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 Ausgabe 05/2013 
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Sandro ist Discjockey, speziell für Reggae-Musik. Am SUFO-Gottesdienst vom 12. Mai in der St.Galler Kirche St. Mangen hat er Platten aufgelegt, ruhige, aber intensive Gesänge. Er stand im halbdunklen Kirchenraum und «shakte» leicht – shaken (von to shake, erschüttern, schütteln) nennen Jugendliche ihre Bewegungen, wenn sie von der Musik mitgerissen werden, früher sprach man eher von «rocken» und «swingen», auf Deutsch «schaukeln». Sandro «shakte» also nur leicht. Später sagte er mir, dass er sich kaum getraute, stärker zu «shaken», doch innerlich sei er intensiv bewegt gewesen. Diese Atmosphäre im Kirchenraum sei schon was Besonderes, ganz nahe an der Ekstase.

Es ist bekannt, dass je stärker sich ein Mensch der Musik hingeben kann, desto transparenter wird sie für einen Durchbruch in andere Sphären. In Visionen oder Nahtoderfahrungen kann der Mensch sogar die Seite wechseln.

Dann wird er für diese Welt taub, für die andere aber höchst sensibel. Wunderbare Gesänge voller Kraft und Schönheit wurden da schon vernommen.

Auch der Gesang in der altchristlichen Liturgie verstand sich als irdisches Abbild jener Gesänge, mit denen Gott im Himmel verherrlicht wird. Und durch das Abbild suchte man am Urbild, dem himmlischen Gottesdienst, teilzunehmen. Das «Sanctus», Bestandteil jeder  Abendmahlsliturgie und Messe, basiert auf Worten, die der Prophet Jesaia bei seiner Entrückung vor den Thron Got­tes vernommen hat. Da hörte er die Serafime, hohe Engelgestalten, Gott preisen: «Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen! Die ganze Erde ist seiner Herrlichkeit voll!»  

Zurück auf den Boden der Realität, wo wir unsern Sound auflegen oder abrufen, und – Gott sei Dank – auch immer noch selber singen: daheim, in der Schule, in Chören, an Konzerten …  und in den Kirchen. Dort wohl auf der Suche, wie Sandro, nach dem «Shaken», bei dem auch etwas Jenseitiges im ­Herzen anklingt.

Andreas Schwendener

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