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Kirche

«Welche Einheit soll es denn sein?»

In Basel erreichte das Reformationsjubiläum einen Höhepunkt. Der Reformationstruck machte am Rheinknie Station. Reformationsbotschafterin Margot Kässmann, Bischof Felix Gmür und der reformierte Kirchenratspräsident Lukas Kundert trafen sich zu einem Streitgespräch über die These «Je mehr Reformation, desto mehr Einheit».

So wie Luther seine Thesen aushängte, stellten auch andere Gelehrte ihre Meinungen zur Diskussion. Zur Zeit der Reformation war die Disputation, das öffentliche Streitgespräch, sehr verbreitet. Als Gastgeberin des Stationenwegs der Reformationsstädte Europas knüpfte Basel am Wochenende an diese Tradition an: Im Münster disputierten Reformationsbotschafterin Margot Kässmann, Bischof Felix Gmür und der reformierte Kirchenratspräsident Lukas Kundert zum Thema «Ad Fontes – zu den Quellen».

Keine Lösungen
«Zweck einer Disputation ist es», so alt Münsterpfarrer Franz Christ in seiner Einführung, «in einem nicht moderierten Gespräch Differenzen zu überwinden und Lösungen zu finden.» Die Disputation im Basler Münster erfüllte diese Anforderung so wenig, wie es die Disputationen zu Luthers Zeiten taten. Luthers Streitgespräche führten nicht zur Lösung, sondern zum Bruch. So arg kam es in Basel nicht, denn nett und zuvorkommend war der Umgang zwischen den drei prominenten Teilnehmenden.

Die von Franz Christ aufgestellte These, «Je näher bei der Reformation der Kirchen, desto näher bei ihrer Einheit», kam provozierend daher. Sie vermochte die Disputanten aber nicht aus dem Busch zu klopfen.

Einigkeit über Jesus
«Ad Fontes – zu den Quellen» war der Anlass überschrieben, und mit den Quellen war die Bibel gemeint. Doch Bischof Felix Gmür strich schon in seinem Anfangsvotum heraus, dass die Schrift selbst keine Einheit bilde und das Christentum zu Beginn keine Buchreligion war, sondern eine Personenreligion: mit Jesus Christus als lebendiger Quelle. Eine Feststellung, die fast am Ende der Disputation von Lukas Kundert nochmals aufgenommen wurde, indem er feststellte: «Wahrheit ist nicht ein Buch, sondern eine Person: Jesus Christus, der von sich sagte ‚ich bin die Wahrheit’.»

Damit war das Einende weitgehend abgehandelt, auch wenn da und dort versichert wurde, dass die Kirchen mehr vereine als trenne. Der Rest war Vielfalt. Margot Kässmann: «Die Bibel bezeugt Christus, ist selbst aber kein einheitliches Wort, ja sie begründet eher die Vielfalt im Christentum». Unterschiede seien spannend, sagte sie.

«Welche Einheit soll es sein?»
Als Lukas Kundert seinen «Hunger nach mehr Einheit» bekannte und von Felix Gmür wissen wollte, ob ein Papst ohne richterliche Gewalt (Jurisdiktion) als einende Person denkbar wäre, da kamen die trennenden Themen ins Spiel. Bischof Felix Gmür: «Die katholische Kirche verfolgt eine sichtbare Einheit, die die Jurisdiktion einschliesst. Die reformierten Kirchen haben sich untereinander für eine Einheit in Verschiedenheit entschlossen. Welche Einheit soll es denn sein?»

«Wer gehört dazu?»
Die Verschiedenheit der Kirchen manifestierte sich bei der Stellung der Homosexualität oder der Ehe sowie bei der Frage der Frauenordination und beim Verständnis des Abendmahls. Themenkomplexe, die nicht nur in der katholischen Kirche umstritten seien, sondern auch in der reformierten und lutherischen, stellte Margot Kässmann fest. Dies bewog Lukas Kundert zur Frage: «Wer gehört denn noch dazu?» Er gab die Antwort gleich selbst: «Jene, die über Jesus Christus als einende Quelle verbunden sind.» Der «Reformer» Jesus Christus ist, so das Fazit der Disputation, das einende Element in der Vielfalt.

Franz Osswald / Kirchenbote / 14. November 2016

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».


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