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 Ausgabe 01/2004 
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Der St.Mangen-Park in St.Gallen -

Der Park bei der Kirche St.Mangen in St.Gallen ist für mich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Ort. Hier hatte schon die mittelalterliche Stadt ihren Friedhof. Die Reformatoren brachen mit dem Gräberkult. Sie verfielen in das andere Extrem. So wissen wir heute nicht, wo die Reformatoren Vadian und Kessler begraben liegen. Zusammen mit andern grossen Persönlichkeiten der Stadt teilen sie das Schicksal aller Menschen, mit armen und reichen, bekannten und unbekannten. Darum ist dieser Park für mich ein Ort der Besinnung.

Ich fühle mich hier verbunden mit den Menschen dieser Stadt. Ich empfinde die eigene Vergänglichkeit. Namen sind nicht wichtig. Im Tod sind wir alle, wie es die Reformatoren in Worten der Bibel sagten, «versammelt bei den Vätern».

Aber der Hügel vor der ersten Stadtmauer zu St.Mangen war schon lange vor der Reformation ein Pilgerort. Hier hatte sich im Jahr 916 Viborada eingemauert. Später lebten da gleichzeitig mehrere Inklusinnen. Viborada hatte 926 den Einfall der Ungarn vorausgesagt und so zur Rettung der Klosterschätze beigetragen. Sie selber fiel dem Überfall zum Opfer. Viborada als Gottsucherin, als Seelsorgerin, als Visionärin und als Märtyrerin ist für mich an diesem Ort ­gegenwärtig. Bei der letzten Renovation fand man das Fenster, von dem aus sie ­jeweils die von ihrem Bruder ­zelebrierte Kommunion beobachtet hatte.

Ebenfalls bei einer Renovation fand man den alten Grundriss der Kirche. Er bildete ein gleichschenkliges Kreuz. Ich kenne in der ganzen Schweiz keine ­andere Kirche mit diesem Grundriss. Später wurde die Kirche gegen Westen angebaut, sodass sie jetzt ein lateinisches Kreuz bildet. Aber die frühere Form, diese nach allen Richtungen gleichmässig ausstrahlende Kraft, ähnlich dem Schweizerkreuz, empfinde ich noch immer an diesem Ort.

Walter Frei, St.Gallen,
zuletzt Pfarrer in Bühler AR (notiert as)


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