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 Ausgabe 05/2013 
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Der Schatz im Acker - Beglückendes Entdecken im Alltag

«Das Himmelreich gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und wieder verbarg.Und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.» Mt. 13, 44

Der Pfarrer, der die Trauung für ein befreundetes Paar gestaltet hat, wählte dieses Gleichnis als Predigttext. Er verglich das Finden des Liebesglücks mit der Erfahrung des Arbeiters auf dem Acker. Wie viele Menschen aber «beackern» ihre Aufgaben und Interessen – und finden doch keinen Menschen, mit dem sie ihr Leben in Freude und Leid von Herzen teilen können? Und wie viele andere können mit ihrem einst gefundenen Schatz nichts mehr anfangen, haben das bittere Gefühl: «Ich habe bei ihr (bei ihm) nichts mehr zu suchen»? – Ein Unglück, dem oft viele verunglückte Beziehungserlebnisse vorausgegangen sind.

Dem Glück auf der Spur

In meiner Arbeit als Therapeut höre ich Menschen von ihren bedrängenden Erfahrungen berichten. Dabei empfinden sie, dass auch ihr Reden von ihrem Unglück eine Arbeit ist – manchmal Schwerarbeit wie auf einem Acker. Aber es beeindruckt mich, wie sie nach dem suchen, was ihre innere Not leichter machen könnte. Was dabei geschehen kann, erinnert mich an das Gleichnis vom Schatz im Acker: Da stösst jemand auf etwas, das sich zuerst vielleicht als hartes Hindernis anfühlt, auf einen vergrabenen Schmerz, auf einen verborgenen Konflikt, auf ein Problem, das man bisher übergehen zu müssen glaubte. Aber ist das nun ein Schatz oder nicht eher etwas Anstössiges, von dem man sich lieber wieder abwenden sollte, um nicht noch unglücklicher zu werden? Eher eine gefährliche Mine als ein golden funkelndes Glück? Ich versuche es zu verstehen, wenn jemand sich vor dem, was sich da eröffnet, ängstlich oder beschämt zurückziehen möchte. Und es berührt mich, wenn sich mein Gegenüber doch auf das noch Unklare, Dunkle einlässt, es als etwas Eigenes annehmen will – weil es nun als hilfreich und bedeutsam vorkommt, als etwas, das zutiefst dem Glück dienlich sein könnte. Und tatsächlich: Aha-Erlebnisse können auf diesem Weg zu wertvollen Erfahrungen werden, in denen das Glück zu keimen beginnt.
Solch beglückendes Entdecken ist auch im Alltag möglich. Was geschieht, wenn sich zwei Menschen abwechslungsweise einander anvertrauen, wenn sie miteinander zu spüren und wahrzunehmen versuchen, was blockiert hat und
im Weg liegt? Wenn sie sich dafür entschieden Zeit nehmen und sich einlassen können auf etwas, was ihnen als Störung auffällt und worauf sie nun schauen mögen – in der Hoffnung, dass darin etwas für sie Bedeutsames verborgen liegt? Die Neurophysiologie hat herausgefunden, dass wir uns glücklich fühlen, wenn wir neugierig sein können, wenn wir uns
einem Interesse intensiv widmen, wenn wir etwas entdecken, wenn wir für uns selbst oder miteinander, getragen von gegenseitigem Mitgefühl, kreative Lösungen erarbeiten können.

Das Himmelreich im Alltag

Aber was hat das alles nun mit dem Himmelreich zu tun, auf das Jesus mit seinem Gleichnis aufmerksam macht? Wollte er uns damit beglückende Erfahrungen zukommen lassen? Ich glaube: ja, er wollte das: er, der, wie es heisst, vom Himmel her zu uns in unsere Welt gekommen ist, wo er auch auf so viel Störendes, Schreckliches und Unglückliches gestossen ist. Wie hat er das wohl angenommen und ausgehalten? War er beseelt von der Hoffnung, dass er Licht ins Dunkel von blockierenden Störungen bringen könnte, die Menschen im Weg liegen, die Menschen einander auch in den Weg gelegt haben? Hat er mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker vielleicht auch von sich selber erzählt? Meinte er wohl: das Himmelreich, beglückendes Leben und gelingendes Zusammenleben, wie es uns Menschen verheissen ist, kann sich uns auch da auftun, wo Irritierendes und Befremdendes nicht weiterhin übergangen werden müssen, sondern auf einmal unser Interesse wecken?

Matthias Bosshard, Altstätten, Theologe und Psychotherapeut

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