der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 05/2013 Diese Ausgabe als PDF |
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
Auch mir ist das Jubiläum Anstoss, mich mit dem Namensgeber von Stadt und Kanton neu zu beschäftigen. Und ich finde mich reich beschenkt von der Begegnung mit Gallus.
So beeindruckt mich seine Askese. In dieser Passionszeit mag es berechtigt sein, zu fragen, was einen Menschen dazu antreibt, der Kälte, dem Schlaf oder dem Hunger zu trotzen und im Verzicht Freude und Kraft zu finden. Es scheint, dass darin die Gottesbeziehung noch stärker aufleuchtet. Aus der Askese gewann Gallus, wie berichtet wird, geistliche Vollmacht, etwa die Gabe, Kranke zu heilen oder wilde Tiere und Naturgeister zu besänftigen. Ein weiterer Wesenszug des Gallus, der mich berührt, ist sein Verlangen, in das Wort Gottes einzutauchen und darin himmlische Nahrung zu finden. Stundenlang soll er täglich Psalmen gesungen und in der Schrift gelesen haben, sodass die frohe Botschaft sein ganzes Wesen durchdrungen hat. Radikal ist Gallus dem Vorbild und Ruf Christi gefolgt und hat «das Kreuz verführerischen Freuden vorgezogen. Doch Christus lohnt das mit hundertfachem Preis, wie dieser Tag bezeugt.» So dichtete im 10. Jahrhundert Notker Balbulus zum Todestag von Gallus. Und wie Max Schär am Ende seines Gallusbuches schreibt, ist die
segensreiche Wirkung, die vom Gottsucher Gallus ausgeht, auch für unsere
Gegenwart bedeutsam: «In einer Zeit der Veräusserlichung, der
Verherrlichung materieller Güter, der unbeschränkten Mobilität und der
allgemeinen Ratlosigkeit ruft uns Gallus nach innen. Er ruft uns zur
Ruhe und zur Besinnung. Er erinnert an die Freiheit, die denen gegeben
ist, die sie in Anspruch nehmen.» Andreas Schwendener |
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