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 Ausgabe 05/2013 
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Monatsportrait

«Die Stimme sanft behandeln»

Der Treffpunkt fürs Interview mit dem Musiker ist ungewöhnlich: Chris­tian Nipp hat das Fliegerstübli beim Flugplatz Bad Ragaz vorgeschlagen.

Die Beiz findet sich in einem Container nahe der Landebahn und gilt im sterneverwöhnten Kurort als kulinarisch eher unauffällig. Nipp sitzt am dritten Tisch, trägt Jeans und ein dunkles Poloshirt, hat einen Salatteller vor sich.

Der Gesangslehrer

Doch der Mann ist Musiker. Der Gesanglehrer der Liechtensteiner Musikschule und Lehrer der Diözesanen Kirchenmusikschule St.Gallen ist gefragter Chorleiter und Experte für Sologesang. «Am allerliebsten habe ich wahrscheinlich Einzelschüler», schwärmt er. Da könne er sich individuell einstellen und an der persönlichen Stimmbildung arbeiten, an der Intonation, dem Atem, der Körperhaltung, an Stimmsitz, Melodieführung, Sprachbehandlung und Stilistik.

Die Herausforderung bringt er auf den Punkt: «Die Stimme ist wie eine Frau, für die man Zeit und Musse aufbringt, um sich liebevoll mit ihr zu beschäftigen. Man darf sie nicht bedrängen». Viel besser sei, sie sanft zu behandeln, pfleglich eben. «Das versuche ich meinen Schülern rüberzubringen.» Würde er noch ein wenig ­weitererzählen, man wäre versucht, gleich eine Lektion bei ihm zu buchen.

Doch der Einzelunterricht ist nur die eine Seite seines Schaffens. Die andere heisst Chöre, gleich fünf an der Zahl. Er leitet den Männerchor Gams, den Dive­r­timento-Chor Schaan, die Triesener Chorjugend und den Männerchor Nendeln. Weit über die Gemeindegrenze hinaus bekannt ist zudem der Sarganser Gospelchor «On the move». Fünf Abende pro Woche sind somit für Nipp besetzt. «Kein Problem», findet er, wenn man mache, was einem Freude bereite. Dazu kommen die öffentlichen Auftritte: «An sich trete ich gerne auf, lasse mich aber nicht gerne bejubeln», hält er mit alemannischem Understatement fest.

Der in Balzers aufgewachsene Mann hatte ursprünglich Jus und Wirtschaft im Sinn. Doch dann entdeckte er an der Musikhochschule Luzern seine Berufung. «Hier habe ich 1997 mit Kirchenmusik und Chorleitung begonnen.» Weiter gings an die Musikakademie St.Gallen, wo er das Lehrdiplom für Sologesang und Chorgesang erlangte. Stets war ihm die Praxis wichtig. Schon während dem Studium hat er Chöre geleitet.


Der Privatpilot

Nur manchmal brauche er Abstand. Und so hat er sich einen Traum erfüllt und den Privatpilotenschein gemacht. «Wenn ich fliege, komme ich aus dem Alltag heraus.» Das will gewissenhaft vorbereitet sein. Gesundheitsprüfungen, eine jährliche Mindestzahl an Landungen, dazu Testflüge sind Voraussetzungen. Und vor jedem Start: Wetterabfrage, Flugplan eingeben, Gewicht berechnen und mehrere Checklisten abarbeiten. So auch heute. Dann findet sich der Flieger auf der Startbahn und Nipp am Steuerknüppel: «Ready for Take-off.» Und gleich drauf möchte der Bariton wohl gerne mal losjubeln, vor Falknis und Ellhorn: «Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.» Zeit für einen Höhenflug. Wie beim Singen.

Reinhold Meier, Wangs

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