der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 05/2013 Diese Ausgabe als PDF |
Die letzten Dinge: «Das letzte Abendmahl»
Speise für die ReiseEs kam ganz anders als gedacht: Denn das so genannte «Letzte Abendmahl» entpuppte sich nicht als das Ende, sondern als der Beginn einer langen Freundschaft. Statt sich nur des Todes Jesu zu erinnern, feierten Christen von Anfang an in diesem Mahl seine Auferstehung.
Daran erinnert die Geschichte von den beiden Jüngern, die betrübt nach Emmaus ziehen und unterwegs einen Unbekannten treffen. Als der mit ihnen am Abend das Brot bricht, erkennen sie Jesus. Wo also Gemeinschaft gestiftet wird, in seinem Namen, wird er erkennbar – so könnte man das verstehen. Das Leitbild fürs Abendmahl war gezeichnet. Doch dieses Leitbild blieb nicht ungetrübt. Denn zu viel Mühe macht sich der Verstand, das Geheimnis zu fassen. Daher krachte es schon in der jungen Kirche mächtig, etwa zwischen armen und reichen Christen. Später knirschte es zwischen Orthodoxen und Katholischen, und im 16. Jahrhundert ganz gewaltig unter den Reformatoren. Man könnte beinahe sagen, dass ein neues Abendmahlsverständnis immer auch die Gründung einer neuen Kirche zur Folge hatte. Vom richtigen Feiern des AbendmahlsKritiker sagen: Evangelische Mahlfeiern zeichnen sich durch eine weitgehende Beliebigkeit in der Gestaltung aus. Dazu durch eine manchmal noch weiter reichende Beliebigkeit in der Deutung dessen, was in dieser Feier geschieht. Natürlich gibt es gute Gründe für Einzelgläschen und Saft oder für ein Überdenken hergebrachter Formeln. Aber man kann diesen Ausdruck geistlicher Freiheit auch als Bedeutungsverlust des Abendmahls verspüren: «Die Krise der Evangelischen Kirche ist im Kern eine Krise des Abendmahls», spitzt es denn auch ein bekanntes theologisches Lexikon zu. Doch vielleicht kommt es ja auch diesmal wieder anders als gedacht. In Taizé beispielsweise haben reformierte und katholische Geschwister damit begonnen, die Stiftung einer Gemeinschaft im Namen Jesu ganz elementar ernst zu nehmen. Mit grosser ökumenischer Anziehungskraft. Erstaunlicherweise gerade für junge Leute. Obwohl die Feier dort wenig beliebig ist, sondern im Gegenteil hoch liturgisch. Oder vielleicht gerade deshalb? Schon als Jesus das so genannte Letzte Abendmahl feierte, war beides da: die Trauer über die Zerrissenheit seiner Freunde und zugleich die Hoffnung auf neue Einheit: dass am Ende der Zeit einmal alle an seinem Tisch zu Gast sitzen. An diesem Ziel sind die Christen noch nicht, aber auf der Reise, und das Mahl ist kostbare Speise dabei. rem «Noch mal!»«Noch mal, noch mal!», forderte meine 14 Monate alte Tochter Zugabe. Ihr Beitrag zum Letzten Abendmahl: «Noch mal!» Offenbar hatte sie das Gefühl, da sei eben etwas geschehen, von dem man nicht genug bekommen könne. Was war passiert? Nun, wir stammen aus einer gut katholischen Gegend. Das erklärt manches. Vielleicht auch ihre glänzenden Augen angesichts der Fronleichnamsprozession. Da zogen die Frauen, die Männer und vor allem die Kinder des Dorfes durch die Gassen und zuletzt auch am evangelischen Pfarrhaus vorbei. Ein singender, klingender, fröhlich-besinnlicher Lindwurm, dessen Kopf die silbern in der Sonne glitzernde Monstranz bildete. Und nun war diese besondere Mahlfeier vorbei. Das Kind ist, man darf wohl sagen, an sich gut evangelisch geprägt. Doch fasziniert verfolgte es dieses Geschehen um Hostie und Kelch. Und während sein Vater zuweilen stottert, wenn er das Abendmahl einmal richtig erklären soll, schien es schlicht angerührt von der festlichen Frömmigkeit um das heilige Sakrament. Nicht die schlechteste Art, sich dem Geheimnis zu nähern. Die junge Theologin hatte dabei etwas Wichtiges entdeckt: die Lust, es zu wiederholen. Noch mal! So wie das tägliche Essen. Jene Zufuhr von Energie, die wir immer wieder neu brauchen. Ohne Lebensmittel dörrt man aus, ohne das geistliche Lebens-Mittel auch. Letztes Mahl mit WirkungKurz, dieses von Jesus so besonders gesegnete Mahl hat offenbar eine Wirkung, spürte sie. Wenn dem so ist, dann ist das aber ziemlich aufregend. Und zwar so aufregend, dass sich ganze Kirchen seit zwei Jahrtausenden darüber streiten, wie diese Wirkung genau zu fassen ist: Wirkt das Abendmahl von alleine? Wirkt es nur, wenn man glaubt? Beruht die Wirkung auf Brot und Wein? Oder in der Erinnerung? Und wenn es wirkt, warum bewirkt es dann keine Einheit der Christen? Wirkt es etwa bei den einen anders als bei anderen? Wer erwachsen über das Abendmahl nachdenkt, wird diese Fragen nicht wegwischen und als religiöses Gezänk abtun. Er wird vielmehr das ernsthafte Bemühen in ihnen spüren, Gottes Wirken in unserer Welt, im Gottesdienst, in uns wahrzunehmen. Doch all dies rationale Bemühen braucht den Weg nicht zu versperren, sich wie ein Kind vom Geheimnis faszinieren zu lassen: Noch mal! Jesu letztes Abendmahl war ja nicht das letzte. Es war das erste, der Auftakt zur Wiederholung in unseren Feiern. Was, wenn man davon einmal nicht genug bekommen könnte? Reinhold Meier, Azmoos |
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