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 Ausgabe 05/2013 
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Theaterspiele live erlebt / Bereit für Erlebnisprogramme / Der inneren Welt Raum geben

Aus dem Kanton

Theaterspiele live erlebt

In Gossau, Heerbrugg und Uznach finden regelmässig Themenabende für JugendleiterInnen statt – in diesem Jahr unter dem Motto «Alles life».

Wenig Material und grosse Wirkung: Theater ist unkompliziert, lebendig und reisst mit. Ob im Lager oder in Gruppenstunden: Der Alltag in den Jugendverbänden stellt oft eine kleine Bühne dar, wobei die Kinder und Jugendlichen für einen Moment in eine ungewohnte Rolle schlüpfen können.

Der diesjährige Themenabend stand deshalb unter dem Motto «Alles life». Organisiert wurde dieser Weiterbildungsabend von der Animationsstelle für kirchliche Jugendarbeit (akj), der Regiostelle Evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (rekj) sowie der Arbeitsstelle für Jugendfragen (AJ). Für die Durchführung wurde die Theaterpädagogin Beatrice Mock beauftragt. «Theater ist immer live, man ist von Kopf bis Fuss voll dabei», erklärt sie das Motto und ihre Faszination fürs Theater. Die Begeisterung erfasste auch die Leiterinnen und Leiter. Die Ideen werden sie nun in ihr Leiterteam einbringen. Im Kanton St.Gallen engagieren sich ca. 2400 Leiterinnen und Leiter in den Jugendverbänden Jubla, Pfadi und Cevi.


Kreativität gefragt

Die Teilnehmenden erfuhren, wie man mit Kindern ein Thema kreativ erarbeitet und präsentiert, wobei sie die Theaterspiele gleich selbst ausprobierten. Um die acht Theaterspiele durchzuführen, welche Mock vorbereitet hatte, braucht man kein Regisseur zu sein. Die Teilnehmenden wurden aber trotzdem gefordert, wobei auch der Spass nicht zu kurz kam. ­Etwa als es ­darum ging, ein Rollenspiel zu vorgegebenen Gegenständen zu erfinden oder einen Werbespot für einen imaginären Artikel umzusetzen. Aber auch beim Theaterspiel «Diashow», das beispielsweise im Lager ideal umgesetzt werden kann, kamen Schauspieler sowie Zuschauer auf ihre Kosten. Dabei standen vier Personen auf der Bühne, während Mock von Lagererlebnissen erzählte. Die vier Teilnehmer mussten dieses Erlebnis möglichst schnell darstellen und quasi ­eine Diaaufnahme bilden. Diese Art Improvisationstheater kommt bei Kindern und Jugendlichen gut an und fördert ­ihre Kreativität sowie ihr Selbstbewusstsein.

Mock diskutierte mit den Leiterinnen und Leitern auch, dass die Spiele je nach Stimmung und Alter angepasst werden sollten. Das Feedback der Leiterinnen und Leiter zum Weiterbildungsabend war positiv. «Die Themenabende werden sehr geschätzt, weil sie jeweils einen ­interessanten Erfahrungsaustausch ermöglichen und nützliche Ideen für die Praxis vermitteln», weiss Roger Scherrer von der akj Uznach.

Christian Brändli



Bereit für Erlebnisprogramme

Die St.Galler Synode hat im Sommer 2010  die «Geistliche Begleitung von Kindern und Jugendlichen in der St.Galler Kirche» neu geregelt. Die Umsetzung hält die Gemeinden auf Trab, zumal im Sommer 2012 erstmals die Erlebnisprogramme für die Oberstufe angeboten werden.

Derzeit erstellen die Kirchgemeinden eigene Konzepte, wie sie Kinder und Jugendliche bis hin zum jungen Erwachsenenalter begleiten wollen. Sie bauen dabei auf die vier Säulen Feiern, Bilden, Begleiten und Erleben. Stichworte dazu sind altersgerechte Gottesdienste, die Gestaltung von Übergängen oder die Elternarbeit. Peter Christinger von der kantonalen Arbeitsstelle «Familien und Kinder» unterstützt die Gemeinden im Prozess, Bestehendes zu überdenken, am Gelingenden weiterzubauen sowie das Ganze lokal, regional und kantonal zu vernetzen.


Obligatorische Erlebnisprogramme

Speziell gefordert sind die Kirchgemeinden derzeit mit der neuen Regelung, wonach Jugendliche im 7. und 8. Schuljahr ergänzend zum von zwei auf eine Wochenstunde reduzierten Religionsunterricht auch Erlebnisprogramme besuchen – dies als Voraussetzung für den Besuch des Konfirmandenunterrichts. Diese Erlebnisprogramme können gemäss der Neuregelung «eine Vielfalt von Formen haben wie Erlebnistage, Blöcke, Weekends, Lager und Kurse, Gottesdienste, Sozial- und Gemeindeeinsätze, schulisches Freifach Religion, Teilnahme an Aktivitäten der freiwilligen Jugend-, Musik- und The­aterarbeit usw.». Dabei sollen die Jugendlichen frei aus einem breiten und attraktiven Angebot auswählen können. Das obligatorische «Besuchsminimum», das in der Synode zu langen Kontroversen geführt hat, kann nun von der Kirchenvorsteherschaft festgelegt werden. Es soll fü̈r beide Jahre zusammen zwischen 30 und 50 Programmstunden liegen.


Umsetzung auf Kurs

Die Kirchgemeinden werden auch bei der Organisation ihrer Erlebnisprogramme durch die Kantonalkirche unterstützt, so durch Peter Christinger, der die Umsetzung des gesamten Konzepts leitet.

Michael Giger ist zuständig für die Organisation  der Erlebnisprogramme wie auch für die Website www.geistlichebegleitung.ch, auf der die Gemeinden ihre Angebote auflisten und auf der die Jugendlichen ihre Erlebnisprogramme selber aussuchen und zusammenstellen können. «Viele re­alisieren erst jetzt, welch grosse Chance die geistliche Begleitung für die Kirchgemeinden ist», hält Michael Giger vor dem baldigen Start der Programme fest. Bereits hätten sich viele regionale Zusammenarbeiten ergeben. In diesem Juni fänden die Eltern-Kind-Infoanlässe statt, bei denen es darum gehe, Eltern und Jugendliche mit dem ganzen Paket vertraut zu machen.

Andreas Schwendener


Der inneren Welt Raum geben

Fast 40 Jahre hat der Toggenburger Musiker Peter Roth den Alt St. Johanner Kirchenchor geleitet und geprägt. Jetzt hat er die Leitung weitergegeben. Im Interview erzählt er, wovon sich sein musikalisches Wirken nährt.

Peter, in welches Land würdest Du gerne reisen? Und warum gerade dorthin?

Peter Roth: Ich würde gerne wieder einmal nach Indien gehen. Indien ist viel mehr als ein Land, es ist eigentlich ein Kontinent. Indien repräsentiert alles, was es auf der Welt gibt: Meer, Wü̈ste, fruchtbares Land, Dschungel bis hin zu den 7500ern im Himalaya. In Indien habe ich den Zugang zur Meditation gefunden. Meditieren ist Teil meines Alltags geworden: ­jeden Morgen, jeden Abend, je circa 20 bis 30 Minuten. Das Meditieren ist fü̈r mich wie ein Scharnier zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite das «Tag-Bewusstsein»: all das, was einem im Alltag begegnet, herausfordert und beeinflusst. Auf der anderen Seite das «Nacht-Bewusstsein», das Zugang zur inneren Welt öffnet. In der Meditation kann ich die innere Welt leben. Aus ihr schöpfe ich Kraft und Inspiration fü̈r den Alltag. Deshalb sind mir auch Buddhismus und Hinduismus neben dem Chris­tentum sehr nahe.


Inwiefern beeinflusst das Meditieren Dein musikalisches Schaffen?

Meine Musik und auch meine Texte kommen weniger aus dem Kopf und dem Verstand. Sie sind inspiriert von der inneren Welt, vom Herzen. Die Gedanken, die mir beim Meditieren kommen, sind wie Wolken am Himmel. Ich lass sie weiterziehen, der Kopf kann abschalten, die ­innere Welt erhält Raum und trägt und inspiriert mich.


Welche Schriftsteller sind für Dich zu Quellen Deines Schaffens geworden?

Drei Lyriker/innen fallen mir spontan ein. Die Klosterfrau Silja Walter ist fü̈r mich am wichtigsten. Sie ist eine Mystikerin und vermag die Bilder der inneren Welt in Worte zu fassen. So sind mir ihre Gedichte zu Quellen meines Schaffens geworden. «Angeschaut» heisst die Komposition, die auf ihren Texten beruht. Die Gedichte der Rheintalerin Elsbeth Maag habe ich in meiner Komposition «Novembrig» aufgenommen. Und dann noch der deutsche Kabarettist Hanns Dieter Hü̈sch, der die Kraft der inneren Bilder auf das gesellschaftspolitische Engagement bezieht. Seine Texte finden sich in meiner Komposition «Befreie mich von der Macht der Hohlköpfe».


Gibt es auch biblische Schriftsteller?

Der Weisheitslehrer Hiob! Schon im Semi habe ich mir Gedanken zu einer Komposition über Hiob gemacht. Sein gross­artiges Vertrauen, das allen «Hiobsbotschaften» standhält, beeindruckt mich tief. Leider habe ich dieses Projekt bis heute noch nicht verwirklichen können. In meiner Komposition «Gott, in Dir ist Licht und Nacht» habe ich immerhin über den Text von Hans Ruedi Fischer aus Wildhaus einen ersten musikalischen Zugang zu Hiob gefunden.


Du hast mit vielen Menschen zusammen Musik gemacht. Welche Chancen siehst Du im Singen und Musizieren?

Es ist total wichtig, dass jeder Mensch aktiv singt und musiziert und nicht nur Musik konsumiert. Das wird heute vielfach unterschätzt. Musik ist eine wunderbare Möglichkeit, Texte und Bilder aus der inneren Welt zu einem tragenden und sinnstiftenden Teil einer Person werden zu lassen. Aktiv singen und musizieren berü̈hrt und lässt Leib und Seele gesunden.

Interview: Martin Böhringer, Alt St. Johann

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