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 Ausgabe 05/2013 
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«Brannte nicht unser Herz in uns?»

Das diesjährige Bettagsmandat des Kirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen hat Kirchenrat Pfr. Heinz Fäh aus ­Rapperswil verfasst. Das Mandat wird traditionsgemäss am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag im Gottesdienst verlesen.

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen

Zwei Menschen sind unterwegs auf der Strasse. Sie unterhalten sich über enttäuschende Erfahrungen und zerbrochene Hoffnungen. Sie hatten gehofft, dass einer gekommen sei, der für sie alles richten würde, der mit einem Schlag die Sorgen und Nöte der Gesellschaft heilen könnte. Aber der war tot – gekreuzigt. Da gesellt sich ein weiterer zu ihnen, hört zu und bringt dann eine neue Sicht der Ereignisse ins Spiel. Enttäuschungen werden nicht verleugnet, aber sie gewinnen einen Sinn durch das, was der Fremde zu sagen hat. Am Ende des Tages erst, wenn sie gemeinsam am Tisch sitzen, sollte klar werden, wer dieser Begleiter war – Christus der auferstandene Jesus.

So erlebten gemäss dem Lukasevangelium zwei Menschen die Nähe des lebendigen Christus, der von den anderen totgesagt war. «Brannte nicht unser Herz, als er mit uns sprach?», sagten die beiden, als der Fremde wieder verschwunden war.

Begleitet sein ist eine christliche Grunderfahrung. Sie gewinnt an Bedeutung in Zeiten der Veränderung. In solchen steht unser Land in verschiedener Hinsicht.

Die Schweiz wächst stetig. Lebten im Jahr 1995 noch rund sieben Millionen Menschen in unserem Land, so sind es heute bereits acht. Grund für den stetigen Zuwachs ist vor allem die Zuwanderung. Während die Ankommenden versuchen, ein neues Stück Heimat zu finden, befürchten hier nicht wenige, ihre bisherige zu verlieren. Das schnelle Wachstum der Städte und Agglomerationen führt nicht automatisch zu mehr Gemeinschaft in unserer multikulturellen Gesellschaft – im Gegenteil. Viele Menschen leiden unter der Vereinzelung in einer geschäftigen Anonymität.

Die Kirche steht in der Nachfolge ­Jesu. Sie ist begleitet und hat die Aufgabe, ihrerseits Menschen jeglichen Alters zu begleiten, zu ermutigen und ihnen einen Deutungsrahmen für ihr Leben anzubieten. Sie lädt zur aktiven Teilhabe an der Gemeinschaft ein. So ist sie nahe bei Gott und nahe bei den Menschen.

Dabei erleben wir, dass die Kirche ­eine tragfähige und integrative Gemeinschaft sein kann – selbst dann, wenn der Weg beschwerlich wird; wie jener der beiden Jünger, die den Tod ­Jesu beklagten und den Gekreuzigten als den Lebendigen wiederfanden.

Die Kirche lädt ein zu einer heilsamen Unterbrechung des Alltags. So, wie der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag unseren Alltag unterbricht und uns als Gesellschaft daran erinnert, dass wir alle nicht alleine unterwegs, sondern immer begleitet sind. Gott sei Dank.

Heinz  Fäh, Pfarrer in Rapperswil-Jona

Die Bettagskollekte ist gemäss Beschluss der Synode vom 25. Juni 2012 bestimmt für das Theologisch-Diakonische Seminar (TDS) ­Aarau, speziell für die Berufsausbildung in ­Sozialdiakonie. Auch Spenden sind auf dem Postkonto 90-455-6 der Zentralkasse willkommen.

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