Logo
Politik

«Präsidium ist kein Feierabendjob»

Sie präsidiert die Vorsynode Rheintal und die Kirchgemeinde Diepoldsau-Widnau-Kriessern, er steht der Vorsynode Toggenburg vor und ist seit 2016 Vizepräsident der Synode: Käthi Witschi-Hubmann und Philipp Kamm haben sich in Eschenbach in den Workshops «Milizsystem» respektive «Synode» engagiert und Ideen für die Zukunft der St. Galler Kirche zusammengetragen.

«Seit dem letzten Visitationsbericht, als der Inhalt der Kirche im Zentrum stand, ist ihre Struktur auf der Strecke geblieben», sagt Käthi Witschi. Dabei hätten sich mit den Fusionen die Bedürfnisse und Anforderungen an die Kirchgemeinden geändert, die Situation für die Kirchenvorsteherschaften sei schwieriger geworden. «Es ist, also ob ein Bauer neue Felder hinzupachtet, ihm aber die nötigen Maschinen zur Bewirtschaftung fehlen.»

«Mit den Fusionen ist die Arbeit für die Kirchenvorsteherschaften schwieriger geworden.»

Kein Feierabendjob mehr

Diese Überlastung manifestiert sich darin, dass kaum mehr Personen im Erwerbsleben fürs Präsidium gefunden werden. «Denn das Amt ist kein Feierabendjob mehr.» Rentner und Frauen, die finanziell abgesichert sind, springen in die Lücke. «Dies widerspricht der Idee, die Kirche zu verjüngen.» Im Workshop, den die 63-Jährige als spannend und konstruktiv erlebte, kristallisierten sich zwei Lösungsansätze für neue Strukturen heraus. «Das erste Modell sieht einen Geschäftsführer vor. Er wirkt operativ, entlastet die Ressorts und das Präsidium. Dabei gilt es zu bedenken, dass sich aus der Position heraus kleine Könige entwickeln könnten.» Die Idee, das Präsidium zu stärken, fand im Plenum am meisten Anklang. Die Arbeitsbelastung würde prozentual errechnet, die Stelle entlöhnt. «Die entsprechende Person wäre bereits mit den Kompetenzen ausgerüstet, die Zwischenstufe fiele weg, Ressorts könnten entlastet werden.» Das mögliche Outsourcing der Finanzen oder der Liegenschaftsverwaltung als dritte Variante fand hingegen wenig Zuspruch. 

«Ich habe den Eindruck, dass die Synode momentan kein aktiver Impulsgeber ist.»

Synode Mitgestalten statt «Abhocken»

Als sehr anregend empfand auch Philipp Kamm die Aussprachesynode. «Hier ist, im Gegensatz zur Synode, das Gespräch erwünscht.» Der Fokus des Ebnat-Kapplers lag denn auch beim
Kirchenparlament. «Die Verkleinerung war ein Thema, ob dies billiger und speditiver wird, ebenfalls. Der Tenor aber lautete: Was will man erreichen und wie?» Nach Ansicht des 38-Jährigen ist die Synode derzeit kein aktiver Impulsgeber. Die Frage stelle sich, wie die Synodalen zur engagierten Parlamentsarbeit motiviert werden können, damit sie nicht zweimal pro Jahr nur die Session absitzen und den Knopf drücken. «Die Bildung von Interessengruppen oder Vorbereitungskommissionen sind Varianten, das Debattenklima zu erneuern.» Dabei blickten die Diskutierenden über den eigenen Tellerrand hinaus, verglichen Ratsgremien anderer Kantone, die Fraktionen haben oder Fachgruppen. 

Sorgenkind Liegenschaften

Es gebe aber Dringlicheres als die Reformierung der Synode, sagt der Toggenburger. Er wie Witschi haben bei der Nutzung überzähliger Liegenschaften der Kirchgemeinden Handlungsbedarf ausgemacht. «Ein Kirchgemeindehaus kann noch zum Kindergarten umfunktioniert werden. Aber beim Verkauf einer Kirche wird es sehr emotional», so die Rheintalerin.

 

Text: Katharina Meier | Fotos: Andreas Ackermann  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2017

 

Gelegenheit für Gespräche

Alle zwei Jahre treffen sich die reformierten St. Galler Kirchenparlamentarier und -parlamentarierinnen zur Aussprachesynode. Nicht Abstimmungen und Traktanden stehen im Zentrum, sondern der Austausch und die Vertiefung eines Themas. Grundlage war dieses Jahr der Visitationsbericht 2017 «Kirche bei den Menschen». In Workshops zu den Stichworten Synode, Milizsystem, Gebäude, partnerschaftliche Gemeindeleitung und die Gemeindestrukturen trugen die Teilnehmenden Ideen, Anstösse und Lösungen für die Zukunft zusammen und gaben sie dem Kirchenrat mit auf den Weg. (meka)


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Ein Zwingli-Bier für den lauen Sommerabend  | Artikel
Ein Bier zum Jubiläum: Das Zwingli Bier ist gebraut –  zu Ehren von Huldrych Zwingli, nach alter Tradition, ein gutbürgerliches Bier. Im Stil ist das Zwingli-Bier ein Urweizen mit vier Getreidesorten, darunter auch die alten Sorten Emmer und Dinkel. Im Geschmack entspricht das Zwingli Bier einem Bier …von früher»: rotbraun in der Farbe, naturtrüb, trocken und mit einer dezenten Sauerteigbrot-Note, wie es im Newsletter  mit Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation St. Gallen heisst. 

Erhältlich als: 
7er-Karton: 19.- inkl. Depot
15er Harass: 45.50 inkl. Depot

Bestellmöglichkeiten 

 


Ein weltlicher Diener am Wort  | Artikel

Das Wort ist sein Element: Spoken Word Poet, Texter, Moderator, Kulturvermittler… Das sind nur einige der vielen Berufungen, denen Richi Küttel folgt. Aus Neugierde liess sich der ehemalige Bernecker gerne auf ein Gespräch mit Andreas Schwendener über den Heiligen Geist ein, das in einem Video aufgezeichnet wurde. 


Zwingli by Daniel Lienhard  | Artikel

Was aber Gott ist,
das wissen wir aus uns ebenso wenig,
wie ein Käfer weiss, was ein Mensch ist.