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Spiritualität

Im Glauben ist Gott da

Zwinglis in Latein verfasste Abhandlung «Die Vorsehung» von 1530 enthält einen Exkurs über den Glauben — Glauben nicht an Sakramente, Wunder oder Glaubenssätze, sondern an Gott. Und nicht die Kirche mit ihren vermittelnden Gaben führt die Seele in die Gemeinschaft mit Gott, sondern Glaube. Gott selber gibt in seiner Vorsehung dem Menschen den Glauben und so sich selber. Zwingli erklärt dies hier anhand von Hebräer 11, 1.

«‹Der Glaube ist›, sagt der Apostel, ‹das Wesen der erhofften Dinge und die Offenbarung und das Begreifen der unsichtbaren Dinge (Hebr. 11,1).› So übersetzten wir Wort für Wort aus dem Griechischen. [...] Also ist es die Meinung des Apostels, dass der Glaube die Essenz oder Substanz der erhofften Dinge ist, das heisst: eine wesentliche Sache der Seele, nicht eine oberflächliche oder unbegründete Meinung oder Gesinnung, die man bald so hat oder festhält, bald aber anders, sodass es unsicher ist, welches von den
beiden das Richtige ist. Sondern er meint ein festes und wesentliches Vertrauen der Seele, mit dem sie ganz, wie sie auch immer ist, auf die erhofften Dinge vertraut, das heisst: auf die Sache, auf die sie allein und einzig unfehlbar hofft. 

«Der Glaube ist dieses Wesentliche und Feste in unseren Seelen, das von jenem gegeben ist, der selber Grund und Inhalt unserer Hoffnung und deren Erwartung ist». 

Das Wesen der erhofften Dinge
Daher ist ‹die erhofften Dinge› eine Umschreibung der höchsten Gottheit, auf die allein zu Recht gehofft wird; [...] (es folgt eine Begründung für den Plural der erhofften Dinge, womit Gott und seine Gaben gemeint sind) [...]Ich wollte dies aber nicht auf folgende Weise wiedergeben: ‹Der Glaube ist jenes Feste und Wesentliche der Seele, wodurch sie zu Gott gebracht wird, auf den sie unfehlbar hofft›, auch wenn dies der Sinn der Worte ist. Denn [...] ‹das Wesen der erhofften Dinge› hat noch eine andere Bedeutung: So kann man auf überspitzte Weise den Sinn auch so wiedergeben: ‹Der Glaube ist dieses Wesentliche und Feste in unseren Seelen, das von jenem gegeben ist, der selber Grund und Inhalt unserer Hoffnung und deren Erwartung ist›.  

Unumstössliche Gewissheit
Zweitens habe ich (das griechische Wort ‹elenchos›, Evidenz) mit ‹Offenbarung und das Begreifen› übersetzt [...], was für uns eine klar erkannte, unzweifelhafte und offene Gewissheit bedeutet. Diese Offenbarung und die unumstössliche Gewissheit erklärt den ersten Teil der Definition, nämlich dass der Glaube eine wahre und wesentliche Sache ist, das heisst ein geoffenbartes und erkanntes Licht und eine Gewissheit der Seele.»

 

Text: Huldrych Zwingli | Bild: Andreas Schwendener – Kirchenbote SG, Januar 2018

 


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St.Galler Festgottesdienst 500 Jahre Reformation, 10 Uhr

Credo von Dorothee Sölle

Bleib bei uns Herr – mit «Auferstehung» von Marie Luise Kaschnitz

500 Jahre Reformation – Grussbotschaft von Regierungsrat Martin Klöti

Werdenberger Talsegen von Elsbeth Maag

St.Gallen: 500 Jahre Reformation – «Abschluss & Auftakt»


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