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 Ausgabe 05/2013 
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Interview: Den Glauben an Heimat verloren

Was bedeutet für Euch Heimat?

Mahdi: Afghanistan bleibt meine Heimat. Dort lebt ein grosser Teil meiner Familie, und ich liebe die Wüsten und die Berge. Ich bin stolz, ein Afghane zu sein. Aber im Moment kann ich dort nicht leben. Seit 30 Jahren sind wir in einem Bürgerkrieg. Ich habe meinen Glauben an Heimat verloren.

Mamadou: Bei mir ist das etwas kompliziert. In meiner Heimat Mauretanien war ich nur als Kind und später hatte ich dort Probleme. Und Senegal, wo ich die Schule besucht habe, ist nicht meine Heimat. Ich habe keinen richtigen Ort, wo ich mich daheim fühle – in diesem Punkt bin ich wie die Juden, die aus Ägypten flohen und ein Land suchten.


Ist jetzt die Schweiz für Euch Heimat?

Mahdi: Ich fühle mich hier wohl und ich bin dankbar, dass ich als vorläufig aufgenommener Flüchtling Deutsch lernen kann und voraussichtlich auch einen Beruf. Trotzdem kann ich von der Schweiz  nicht als meiner Heimat sprechen.

Mamadou: Ich habe einen Ausweis N für Asylsuchende und mit diesem Papier ist alles offen und total ungewiss. Jeden Tag kann die Polizei kommen und mir einen negativen Asylentscheid mitteilen. Diese Situation lässt kaum Heimatgefühl aufkommen. Zudem fühle ich mich hier etwas ausgegrenzt, etwa in Clubs oder mit Kontrollen. Weil ein paar Nigerianer Drogen verkaufen, denkt man, alle Schwarzen seien Dealer. In Afrika wissen wir, dass Weisse unsern Diktatoren Waffen verkaufen, aber deshalb sind für uns nicht alle Weissen Waffenhändler. Ich glaube an den Menschen, nicht an die Farbe. Für Gott sind alle Menschen gleich und die Erde ist für ihn ohne Grenzen. Jeder Mensch sollte überall leben dürfen.  


Was ist Eure Hauptbeschäftigung, Euer Ziel?

Mahdi: Ich kann jetzt an der GBS in St.Gallen Deutschkurse nehmen, vier mal dreieinhalb Stunden in der Woche. Wenn ich den Erfolg sehe, wie jetzt, wo wir Deutsch miteinander sprechen, gibt mir das Ansporn und ist Lebensinhalt.

Mamadou: Ich habe im Solidaritätshaus in St. Fiden Französisch unterrichtet, aber das ist ja keine richtige Schule. Nun konzentriere ich mich auf die Arbeitssuche. Ich habe einen professionell ver­fass­ten Lebenslauf und verschiedene Zeugnisse aus der Zeit im Neckertal. Aber mit meinem offenen Status ist es nicht leicht, eine Arbeit zu finden, die dann auch noch vom Bundesamt in Bern abgesegnet werden müsste. Aber ich habe ein grosses Verlangen, meinen Lebensunterhalt selber zu finanzieren, statt vom Sozialamt monatlich 400 Franken zu erhalten. Denn ich bin jung, stark und kann arbeiten. Und ich sollte nicht meine besten Jahre mit Nichtstun und Warten verbringen. Ich will Grundlagen schaffen für eine künftige Familie, sodass meine Kinder nie die Heimat verlassen müssen wie ich.

Interview: as

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