der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 06-07/2013 Diese Ausgabe als PDF |
Neuland, Neuseeland – Die Sekretärin des Bodensee-Kirchentags«Auf dem Weg nach oben kannst du noch etwas Bodensee-Kirchentagsluft schnuppern», sagt die freundliche Frau zur Begrüssung. Sie führt mich durch einen Kellerraum, in dem sich Plakate, Programmhefte, Karten stapeln. Tatsächlich liegt der Geruch frischer Druckerzeugnisse in der Luft. Der Bodensee-Kirchentag, für den Rita Dätwyler das Sekretariat wahrnimmt, naht.
«Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so bald wiedersehen», sagt Rita. Vorgestern stand sie, in den Armen eine Schachtel mit Werbematerial, bei mir vor der Tür. «Das Budget ist eng gesteckt», erklärte sie mir. «Deshalb bringe ich die Sachen eigenhändig zu den Leuten.» Die Tätigkeit von Rita Dätwyler ist ehrenamtlich. Sie sei, sagt sie, in der glücklichen Lage, arbeiten zu können, ohne auf einen Verdienst angewiesen zu sein. Am Bodensee-Kirchentag habe sie gereizt, einmal einen Grossanlass zu organisieren: «Das ist für mich Neuland. Da gehört alles dazu, vom Platzieren von Dixi-Toiletten bis zum Verhandeln mit Musikgruppen. Die Arbeit ist kreativ. Ich kann und soll mitgestalten.» Die Ausarbeitung des Kinder- und Jugendprogramms etwa trägt ihre Handschrift. Indessen sieht sie ihre Begabung mehr im organisatorischen als im inhaltlichen Bereich. «Das ist auch eine Frage des Handwerks, das man erlernt hat.» Rita hat eine KV-Lehre bei der Dorfbank im aargauischen Kirchleerau absolviert. An einem Tag der offenen Tür habe sie damals gedacht: «Das wäre ein schöner Arbeitsort», und dann habe sie die Lehrstelle erhalten. «Eine sehr bewusste Berufswahl war das nicht», meint sie rückblickend. Später wollte sie mehr mit Menschen als mit Zahlen zu tun haben. Brave Kinder und andere HerausforderungenDer CVJM gab ihr dazu Gelegenheit. In der Jugendgruppe hatte sie den ersten positiven Bezug zur Kirche gefunden. In einem Velolager lernte sie ihren späteren Mann Markus kennen. Und als der florierende Cevi der Stadt St.Gallen eine Sekretärin suchte, war das für Rita vor siebzehn Jahren der Anlass, in die Ostschweiz zu ziehen. 1991 heiratete sie Markus, einen gebürtigen Gaiser, nachdem dieser sein Physikstudium in Zürich abgeschlossen hatte. Zwei Jahre später kam das erste von drei Kindern zur Welt. Rita gab ihre Stelle beim CVJM auf. Doch ein Leben ausschliesslich als Mutter und Hausfrau hätte sie nicht erfüllt: «Ich putze und koche nicht besonders gern – ich brauche noch andere Herausforderungen. Zum Glück habe ich liebe-nette-brave Kinder», sagt sie mit einem Blick, der Schalk und ironische Distanz zum Gesagten verrät. Doch die Dankbarkeit ist echt. «Dass wir als Familie glücklich sind und die Kinder in der Schule keine Probleme haben, ist nicht selbstverständlich. Das ist ein Geschenk.» Und es gibt ihr den Freiraum für Freiwilligenarbeit: In der Kirchgemeinde Straubenzell, in der Offenen Kirche, im Claro-Laden usw. Ein grösseres Projekt in den letzten Jahren war der Bibel-Veloweg, den sie als Synodale initiiert und dann auch umgesetzt hat. «Eigentlich war das klein gedacht, doch am Schluss haben 74 Gemeinden solche Tafeln mit biblischen Texten, Kommentaren und Kinderzeichnungen aufgestellt.» Faszination fürs FremdeFür die Kirche engagiert sich Rita, weil sie ihr Heimat bedeutet. Eine Reformierte Landeskirche mit Profil ist ihr wichtig: «Mutig zu dem stehen, was in der Bibel steht, und es auf möglichst vielfältige Weise den Menschen nahe bringen – das ist eine wichtige Aufgabe. Dazu müssen wir Felder ausserhalb des klassischen Sonntagmorgen-Gottesdienstes entdecken. Ausserdem soll die Kirche im sozialen Bereich eine Vorreiterrolle spielen und sich etwa gegen die Verschärfung des Asylgesetzes wenden.» Die Familie Dätwyler besitzt aus Überzeugung kein Auto: «Velo, Zug, Bus und die Füsse – das sind unsere Fortbewegungsmittel», sagt Rita. Das ist ein Grund, weshalb sie gern in der Stadt lebt. Doch auch sonst ist Rita Dätwyler, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, ein Stadtmensch. In die Enge des Dorfs, aus dem sie kommt, möchte sie nicht mehr zurück. Viel eher zieht es sie in die weite Welt. Wenn der Bodensee-Kirchentag vorbei ist, wird sie nicht so schnell wieder ein Engagement von diesem Umfang annehmen. Saxophon möchte sie dann wieder spielen, Bücher lesen, die das einzige Kriterium erfüllen, spannend zu sein. Und wenn sie die Träume noch etwas weiter spinnt bis in jene Zeit hinein, in der die Kinder gross sein werden, dann fällt ihr vor allem eines ein: wieder reisen! Als junge Frau hielt sie sich vier Monate in Asien auf. Zukünftiges Ziel ist Neuseeland. Bevor sie die Faszination fürs Fremde bis ans andere Ende der Welt zieht, motiviert sie Rita Dätwyler zum Einsatz für den Bodensee-Kirchentag. «In der Vielfalt zuhause» lautet das Motto des ökumenischen Treffens von Christinnen und Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Andreas Fischer |
auftrag 2/2013 mit Schwerpunkt «Macht und Mission»
Was soll Mission im 21. Jahrhundert? Wer sich ein zeitgemässes Missionswerk nennt, hat internationale demokratische Strukturen eingeführt und setzt auf den Dialog auf Augenhöhe zwischen allen beteiligten Partnern. Doch ist dieses Modell überhaupt lebbar? >>>mehr
Glaubensfragen?
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