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 Ausgabe 05/2013 
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Einer, der zuhört – kein Juniorchef - Katrin Wetzig über Jesus(-bücher)

Katrin Wetzig aus Walenstadt gab 15 Jahre Sonntagschule. Zudem arbeitet sie in der Begleitkommission der Arbeitsstelle «Familie und Kinder» der Kantonalkirche. Was kommt ihr zu den Jesus-Bücher-Bildern dieses Kirchenboten in den Sinn?

«Jedes dieser Bücher ist ein Puzzle-Teil. Jesus kann man nie ganz erfassen, nur einen Teil. Gerade so, wie man auch einen Menschen nicht ganz erfassen kann.» Dies sagt die 43-jährige Katrin Wetzig, die in der Kirchgemeinde Walenstadt 15 Jahre Sonntagschule gegeben hat, zu den im Kirchenboten abgebildeten Jesus-Büchern.

Etwas davon treffe der Titel «Jesusfragment», denn jedes Buch könne nur einen Teil von Jesus zeigen und müsse daher ein Fragment bleiben.

Kennen tut sie die Bücher nicht – ausser dem auf der Titelseite abgebildeten: «The Nativity» liebe sie. Denn da dürfe Maria «richtig schwanger» sein, und die Personen seien nicht abgehoben, sondern menschen- und erdennah dargestellt.

«Fritzli» spricht Mundart

Katrin Wetzig, verheiratet und Mutter von zwei Teenagern, kommt wie ihr Mann aus Deutschland und lebt seit 17 Jahren in Walenstadt. Aufgewachsen ist sie in Hemer, einer 30 000-Seelen-Ortschaft in der Nähe von Dortmund. Dort kam sie früh in Kontakt mit dem CVJM und bekam so eine Beziehung zum Glauben und zur Kirche. Daher sei es ihr «normal» erschienen, in der Schweiz Kontakt mit der örtlichen Kirche aufzunehmen. Aus der Kontaktaufnahme wurde ein aktives Kirchenmitglied in Sonntagschule und Kirchenchor. Jahrelang hat sie Gottesdienste für und mit Kindern gestaltet und selber mit einer Handpuppe namens «Fritzli» mitgewirkt. In dieser Rolle getraut sie sich, was sie sonst trotz der 17 Jahre in der neuen Heimat – die Familie fühlt sich in der Schweiz sehr wohl – nicht gerne tut: Mundart zu sprechen.

Aber Kathrin Wetzig ist nicht etwa «kirchenfixiert», sondern auch aus anderen Bereichen in der Öffentlichkeit bekannt. Als sie dem «Sarganserländer» regelmässig Berichte über Konzerte des Kirchenchores zukommen liess, wurde der Chefredaktor auf sie aufmerksam. Sie erwarb die Anerkennung als Berufsjournalistin und berichtet über kulturelle Veranstaltungen – am liebsten Musik – und Lokalpolitik von Murg bis Bad Ragaz. Sogar über Sport, wenn es sein muss.

Juniorchef passt nicht

Zurück zu den Jesus-Büchern: «Der Juniorchef» sei ein Titel, der nicht passe. «Denn Chef sein, in der Hierarchie oben sein wollte Jesus sicher nicht.» Im Gegenteil: Er habe gar keine Hierarchie gewollt, sondern habe bei und mit den Menschen sein wollen – was sich gut an seinem Umgang mit Frauen und Kindern zeigen lasse. Zurzeit lese sie das Buch «Maria Magdalena» von Marianne Frederiksson, in dem Jesus konsequent aus dem Blickwinkel einer Frau beschrieben werde.

«Dazu hat Jesus den Männern ganz schön die Meinung gesagt.»Wie wird Jesus darin dargestellt? «Das Leben als Frau war damals nicht einfach. Jesus hat den Frauen zugehört, hat sie nicht angegriffen.» Dasselbe lasse sich an seinem Umgang mit Kindern beobachten. Dieser einfühlsame Umgang sei wohl nicht üblich gewesen. Und weiter: «Dazu hat er den Männern ganz schön die Meinung gesagt.»

«Eigenes Begreifen»

Deswegen ist aber Katrin Wetzig keine feministische Hardlinerin – vielmehr versteht sie den Glauben an Jesus Christus als das Gegenteil von einengend. «Es geht zu viel verloren, wenn man zu eng wird. Gerade bei Kindern», sagt sie. Gläubig sein bedeute nicht einfach naiv oder gutgläubig sein. Und es sei auch nicht eine Frage der Bildung, sondern gläubig sein habe eher mit Weisheit zu tun. Wie die Gleichnisse von Jesus, die mit ihren überraschenden Pointen «Freiraum schaffen für eigenes Begreifen».

Daniel Klingenberg
Bildlegenden
oben: Wilhelm Busch, Jesus unser Schicksal, Neukirchen-Vluyn 1992 (32. Auflage), 240 Seiten, Fr. 7.80
unten: Holger Kersten, Jesus lebte in Indien, Berlin 1998, 240 Seiten, nicht mehr lieferbar

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