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Kirche

Reformierte Kirche entwirft Zukunftsvisionen

Erstmals in ihrer Geschichte führte die Thurgauer Evangelische Landeskirche eine Gesprächssynode durch. Das ist einer von drei Wegen, mit dem die Kantonalkirche eine richtungsweisende Vision für die Zukunft entwickeln will. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

1523 lud der Grosse Rat von Zürich zur Disputation, um Zwinglis Thesen zum neuen Glauben zu diskutieren. Knapp 500 Jahre später hat die Thurgauer Evangelische Landeskirche zu einer Gesprächssynode eingeladen. Gemeinsam sollten die Synodalen Zukunftsvisionen für die Kirche entwickeln.

Arbeitsgruppen – kurz «Hearings» genannt – hatten schon vor der Gesprächssynode Ansätze erarbeitet, um den Pioniergeist in der Kirche zu fördern. Die 63 Kirchgemeinden hatten ausserdem ihre eigenen Thesen eingebracht. Die Gesprächssynode im August war nun der dritte Anlass, um «möglichst kreativ und unvoreingenommen» über den zukünftigen Kurs der Kirche nachzudenken, wie Synodalpräsident Jakob Bösch erklärte. Die Erkenntnisse aller drei Gremien werden an einer öffentlichen Tagung vom 10. Februar 2018 zusammengeführt und weiterentwickelt.

Neue Weichen stellen
Jakob Bösch zeigte sich ermutigt: «Diese Erfahrung aus der heutigen Gesprächskultur legt eine gute Basis für die Dialogfähigkeit, auch bei kontroversen Fragen. Dies wird sich auf die weiteren Synodeverhandlungen positiv auswirken.» Kirchenratspräsident Wilfried Bührer ist überzeugt, dass der mehrgleisige Weg erfolgsversprechend ist. Er habe festgestellt, dass die «Marke» Evangelische Landeskirche Thurgau im Volk nach wie vor viel Vertrauen geniesse: «Darauf kann gebaut werden. Unüberlegte Sprünge, die dieses Vertrauen gefährden, sind zu vermeiden. Dennoch sind neue Weichenstellungen nötig.»

Entstanden ist an der Gesprächssynode ein breit abgestütztes Meinungsbild des Thurgauer Kirchenparlaments. Symbolische Gesprächsthemen, betitelt mit Bildern aus der Seefahrt, bildeten den Rahmen für die Synodalen. Der Kirchenrat beantwortete Fragen, hielt sich aber inhaltlich zurück.

«Kirchensprech» vermeiden
Beim Thema «Schiffsbau» ging es um kirchliche Strukturen: Die Synodalen dachten über die Abkehr vom reinen Milizsystem in der Kirchenvorsteherschaft nach. Rund um das «Seemannsgarn» befassten sie sich mit kirchlicher Kommunikation und der Präsenz in unterschiedlichen Medienplattformen. Sie thematisierten überdies den «Kirchensprech». Man will das Coaching von Gottesdienstverantwortlichen fördern, denn «lebensnahe Verkündigung sei eine Daueraufgabe».

«Flagge zeigen»
Eine wertvolle Fracht sind die christlichen Werte, war man sich einig: Es sei die Aufgabe der Kirche, wichtige gesellschaftliche Themen zur Diskussion zu bringen. Um Wertedebatten breit abzustützen, plant man im Zweijahresturnus eine Gesprächssynode. Die Synodalen forderten, dass die Landeskirche ihre Zurückhaltung ablegt und in gesellschaftlichen Fragen im Sinne ihres Wächteramtes mutig Stellung bezieht, «Flagge zeigt» und in den Medien präsent ist. Die Kirche soll ohne Scheu vor möglichen Austritten deutlich machen, dass sich nicht alles mit Mehrheiten beschliessen lasse. Vor Abstimmungen soll die Kirchenleitung Entscheidungsgrundlagen aus christlicher Sicht mit Pro- und Contra-Argumenten liefern.

Konfliktkultur pflegen
Der Wunsch, eine Konfliktkultur zu pflegen, wurde beim Gesprächsthema «Kompass und Karte» deutlich, das unterschiedliche Bibelverständnisse innerhalb der Landeskirche an den Tag brachte. Bildungsangebote, Gespräche über die Bibel und interreligiöser Dialog sollen dazu beitragen, andere Religionen und Glaubensgemeinschaften kennen zu lernen. Das helfe auch, andere Positionen innerhalb der eigenen Landeskirche zu verstehen und das Profil zu stärken, hiess es.

Die Vorbereitungsgruppe wertet im September die Gesprächssynode aus, konkretisiert die Visionen und bespricht das Resultat mit dem Kirchenrat.

Bergmann/Salzmann, kirchenbote-online, 29. August 2017


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