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 Ausgabe 05/2013 
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Was haben Sie auf dem Titelbild dieses Kirchenboten erblickt? Die Fledermäuse mit ihrer fast dämonischen Ausstrahlung sind augenfällig. Es scheint, als beherrschten sie die ganze Szenerie, den ganzen Kosmos.

Augenfällig ist auch – das zeigen unsere Thementexte –,  dass in unserer Welt die Lüge einen breiten Raum einnimmt. Der Mensch weiss zwar um Gut und Böse, doch er ist mit diesem Wissen überfordert. Gut ist, was ihm nützt, und so wird die Wahrheit mal verdeckt, mal verdreht. 

Um diese Unzulänglichkeit des Menschen wussten schon die alten Völker. Ihre Ursprungserzählungen sollten da­rauf antworten, woher das kommt, dass wir begabt sind mit dem Wissen um Gut und Böse und damit doch nicht das wahre Leben finden.

Damals im Paradies, so erzählt eine dieser Geschichten, durfte der Mensch vom Baum des Lebens essen, jedoch nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse – damit er nicht sterbe, wie Gott warnt. «Mitnichten werdet ihr sterben», sagt hingegen die Schlange zu Eva, «sondern Gott weiss, dass euch die Augen aufgehen werden und dass ihr wie Gott sein und Gut und Böse erkennen werdet, sobald ihr davon esst.» – Hat nun Gott oder hat die Schlange gelogen? Ein Dilemma, ein Zwiespalt, der ­alles in Bewegung setzt. Eva realisierte, dass «der Baum begehrenswert war, weil er wissend machte …», und sie assen beide von der Frucht

Wir kennen die Folgen: Schmerzen der Schwangerschaft, Arbeit im Schweisse des Angesichts, die Rückkehr zum Staub der Erde … und Gott stellt fest, dass der Mensch geworden ist «wie unsereiner, dass er Gut und Böse erkennt».

Der Zugang zum Baum des Lebens blieb versperrt, bewacht von einem Cherub. – Doch Gott hat alles unternommen, uns hier auf Erden das wahre Leben zu ermöglichen. «Wer den Sieg erringt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht» (Johannesoffenbarung 2, 7). Sehen Sie nun auch den Cherub, den mächtigen Engel, auf dem Titelbild?

Andreas Schwendener

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