der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 05/2013 Diese Ausgabe als PDF |
«St.Gerold braucht keinen Kornkreis»Seit über zehn Jahren besucht Margret Lämmler zwei bis drei Mal im Jahr für ein verlängertes Wochenende ihren Kraftort, die Propstei St.Gerold. «St.Gerold braucht keinen Kornkreis, um sich als Kraftort auszuweisen; die Propstei hat ihren Klostergarten. Das von altem Mauerwerk eingefasste kleine Paradies kommt mir vor wie ein natürliches Kraftfeld, das durch die Jahreszeiten hindurch in wunderbaren Verwandlungen Himmlisches auf Erden spiegelt. Und nicht ‹Ausserirdische› sind hier am Werk, sondern Menschen, die dem Himmel glaubend verbunden sind und dieser anderen Welt Raum geben in der Gestaltung eines gemeinsamen Lebens.
Himmel und Erde verbindenSpuren dieser benediktinischen Haltung, nach welcher das Leben erst ganz und heil wird, wenn Irdisches und Himmlisches einander durchdringen, sowohl in der Arbeit wie auch in der Kontemplation, finde ich in St.Gerold Schritt auf Schritt. Es ist diese Atmosphäre des Menschlichen, welche mich hier Kraft schöpfen lässt: das Bewusstsein für die Gegenwart des Göttlichen inmitten der Welt, wie es Ferdinand Gehr so einprägsam auf dem grossen Wandbild in der Kirche dargestellt hat. Natur, Tradition und KulturMeistens fahre ich per Zug und Postauto nach St.Gerold, um auch die Reise als Weg zum Wesentlichen erleben zu können. Erreiche ich den Ort, habe ich oft das Gefühl, als strahle hier auch die Natur religiöse Substanz aus, auch wenn ich das nicht rational fassen kann. Es ist, als hätte sich hier etwas von der schenkenden Haltung des Einsiedlers Gerold und all derer, die seit über 1000 Jahren sein Werk weiterpflegen, in die Natur eingeschrieben. Dann sehe ich die mit Hingabe und viel Kunstsinn neu gestaltete Propstei. Hier wurde in Respekt vor dem Alten mutig Neues gewagt. Ich fühle mich als Protestantin hier wohl. Das klerikal und konfessionell Trennende hat Raum gemacht für eine zeitgemässe, menschennahe Geistigkeit, die in der organisch gewachsenen Anlage bis in die Details hinein sichtbar wird und sich auch im offenen Kunst- und Bildungsprogramm zeigt. Und hier leben Menschen, die mich herzlich willkommen heissen: die türkische Köchin, eine Muslima; der Propst als Seele des Hauses, die Sekretärin, andere Gäste usw. Sie alle geben mir das Gefühl, einer Familie anzugehören, die Räume und Zeiten übersteigt.» Margret Lämmler (notiert as) |
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