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Leben & Glauben

Geschichten, die das Leben schreibt

Erfolgreich scheitern

18.12.2016
Schöne Menschen und solche, die schlau sind, haben mehr Erfolg. Haben sie? — Genau davon handelt eine Geschichte von Liebe und Schicksal, Erfolg und Scheitern im ersten Buch der Bibel.

Laban hatte zwei Töchter: Die ältere hiess Lea und die jüngere Rahel. Lea hatte glanzlose Augen, Rahel aber hatte eine gute Figur und war wunderschön.                         

Gen 29, 16–17

Jakob hat seinen Bruder Esau um den Finger gewickelt und um das Erstgeburtsrecht geprellt. Nun muss er fliehen. Auf dem Weg zum Bruder seiner Mutter, Laban, trifft er auf Labans Tochter Rahel. Es ist Liebe auf den ersten Blick, und Jakob hält bei Laban um Rahels Hand an. Er bekommt sie, muss aber für seine Liebe einen hohen Preis zahlen: sieben Jahre Fronarbeit für seinen Schwiegervater. Dann wird Hochzeit gehalten. Jakob scheint am Ziel zu sein. Doch sein Schwiegervater haut ihn übers Ohr und legt ihm die ältere Lea ins Bett. 

Jakob begehrt auf und bekommt zur Antwort: «Geht doch nicht, dass die Jüngere einen Mann bekommt, derweil die Ältere ledig bleibt!» Jakob jedoch liebt Rahel. Er darf sie sich zur Frau nehmen, muss aber weitere sieben Jahre abarbeiten. Dann endlich kann er mit seinen beiden Frauen in seine Heimat ziehen. Inzwischen hat ihm Lea Söhne geboren, während Rahel vorerst kinderlos bleibt. Die Bibel weiss, warum: Gott sah, dass Lea weniger geliebt wurde und schenkte ihr Kinder. So wird Lea, die Ungeliebte, zur bedeutenden Stammmutter des Volkes.

Lea bekommt zuerst einen Mann, auch wenn sie weniger schön ist als Rahel. Die wegen mangelnder körperlicher Reize Erfolglose bekommt Erfolg zugesprochen. Und scheitert gleichzeitig an der Tatsache, dass ihr Mann eine andere liebt. Ein menschliches Schicksal, das uns zutiefst berührt, wenn wir es wagen, uns in die Gestalt Leas hineinzuversetzen. 

«Die wegen mangelnder körperlicher Reize Erfolglose bekommt Erfolg zugesprochen. Und scheitert gleichzeitig an der Tatsache, dass ihr Mann eine andere liebt.»

Die Erzählung zeigt uns Menschen, die mit Ausnahme von Lea gute Voraussetzungen mitbringen und verheissungsvolle Erfolgsaussichten haben. Der bauernschlaue Laban erreicht locker sein Ziel, dass die «Kirche im Dorf bleibt» und die ältere Tochter zuerst unter die Haube kommt. Jakob muss für seinen Betrug am älteren Bruder nicht ein Leben lang büssen, und 

es gelingt ihm, seine Wunschfrau zu heiraten. Lea schafft es trotzdem als Erste ins Bett Jakobs und wird Mutter wichtiger Söhne. Rahel kann ihre gute Figur und das anmutige Gesicht voll zur Geltung bringen. Sie bekommt ihren Mann.
Jedoch: Zu jeder dieser Gestalten gehört ebenso das Scheitern. Lea scheitert an der Tatsache, dass sie nicht vom «Glück der Schönen und Reichen» begünstigt ist. Rahel am verhinderten Mutterglück. Jakob wird in der Hochzeitsnacht vom Schwiegervater übertölpelt. Aber auch dieser, Laban, ist nicht derjenige, der zuletzt lacht. Das Lachen vergeht ihm, als sich Jakob mit Frauen, Kindern, Gesinde und gestohlenem Gut heimlich davon macht. 

Die Bibel schenkt uns eine Geschichte mit Einblick in Menschenschicksale, die geprägt sind vom Streben nach Erfolg und Glück. Misserfolge und Scheitern sind darin ebenso hineingezeichnet. In diesen Schicksalen können wir uns selber abgebildet finden.

Erfolg und Scheitern, Glück und Tragik lassen sich begreifen als Elemente im grösseren Zusammenhang: Leben. Selbstbestimmtes wie hingebungsvolles, glückverwöhntes wie entbehrungsreiches, geschenktes wie vorenthaltenes Leben.

 

Text: Markus Walser, Klinikseelsorger, Wil | Bild: Josef Felix Müller  – Kirchenbote SG, Januar 2017

 


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fadegrad – unverblümt und direkt  | Artikel

«fadegrad» heisst der neue Podcast der kath.und evang.-ref. Kirchen der Kantone St.Gallen und beider Appenzell. Er löst das bisherige Radio-/Podcast-Projekt «Gott und d’Welt» ab. Der Religionspädagogin und Journalistin Ines Schaberger obliegt die Leitung des Podcasts. Unterstützt wird sie von der Rheinthalerin Samantha de Keijzer, Praktikantin bei der evang.-ref. Kirche des Kantons St.Gallen sowie der Toggenburger Journalistin Lara Abderhalden.

«Wir fragen Menschen, warum sie tun, was sie tun und wie sie geworden sind, wer sie sind – und das ‚fadegrad’, direkt und unverblümt», erklärt Ines Schaberger das Konzept des Podcasts. Eine «fadegrad»-Folge dauert rund dreissig Minuten. „Das ist einer der grossen Vorteile von Podcasts. Ich kann mit den Gästen ein Thema vertieft besprechen».

Zusätzliche Hintergrundinfos und kurze Videos zu den Folgen gibt es auf Instagram


Vom Zauberklang der Dinge  | Artikel

Vom Zauberklang der Dinge ist zugleich ein Dokumentarfilm und eine Webserie über den Schweizer Komponisten und Chorleiter Peter Roth, sein Werk, sowie die Chöre, Singenden und Musizierenden, die sein Schaffen begleiten. Die universale Bedeutung von Klang und Resonanz als Vermittlung zwischen Menschen und Kulturen, zwischen Innenleben und Außenwelt, spielt eine zentrale Rolle in seinem Wirken.


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