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Kultur

Hans Krüsi, der Märtyrer aus St.Georgen

Hans Krüsi ist heute fast vergessen. Zu Unrecht! Das Wenige, das von ihm überliefert ist, lässt aufhorchen. Sein tragisches Ende macht betroffen: Am 27. Juli 1525 wurde er in Luzern bei lebendigem Leib verbrannt. Vorher hatte man ihn brutal gefoltert. Bei seiner Verhaftung in St. Georgen oberhalb der Stadt St. Gallen ging die Polizei des Fürstabts nicht gerade zimperlich mit ihm um.

Sie riss ihn mitten in der Nacht aus dem Bett und verschleppte den laut um Hilfe Schreienden auf das Schloss Oberwil bei Gossau. Nach einigen Tagen wurde er nach Luzern transportiert. Der Henker vollzog die Hinrichtung so ungeschickt, dass Krüsi sich auf dem brennenden Scheiterhaufen losreissen konnte und mit einer Heugabel zurückgestossen werden musste. Wie es sich für einen Ketzer des heiligen christlichen Glaubens gehöre, so das Protokoll, wurde er zu Pulver und Asche verbrannt und verscharrt. Man stellte sich wohl vor, man könne mit diesem Verfahren Krüsis leibliche Auferstehung am Jüngsten Tag verhindern.

Wer war Hans Krüsi (gelegentlich auch Nagel genannt)? Er gehörte zur grossen Schar junger Intellektueller, die sich damals von der Reformation begeistern liessen. Möglicherweise
hatte er sich eine Zeit lang an einer Universität aufgehalten, ohne allerdings einen akademischen Grad zu erwerben. Sein Grossvater mütterlicherseits war wohl Priester in St.Georgen. (Dass Priester Kinder hatten, war damals nicht ungewöhnlich.) Sein Vater war Leiter der Lateinschule in Klingnau im heutigen Kanton Aargau, verfügte also über eine höhere Bildung.

Lateinlehrer in Wil SG

Krüsi trat in die Fussstapfen seines Vaters und nahm die Stelle eines stellvertretenden Schulmeisters an der Lateinschule von Wil SG an.
Im Winter 1525 kam der jung Verheiratete in Berührung mit der Täuferbewegung. Der Zürcher Täuferführer Konrad Grebel vollzog die Erwachsenen- bzw. Glaubenstaufe an ihm. Die Täufer (ursprünglich enge Freunde Huldrych Zwinglis) wollten das Neue Testament ganz wörtlich nehmen. Er glaube dem Wort Gottes einfältig – «uß gnad, nit uß kunst», schrieb Grebel seinem Schwager Vadian. Man strebte eine Freikirche an, einen freien Zusammenschluss von Bekehrten, zog sich von der Gesellschaft zurück, lebte bescheiden und vertrat das Prinzip der unbedingten Gewaltlosigkeit.

«Die Männer der fürstäbtischen Gemeinde Tablat wählten ihn spontan zu ihrem ‹Pfarrer›, obwohl er kein geweihter Priester war.»

Nach seiner Taufe durch Grebel nahm Krüsi bei der Familie seiner Mutter in St.Georgen Wohnsitz. Er muss eine faszinierende Persönlichkeit gewesen sein. 

 

«Pfarrer» in St. Georgen

Die Männer der fürstäbtischen Gemeinde Tablat wählten ihn spontan zu ihrem «Pfarrer», obwohl er kein geweihter Priester war. Ein revolutionärer Vorgang! Krüsi predigte, taufte, feierte das Abendmahl, hielt Trauungen und Beerdigungen. Nicht nur auf dem Land (auch bei den Appenzellern), sondern ebenso in der Stadt St.Gallen fand er ein grosses Echo. Der Rat von St. Gallen inhaftierte ihn vorübergehend und untersagte ihm, auf Stadtboden zu wirken. Er solle ein Handwerk erlernen! Krüsi blieb unbeugsam und amtete bis zu seinem unglücklichen Ende nach nur wenigen Wochen als «Pfarrer» in St. Georgen weiter. 

Etwas blieb zurück: Konrad Grebel hatte seinem Schützling und Schüler ein kleines, handgeschriebenes Heft anvertraut. Es war eine Sammlung von Bibelstellen, mit denen die täuferische Position untermauert werden konnte. Unter Krüsis Namen wurde dieses Heft im Herbst 1525 in Augsburg gedruckt, wo es bereits eine Täufergemeinschaft gab. Ausgestattet ist die Publikation mit dem Motiv der Totenauferweckungen durch Jesus. Ein einziges Exemplar dieser ersten gedruckten Schrift aus dem täuferischen Milieu ist in der ehemals königlichen Bibliothek in München erhalten geblieben. Wenigstens hier lebt die Erinnerung an Krüsi weiter. 

 

Text: Frank Jehle, St.Gallen | Bild: http://reader.digitale-sammlungen.de  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2017

 


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Zwingli by Daniel Lienhard  | Artikel

Fragt nun aber jemand: Wie können wir denn wieder
zu Einigkeit und Frieden kommen?
So hiesse die Antwort: Mit der Beseitigung des Eigennutzes.

Huldrych Zwingli im Gespräch mit einem Banker.