Logo
Spiritualität

Das Engagement der Landeskirchen ist spürbar intensiver

«St. Galler Akzente» zur Palliative Care

18.12.2016
Rund 800 Fachleute haben am nationalen Palliative-Care-Kongress in Biel darüber beraten, wie sich die Betreuung am Lebensende verbessern lässt. Dabei hat sich die Seelsorge als wichtiger Bestandteil des Angebots präsentiert.

Palliative Care soll künftig noch leichter abrufbar sein, erklärte die Präsidentin der Fachgesellschaft Palliative.ch, Sonja Flotron. Dazu wolle man die Information in der Öffentlichkeit verbessern und die Bedürfnisse Betroffener genauer abklären. Der Aufbau einer Bevölkerungsorganisation soll dabei helfen. 

Als Vorzeigebeispiel wohnortnaher Dienstleistung gilt das Pallifon, das im Kanton Zürich als Pilotprojekt eingerichtet wurde. Unter einer zentralen Rufnummer können pflegende Angehörige bei akuten Problemen direkt mit Pallia­tive-Experten sprechen, die umgehend reagieren. «So lässt sich etwa eine Einweisung ins Spital umgehen», legt Flotron dar. Das Pallifon soll weiterentwickelt werden und künftig landesweit erreichbar sein. 

Nach St. Galler Vorbild 

Die Fachgesellschaft treibe zudem die Professio­­- nalisierung der Berufsgruppen voran, hiess es weiter. «Bei der Medizin sind die Curricula aufgegleist, bei der Pflege und Seelsorge in Arbeit.» Die Gründung einer eigenen Fachgruppe Seelsorge, neben Medizin und Pflege, begrüsst Flotron. «Das belegt den hohen Stellenwert des multi-dimensionalen Ansatzes in der Betreuung am Lebensende. Spirituelle Betreuung gehöre integral dazu.

Das Engagement der Landeskirchen in der Palliative Care ist denn zuletzt auch spürbar intensiver. Das zeigte nicht nur der gemeinsame, bestens organisierte Info-Stand an bester Lage im Kongresshaus von Biel. Vor allem haben nun fast alle Kantonalkirchen Pensen für Palliative-Beauftragte geschaffen, dies, nach dem Vorbild der Pioniere in St.Gallen und Aargau. Schweizweit umfassen diese Stellen zusammen nun rund acht Vollzeitpensen. 

Spirituellen Anspruch ernst nehmen

«Nur Qualität zählt», erklärte Karin Tschanz, die Vizepräsidentin von Palliative.ch im Blick auf die spirituelle Begleitung in der letzten Lebensphase. Landeskirchliche Seelsorger seien dafür beispiellos fundiert ausgebildet, verfügten über ein geisteswissenschaftliches Unistudium sowie eine klinisch-psychologische Zusatz- ausbildung und breite Erfahrung im Umgang mit Riten, Sprache und Gestaltung. 

Die Seelsorge der Landeskirchen lasse sich darum nicht in die konfessionelle Ecke stellen. «Sie ist nicht missionarisch, sondern interdisziplinär unterstützend», erklärte sie. Seelsorge hat auch philosophische und religionswissenschaftliche Kenntnisse, die nicht zuletzt in der Begegnung mit Menschen anderer Kulturkreise oder bei nicht-religiösem Hintergrund zum Tragen kommen. «Jeder Mensch hat unabhängig von seiner Einstellung Anspruch auf seriöse spirituelle Begleitung», betont sie. 

Impulse aus der Ostschweiz

Renata Aebi von der St.Galler Palliative-Projektstelle beeindruckte den Kongress mit zwei Vorträgen aus der Praxis. Die Sarganser Theologin berichtete von einer Patientin, die nicht mehr sprechen kann. Zusammen mit der Sozialpädagogin schuf sie eine visuelle Sprache, mit der es der Patientin gelang, ihre Gedanken zum Lebensende zu artikulieren. In einem zweiten Fall half ein geduldig entwickeltes Lebensbuch einem gelähmten Mann dazu, seine Ressourcen offenzulegen. Physio- und Musiktherapie konnten im fachlichen Dialog anknüpfen und seine Lebensqualität verbessern. 

André Fringer von der FH St.Gallen trug drei Vorträge und vier Posterarbeiten bei, namentlich zur Frage der Gestaltung von Übergängen. Auch das renommierte Palliative-Zentrum am St.Galler Kantonsspital war mit Barbara Gros­senbacher, Daniel Büche und Florian Strasser prominent vertreten. Sie berichteten aus der Forschung, etwa zur Bedeutung existenzieller Fragen für die Lebensqualität bei Sterbenden.

 

Text und Foto: Reinhold Meier, Wangs  – Kirchenbote SG, Januar 2017

 


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Mitreden!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie. 

 


Wie die Graffiti an der Offenen Kirche St.Gallen entstanden  | Artikel

Am 11. Juni jährt sich zum 5. Mal die Vernissage «Weltoffen» zum Graffiti an der Offenen Kirche. Hier ein «Jubiläums-Video», zusammengeschnitten aus Filmarbeiten von Filmemacher Zeno Georgiou aus dem Jahr 2016. Theodor Pindl, Intendant der Offenen Kirche, spricht zur Entstehung und Bedeutung des markanten Graffiti, das in St. Gallen inzwischen wohl alle kennen, aber bald verschwinden wird – wegen Abbruch der Kirche.


Der Atem in Wasser und Klang   | Artikel

Vom Zauberklang der Dinge von Peter Roth

Wir erwachen gerade in eine Zeit in der uns dämmert, dass wir nicht als abgetrenntes Ich existieren. Wir sind mit allem und allen verbunden! Am Einfachsten erfahren wir diese Tatsache über den Atem: Alle Geschöpfe, ob Tier, Pflanzen oder Mensch atmen die gleiche Luft. Der Ein-Atem verbindet uns mit der Zukunft, der Aus-Atem mit der Vergangenheit und die Atem-Stille mit dem Jetzt! Der Ein-Atem schöpft Energie, der Aus-Atem lässt los und die Atem-Stille schafft Präsenz. Diese Einsichten vermittelt die neue Folge 19 mit Klang und Musik, Erfahrungen in der Natur und begleitenden Gedanken.


Podcast: Oh Gott, ich hätte da mal eine Frage!  | Artikel

Ein hinterfragender Podcast über Religion, Glaube, Kirche sowie Gott und die Welt. Isabelle Tschugmall stellt seichte, tiefsinnige und kritische Fragen jeweils den Pfarrpersonen der Kirchgemeinden von Rapperswil-Jona, Weesen-Amden-Riet sowie Uznach und Umgebung. Die Fragen werden von neugierigen Personen via Webseite oder E-Mail eingereicht. Die Idee ist, dass wir den Gemeindemitgliedern einen Zugang zur Kirche und den Pfarrpersonen geben. Ein interaktives Werkzeug resp. Kanal für offene Fragen entsteht.