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 Ausgabe 04/2014 
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Zwingli-Kirche plant Zukunft – Podium zur Umnutzung der Stadtkirchen

Die Reformierten der Stadt Zürich rechnen damit, dass sie bis 2030 noch einen Fünftel der Bevölkerung stellen. Ins Auge gefasst werden daher Fusionen von Gemeinden und Umnutzungen von Kirchen.

Umnutzungen sakraler Räume und ­Kirchenverkäufe rücken zunehmend in den Horizont der Schweizer Kirchen. An einem prominent besetzten Podium am 2. September in Zürich-Hottingen beschäftigten sich sowohl führende theologische Fachleute – vornehmlich aus Deutschland, wo eine Umnutzungs-Debatte seit 30 Jahren läuft – wie Stadtregierung und Architekten damit. Dabei kam auch der Verkauf der St.Galler Leonhards-Kirche zu Wort: Als «worst case». Das Abstossen einer Kirche für ­eine ungewisse religionsferne Nutzung beschädige den Symbolgehalt dieses Gebäudes wie der Institution Kirche, hiess es. Anstelle eines solchen unkoordinierten Vorgehens setzen die Experten auf übergemeindliche Abklärungen: Kirchgemeinde, übergeordnete Instanzen und Politik müssten miteinander reden. Wie die Podiums-Zusammensetzung zeigt, ist die Zukunft von Sakralbauten nicht einfach ein kirchliches Problem. Die markanten Gebäude spielen in der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. So plädierte beispielsweise die zuständige Zürcher Stadträtin Kathrin Martelli aus Gründen der Stadtplanung für einen «sanften Weg» der Umnutzung.


128-seitige Analyse

Anlass solcher Überlegungen ist ein ­Jubiläum: Heuer feiert der sogenannte «Zürcher Stadtverband» sein 100-jähriges Bestehen. Der Stadtverband ist ein Zusammenschluss der Stadtzürcher Kirchgemeinden – die Gemeinden bleiben aber autonom – mit 34 Mitgliedern. Der Zweckverband nimmt Steuerungsaufgaben für die Zukunft der Stadtzürcher Kirche wahr. So wurde beim Sozialforschungsinstitut Landert eine umfassende Ist-Analyse in Auftrag gegeben. Im 128 Seiten dicken Papier wird unter anderem festgestellt, dass aktuell noch knapp 100000 von gegen 400000 Bewohnern der Zwingli-Stadt reformiert sind. Tendenz sinkend: Man rechnet bis 2030 mit einem weiteren Rückgang um 20000 Personen – womit die Stadt Zürich noch 21 Prozent Reformierte hätte.

Als Ziel formuliert die Analyse eine Reduktion der heute 34 auf 15 bis 20 Kirchgemeinden innerhalb der kommenden acht Jahre. Damit die Finanzierung auch in Zukunft sichergestellt ist, will man sich auf der Verwaltungsebene gesundschrumpfen. Der Stadtverband hat für dieses Projekt eine Reformkommission ins Leben gerufen.


Kirchen zuletzt verkaufen

Auf dem Gebiet des Stadtverbandes steht eine stattliche Anzahl Kirchen, insgesamt 47. Gegenstand der Zukunftsplanung ist auch der Umgang mit Kirchengebäuden, die nicht mehr oder deutlich weniger «gebraucht» werden. Bei Innenstadt-Kirchen wie Gross­müns­ter, Fraumünster und St. Peter stellt sich diese Frage nicht, da sie aufgrund von Lage und Ausstrahlung hohe Attraktivität haben. Anders ist es beispielsweise bei Kirchen in Quartieren, die ihre Boomjahre vorbei haben. Hier stellt sich durchaus die Frage der Umnutzung. Laut Roland Diethelm, Pfarrer in Zürich-Hottingen und Organisator des Podiums, favorisieren die Fachleute ein dreistufiges Vorgehen.

Grundsätzlich gilt: Kirchengebäude sollen aufgrund ihres hohen Symbolwertes zuletzt verkauft werden. Geht es ans finanziell «Lebige», sollen zuerst Pfarrhäuser und Kirchgemeindehäuser abgestossen werden. Sind schliesslich Kirchen an der Reihe, soll als erster Schritt eine innerkirchliche Nutzungserweiterung angestrebt werden: Beispielsweise den Gottesdienstraum verkleinern, Sitzungsräume einbauen und so die Kirche als Teil-Kirchgemeindehaus nutzen.

Als zweiten Schritt sehen die Ex­perten eine ausserkirchliche Zusatznutzung. Es sollen Aktivitäten in die Kirche geholt werden, die sowieso im Quartier stattfinden. Beispielsweise Spielgruppen oder Bibliotheken. Funktioniert auch dies nicht oder wird der finanzielle Druck zu hoch, wird eine Schliessung empfohlen. Dann sollen in einem koordinierten Vorgehen – Stadtpolitik, Denkmalpflege, Kirchenvertreter – weitere Schritte beschlossen werden. Dabei gilt: Kein Panikverkauf – wie etwa bei St. Leonhard – mit einer mit dem Kirchen-Image kollidierenden Nutzung.

Dazu zählen Fachleute eine Neunutzung als Gastro-Event-Tempel oder Dis­co. Ob in einem solchen Fall Abreissen sinnvoller sei, ist umstritten.


«Kirche» für drei Religionen?

Was in der Theorie klar und einfach klingt, dürfte in der Praxis einiges an Gesprächsstoff bieten. Das wurde auch am Podium klar. Kathrin Martelli schlug beispielsweise eine interreligiöse Nutzung einer «Kirche» vor. Am Freitag für das Freitagsgebet der Moslem, am Samstag für den Sabbat der Juden, am Sonntag für den Gottesdienst der Chris­ten. daniel klingenberg

www.kirche-zh.ch

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