der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen |
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Ausgabe 05/2013 Diese Ausgabe als PDF |
Der Kässmann-Effekt – Kirchentag mit Manifest gegen Rüstung
Am Bodensee-Kirchentag in Überlingen gibt es Kirchentagsatmosphäre mit einem «Wir-sind-Kirche»-Gefühl. Hunderte wollen die frühere Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Kässmann, hören.
Predigt und PerformanceMargot Kässmann tritt mit einer denkbar einfachen Übungsanlage, weitab von Empfehlungen aus Event-Manager-Handbüchern, an: «Bibelarbeit und Gespräch mit dem Publikum». Was herauskommt, ist ein Mix aus Predigt und Performance. Zwar trägt sie nicht frei vor, aber Ausstrahlung und Stimme haben einen Sog, und man ertappt sich nach dem letzten Satz beim Gedanken: Schade, ist es vorbei. «Come and see» lautet das Kirchentagsmotto, und auf dem Plakat ist ein Junge zu sehen, der seine Finger wie einen Feldstecher vor die Augen hält. Das Zitat stammt aus dem Johannes-Evangelium und ist für Kässmann eine Aufforderung, Glaube als sinnliche Erfahrung zu leben. Sie versteht die Einladung «Komm und sieh!» an die Jesus-Jüngerinnen und -Jünger als Aufruf zur Lebens- und Entdeckerfreude, um aus dem stillen Kämmerlein in die Gemeinschaft zu kommen. «Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.» Diese Glaubensfreude ist für sie aber auch eine Absage an die «Karnevalisierung der deutschen Gesellschaft», die nach Auftritten in Castingshows giert und den Wert der Person an deren Lohnniveau misst: «Was für ein gruseliges Weltbild.»
Kein Platz für KriegsgurgelnMan mag dies als Populärtheologie abtun. Doch die neuerdings als Botschafterin für das Lutherjahr amtende 54-Jährige wirkt auch ernsthaft und erreicht in ihren besten Momenten das, was man «Authentizität» nennt. Es ist die alte evangelische Botschaft, die sie durchbuchstabiert: Der christliche Gott ist kein Siegergott, beim Kreuz ist kein Platz für Kriegsgurgeln, Gott ist da, wo Menschen leiden. «Darum ist es richtig, dass nach Rüstungsexporten gefragt wird», sagt sie in Anspielung an das Manifest gegen Rüstungsexporte in der Bodenseeregion (siehe Kasten). Auch zur Ökumene findet sie eine gute Mischung von Austeilen und Versöhnlichkeit. Auf die Frage nach ihrer Haltung zur ökumenischen Gastfreundschaft sagt sie: «Ich gehe nicht zur Eucharistie, weil ich mich nicht eingeladen weiss – sondern ausgeladen.» Und stellt fest, dass die geschwisterlichen Bemühungen von offizieller katholischer Seite «nicht so ganz dynamisch» seien.
Open Air ohne KommerzGibt es eine «Margot Kässmann der Schweiz»? Nein. So wenig wie die
hiesigen Landeskirchen eine Kirchentags-tradition kennen, deren
Atmosphäre etwas von einem Wirgefühl eines friedlichen Open Airs ohne
Kommerzwalze hat. Es ist die hier selten zu machende Erfahrung, «dass
wir gar nicht so wenige sind». Natürlich gab es auch kritische Stimmen
zu Kässmann: «Das habe ich schon einmal von ihr gehört», wird über
einzelne Episoden gesagt. Aber eben auch, als Argument für das
Dabeisein: «Wir haben nicht viele solcher Frauen.» Daniel Klingenberg
2014 in St.Gallen
Der 16. Bodensee-Kirchentag findet vom 16. bis 18. Mai 2014, zum zweiten Mal nach 2006, in St.Gallen statt. Nach Auskunft von Jens Mayer von der evangelischen Kantonalkirche gibt es am Montag, 3. September, ein erstes Planungstreffen. Wer an einer Mitarbeit interessiert ist, kann an diesem Datum um 15.30 Uhr ins Kirchgemeindehaus St. Mangen in St.Gallen kommen. kl |
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