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 Ausgabe 12/2014 
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser


Anfang September war ich eingeladen zur 300-Jahr-Feier der Kirchgemeinde St. Peterzell. In dieser Gemeinde wirkte von 1937 bis 1947 Pfarrer Werner Tanner. An der Feier überreichte einer seiner Söhne der Gemeinde ein dickes Buch, ein Unikat, geschrieben mit der Schreibmaschine. Lange habe ich darin geblättert und war mehr und mehr berührt. Schön gegliedert nach Jahren fanden sich hier die Biografien aller Menschen, die der Pfarrer in seiner St. Peterzeller Zeit beerdigt hat. Nach seiner Pensi­onierung hat er sich diesen nochmals zugewandt, hat seine Abdankungen bearbeitet und die Lebensläufe dieser längst ins Dunkel der Zeit eingetauchten Menschen festgehalten.

«Das ist Seelsorge über den Tod hinaus», war mein Empfinden. Nicht nur die ­Lebensdaten und -verhältnisse der Verstorbenen waren festgehalten, ­sondern auch deren Wesen. Der Pfarrer musste sich nochmals innig mit diesen Personen ­verbunden haben – er hat sie schliesslich  auch als Lebende gekannt und hat mit ­ihnen ein Stück Lebensweg geteilt.

Dieses Buch wird nun im Archiv lagern. Viele werden darin nicht lesen. Und im Vergleich zum Buch des Lebens, in dem Gott unser Wesen festhält, ist diese Schrift von geringer Bedeutung.

Mich aber hat das Buch veranlasst, die ­tieferen Dimensionen von Seelsorge zu empfinden. Seelsorge hat mit Interesse und Aufmerksamkeit zu tun, auch mit Zeit, die wir den Mitmenschen schenken. Und es ist ein kleines Wunder, wenn es eine erfüllte Zeit wird, die auch für die Ewigkeit ihren Wert hat. Solch heilsame Zeit kann überraschend neue Wege eröffnen, webt das zarte Band, das Menschen bleibend verbindet und baut an der neuen Schöpfung, die wir erwarten.

Auf diese unsichtbaren, aber doch wesentlichen Dimensionen zwischen den Seelen versuchen die Texte und Bilder dieser Nummer zu weisen. Was dereinst im Buch des Lebens über uns zu finden sein wird, hat ja nicht nur damit zu tun, wie wir für unsere Seele gesorgt haben, sondern in echter Sorge für andere Seelen auf unserm Lebensweg gegangen sind.

Andreas Schwendener

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