt. ­Zudem erhielten die Kirchenfront ein Podest mit Bodenheizung und die ­Kirche ein neues Beleuchtungskonzept.

Spiritueller Raum

Am 1. Advent konnte der wiederum einheitlich, aber geometrisch strenger gestaltete Raum eingeweiht werden.

Der Charakter der Kirche sei bewahrt und mit neuen Elementen verstärkt worden, betonte Architekt Mi­chael Schläpfer. Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft sprach die Spaltung innerhalb der Gemeinde an. Vieles bewege sich heute. So habe sich auch die Kirche dem Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern zu stellen. Pfarrer Herbert Pachmann nahm Bezug auf den Tempelbau in Jerusalem, auf die Zusage, dass der Name Gottes dort Wohnung nehme. Überzeugt davon, dass die Ästhetik einer Kirche auch die «Spiritualität» einer Gemeinde prägt, verwies er auf das Licht des Auferstandenen, welches nun symbolisch durch das neu geschaffene Kreuz den ­Kirchenraum erhelle.

Andreas Schwendener

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