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 Ausgabe 05/2013 
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Wie wir Asylanten empfangen – zu Besuch im EVZ Altstätten

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) setzt sich im Inland für sozial ­Benachteiligte ein, so auch für Flüchtlinge. Eine Ende Juni von HEKS organisierte Führung durch das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Altstätten zeigte 40 Interessierten auf, wie Flüchtlinge in der Schweiz empfangen werden und was die Kirchen für sie tun.


Flüchtlinge, die in der Schweiz Asyl beantragen, kommen in eines der fünf Schweizer Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ). Das seit 2010 in Altstätten betriebene EVZ bietet 170 Plätze,  wie Zentrumsleiter Christoph Studer  erklärte. Er gab den Gästen Einblick, wie ein EVZ betrieben und geführt wird.


Schnelle Entscheide

Im EVZ Altstätten arbeiten 17 Personen vom Bundesamt für Migration, 14 Betreuer und 23 Securitas. Dazu kommen Personen, welche die Asylbewerber erkennungsdienstlich erfassen und medizinisch abklären. Die Kirchen sind mit 30 Stellenprozent Seelsorge präsent.

Christoph Studer ist bemüht, die Aufenthaltsdauer kurz zu halten, dies auch unter dem Druck, stets neue Asylbewerber aus den Zentren Chiasso und Val­lorbe zu übernehmen. Mit Matratzen am Boden versucht er den Wünschen entgegenzukommen. Aussenplätze seien kaum zu finden. Täglich werden zehn bis

15 Personen befragt. Bei einem Nichteintretensentscheid (NEE) – etwa, wenn ein zweites Mal Asyl beantragt wird oder ein vorausgehendes Asyl im Schengenraum festgestellt wird – kommen die Asylbewerber oft direkt in Ausschaffungshaft. Aufgrund der hohen Gesuchseingänge können im EVZ derzeit nur die Erstbefragungen durchgeführt werden; die weiteren Verfahrensschritte müssen später nachgeholt werden. Nach der Kurzbefragung werden die Asylsuchenden auf die Kantone verteilt und dort in kantonalen Asylzentren, später in den Gemeinden untergebracht, wo sie auf den Entscheid warten. Der durchschnittliche Aufenthalt im EVZ liegt deshalb unter 16 Tagen.


Leben auf engem Raum

Wo 170 Personen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Herkommens zusammenleben, muss der Alltag streng geregelt werden. Ruedi Nussbaumer, der schon seit 32 Jahren im Zentrum arbeitet, führte durch das Gebäude. Zu sehen waren Schlafräume, wo sich jeweils etwa zehn Asylbewerber gleicher Herkunft einen Raum teilen. Familien sind in eigenen Zimmern untergebracht. Die drei Mahlzeiten werden von aussen angeliefert – die Versuche, gemeinsam zu kochen, waren eine Überforderung für alle, wie Ruedi Nussbaumer berichtete.

Hingegen werden von den Flüchtlingen Putzarbeiten übernommen. Freizeitbeschäftigungen bietet das Zentrum kaum. Von 9–11.30 und 13.30–17.30 Uhr können die Insassen in den «Ausgang», abends um 22 Uhr ist Lichterlöschen. Wer gegen Regeln verstösst, erhält keinen Ausgang oder kein Sackgeld.

Vom Beitrag der Kirchen

An einem Podium war zu erfahren, was von den Kirchen für die Flüchtlinge getan wird. Kirchenrat Urs Noser aus Altstätten erzählte vom ökumenischen Kaffeetreff unweit vom EVZ. Kürzlich sei dort der 50000. Besucher registriert worden. Freiwillig Mitarbeitende betreuen den Treff, an dem neben Getränken und Internet vor allem Gelegenheiten für Gespräche geboten werden.

Im EVZ selber sind Pfarrerin Bettina Wiesendanger zu 20 Prozent und Pfarrer Reinhold Meier zu zehn Prozent mit der Seelsorge betraut. Dieses Angebot wird vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) finanziert. Zudem versuche die Kantonalkirche, wie Urs Noser ausführte, Freiwillige in den Kirchgemeinden in der Arbeit mit Flüchtlingen zu unterstützen. Auch das Gespräch mit den politischen Behörden sei wichtig. Zudem leiste das «Solidaritätsnetz Ostschweiz» eine vielseitige Unterstützung der Flüchtlinge.

Tilla Jacomet informierte über die Tätigkeit der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende – ein wichtiges Standbein der Inlandhilfe von HEKS. An den beiden Beratungsstellen in St.Gallen und Kreuzlingen würden Flüchtlinge in ganz praktischen Belangen beraten, vor allem aber in der Beurteilung ihrer Chancen auf einen Rekurs. Nur wenn eindeutige Fehler oder Unklarheiten im Verfahren festgestellt würden, übernehme die Stelle ein Mandat. So erkläre sich auch, dass 70 bis 80 Prozent der Rekurse zu einem Erfolg führten.

Bevor der Saal wieder frei gemacht werden musste für das Mittagessen der Flüchtlinge, diskutierten die von HEKS eingeladenen Gäste den Entscheid des Nationalrats, Asylbewerber generell auf Nothilfe zu setzen. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob sich die Kirchen mit ihrer Stimme in Fragen rund um das Asylwesen genug einmischen.

Andreas Schwendener

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