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 Ausgabe 05/2013 
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Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Der Kirchenbote traf in Wittenbach zwei Flüchtlinge, welche ihre Heimat hinter sich liessen. Sie wollen ihren Kindern später ein besseres Daheim und eine Ausbildung bieten können.

Der vorläufig aufgenommene Flüchtling Mahdi Rezai mit Ausweis F besucht vier Mal in der Woche in St.Gallen einen Deutsch-Integrationskurs. Jetzt muss er für eine Vorlehre einen Praktikumsplatz finden. Fast etwas neidisch auf diese Privilegien ist der Flüchtling Mamadou Kane mit Ausweis N für Asylsuchende. Er wartet noch auf den Entscheid des Bundesamtes für Migration und kann weder arbeiten noch offizielle Kurse besuchen.

Gefährliche, teure Reise

In Afghanistan hat Mahdi Rezai als Schafhirte seine Jugend verbracht. Eine staatliche Schule besuchte er nicht, bloss für zwei Jahre eine Koranschule. Mit 15 Jahren floh er wegen des nicht endenden Bürgerkriegs nach Iran. Seine Familie verkaufte Land und zog nach. «In Afghanistan hatte ich die Wahl, selber zu töten oder getötet zu werden – das wollte ich nicht», begründet er sein Exil.

Mit 17 zog Mahdi weiter in die Türkei. 60 Stunden sei er über die Berge gelaufen und habe unterwegs zwei Flüchtlinge aus Bangladesch sterben sehen. Sechs Monate weilte er in Istanbul, wo er die Möglichkeit gehabt hätte, zusammen mit andern ein Boot zu kaufen und in der Nacht das Meer nach Griechenland zu überqueren. Er wählte die weniger gefährliche Variante und zahlte einen Menschenschmuggler, der zu Fuss nach Griechenland führte. Dort erhielt er ein Papier, das einen ­Monat Aufenthalt gewährte. Mahdi blieb sechs Monate. Täglich sei er bei einer kirchlichen Organisation in einer langen Schlange gestanden, um eine Mahlzeit zu erhalten. Geschlafen hat er in Parks, unter Brücken, auf der Strasse. Seine Eltern haben ihm dann Geld geschickt. So konnte er sich die 4000 Euro teure Fahrt in einem Lastwagenversteck nach Italien leisten. Mitten auf einer Autobahn wurden er und seine Kollegen ausgesetzt. Mahdi reis­te weiter nach Mailand und in die Schweiz. Sein Ziel war eigentlich Schweden, doch er war so müde von der Reise, dass er im Empfangszentrum Kreuzlingen um Asyl nachfragte und dort nach dem zweiten Interview einen F-Ausweis erhielt: vorläufige Aufnahme. Im kantonalen Übergangsheim in Brunnadern verbrachte er sieben Monate, zusammen mit Mamadou wurde er vor einem halben Jahr der Gemeinde Wittenbach zugewiesen.


Lieber Arbeit als Sozialhilfe

Mamadou Kane weiss nicht genau, wo seine Heimat ist. Geboren in Mauretanien, flohen seine Eltern mit der Familie früh nach Senegal. Dort besuchte Mamadou die Schulen und dort studierte er Hotelfach. In Mauretanien machte er dann erste Berufserfahrungen, verwickelte sich aber wegen einer Liebesgeschichte in eine Familienfehde, vor der er zuerst nach Frankreich und dann in die Schweiz floh – mit einem geliehenen Pass. Er weilte im Empfangszentrum Altstätten, im Asylzentrum Neckermühle in Brunnadern und lebt jetzt in Wittenbach. Wie Mahdi und die andern Flüchtlinge im Haus erhält er monatlich 400 Franken für den Lebens­unterhalt, doch lieber würde er arbeiten und sein Leben mit einem eigenen Einkommen meistern. 

A. Schwendener

Bücher

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