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 Ausgabe 01/2004 
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Interview mit Archivar Max Frei

Was enthält ein Kirchgemeindearchiv?

Wir unterscheiden zwischen Pfarr­­archiv und Kirchgemeindearchiv. Das Pfarrarchiv geht auf die ­Anfänge einer Kirchgemeinde zurück. Es handelt sich um schön ­gebundene Kasualienbücher, in welchen Taufen, Konfirmationen, Eheschliessungen und Bestattungen chronologisch aufgeführt werden. Weil die politischen Gemeinden erst seit 1875 Zivilstandsangaben führen, sind die Pfarrbücher von grosser Bedeutung, etwa für die Erstellung von Stammbäumen. Davon zu unterscheiden ist das Kirchgemeindearchiv, wo wichtige Akten der Gemeinde aufbewahrt werden: Urkunden, Verträge, Amtsberichte, Akten zu Pfarrwahlen, Fotos, Schriften usw. Dazu gibt es von der Kantonalkirche einen aktualisierten ­Registraturplan mit integrierter Fristenliste.

Wir archivieren auch die Kirchenboten seit den Anfängen. Denn auf den Gemeindeseiten finden sich Angaben über das Leben der Gemeinde, die auf andern Wegen kaum zu erhalten sind. Alle fünf Jahre ­lassen wir die Kirchenboten binden.

Und wem nützt schliesslich das Archiv?

In erster Linie der Kirchenvorsteherschaft, die ein altes Dokument, einen Bauplan oder eine Vereinbarung benötigt. Immer wichtiger wird das Archiv auch als Quelle der Geschichtsforschung, etwa für die Aufarbeitung der eigenen Gemeindegeschichte und deren Vereine. Ich staune oft, wenn ich ­sehe, mit welchem Einsatz die Kirchgemeinde aufgebaut, begründet und geführt wurde, oder wie man zu Geldmitteln zu kommen versuchte.

Wissen Sie Bescheid über den Zustand anderer Kirchgemeindearchive im Kanton?

Wir hatten ja in Rorschach den Kurs «Alles ums Archiv». Nur 22 der 55 Gemeinden waren da vertreten. Und was ich von diesen 22 so hörte, hat mich teils erschreckt. Oft liegen die Materialien seit Jahrzehnten irgendwo in einem Estrich.

Hat jede Gemeinde einen Archivar?

So schreibt es die Kantonalkirche vor. Meist ist es der Aktuar oder die Aktuarin. In mittelgrossen Gemeinden wird die Verantwortung oft dem ­Sekretariat übertragen. Grössere Gemeinden tun gut daran, eine aussenstehende Person anzustellen, da die Sekretariate damit überfordert wären. Dabei ist es wichtig, dass man der Person die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellt und ­klare Entschädigungsvereinbarungen trifft.

Was ist langweilig, was spannend an Ihrer Arbeit?

Ich brauchte fünf Jahre, um die vielen in Bananenschachteln gelagerten Materialien zu sichten. Jetzt aber habe ich die nötige Übersicht und Erfahrung, um lustvoll im Archiv zu forschen und bei unsern Jubiläen meinen Beitrag zu leisten. as

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