der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 06-07/2013 Diese Ausgabe als PDF |
Befreit singen, singen befreit – Singen als unmittelbarer Zugang zu Gott«Ich will dem EWIGEN singen mein Leben lang, und meinen Gott loben, solange ich bin.» Ps 104, 33
Es ist ein Lied, das aus tiefer Dankbarkeit und Freude gesungen wird. Mirjam und ihre BegleiterInnen erlebten eine Zeit der Gefangenschaft. Angst, Verletzung und Misshandlung gehörten zu ihrem Alltag. Jetzt ist diese Zeit vorbei. Sie können ausatmen, durchatmen und singen.
Zum Himmel schreienMirjam singt und tanzt aus tiefer Freude, weil sie Gottes Wirken als Befreiung erlebt hat. Später schreibt das Volk Gottes viele weitere Lieder: in Dur und Moll, als Lob und Klage, Bitte und Verzweiflung. Ein tiefer Freudenjauchzer da, ein durchdringender Trauerschrei dort. Im Gesang bringen Männer und Frauen ihre Beziehung zu Gott und auch ihre gefühlte Gottverlassenheit zum Ausdruck. Da sind nicht nur schöne Lobworte für Gott dabei. Gerade in den Psalmen gibt es Texte, die zum Himmel schreien und mir beim Lesen oft im Hals stecken bleiben: Rachegelüste, Mordgedanken und tiefe Selbstzweifel. Darf und soll man so etwas singen? Von Herzen lobenEs gibt biblische und religiöse Texte, zu denen ich allein durch Lesen und Nachdenken keinen Zugang finde. Das gilt nicht nur für die ganz schwierigen Texte wie Klagepsalmen oder Kriegserklärungen. Die Worte «ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen» können für mich als gesprochenes Wort leer und verwirrend sein. Plötzlich frage ich mich: Wie geht eigentlich loben? Und dann noch von Herzen? Beim Singen ist das anders. Das Lied im RG Nr. 8 wird angestimmt, ich singe «ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen» und mein Herz geht auf, ohne dass sich in meinem Kopf Verständnisfragen aufdrängen. Verspannungen lösen sich, ich werde fröhlich oder traurig und mag – wie Mirjam – «erzählen von all seinen Wundern». Für mich persönlich war und ist das Singen einer der unmittelbarsten Zugänge zu Gott. Vielleicht, weil ich immer schon gerne gesungen habe und es als Geschenk empfinde, eine Stimme zu haben, mit der man (noch) mehr als reden kann. «Es steigt ein ewiges Klingen zu Gottes Himmel an. Das Höchste muss man singen, weil man’s nicht sagen kann», heisst es in einem Volkslied von Peter Rosegger. Die Wunder mögen in heutiger Zeit anders aussehen als damals bei Mirjam. Doch damals wie heute ist die Sehnsucht da nach dieser befreienden Kraft, die Unterdrückte atmen lässt und Verletzte heilt. «Singt der LEBENDIGEN ein neues Lied, denn sie tut
Wunder», heisst es im Psalm 98. Ob populär, klassisch, traditionell
oder experimentell: Im Singen verbinden wir uns mit unseren Urmüttern
und Urvätern, mit Mirjam und David, und lassen die kreative Geschichte
mit Gott weiterklingen. Kathrin Bolt, St.Gallen |
auftrag 2/2013 mit Schwerpunkt «Macht und Mission»
Was soll Mission im 21. Jahrhundert? Wer sich ein zeitgemässes Missionswerk nennt, hat internationale demokratische Strukturen eingeführt und setzt auf den Dialog auf Augenhöhe zwischen allen beteiligten Partnern. Doch ist dieses Modell überhaupt lebbar? >>>mehr
Glaubensfragen?
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