Logo
Gesellschaft

Sinn und Genuss in Gossau SG – Einstimmung ins Reformationsjubiläum

Frauen für «Verantwortung»

25.02.2017
Zur Einstimmung ins Jubiläum 500 Jahre Reformation luden Gossauer Kirchgemeinden und Frauenorganisationen aus Gossau, Andwil und Arnegg zum Anlass «Sinn & Genuss» ins Werk 1 ein. Rund 140 interessierte Gäste liessen sich von Tischreden inspirieren. Zu Gast war unter anderen die Theologin Ina Praetorius.

Musikalisch eingestimmt wurden die Frauen durch stimmungsvoll vorgetragene Lieder. In Anlehnung an die Tafelrunden Martin Luthers wurden drei Referierende eingeladen, zu
berichten, warum es sich lohnt, auch heute gesellschaftlich Verantwortung wahrzunehmen. So hörten die Frauen vor Salat, Hauptgang und Dessert engagierte Berichte, die anregten, überraschten und zuversichtlich stimmten.

Soziale Verantwortung 

Margrit Cavelti von der katholischen Kirchgemeinde hiess Daniela Merz, CEO der Dock- Gruppe AG in St.Gallen, willkommen. Die Geschäftsleiterin der Stiftung für Arbeit führt eines der innovativsten Arbeitsintegrationsprojekte der Schweiz, das einen sozialen Auftrag mit unternehmerischen Zielen in Einklang bringt. Langzeitarbeitslose finden da zu den eigenen Stärken mittels Eigenverantwortung.

In sprudelnden Worten erklärte die sozial engagierte Herisauerin, die 1500 Langzeitarbeitslose betreut, was für sie Verantwortung übernehmen bedeutet, nämlich hinsehen und begreifen wollen. Die Menschen seien nicht arbeitslos, weil sie faul seien. Vielmehr hätten Schicksalsschläge wie Unfälle, zu wenig Bildung oder Suchtverhalten dazu geführt, dass sie im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr Fuss fassen können. Mit finanzieller Unterstützung allein sei es nicht getan. Umso wichtiger sei eine Arbeitsintegration und Hilfe zur Eigenverantwortung. Dann gäbe es eine Chance, dass die Menschen wieder Wertschätzung erfahren und ein für sie gutes Leben führen können.

Verantwortliches Handeln

Die Theologin Ina Praetorius wurde von Brigitte Hollenstein, Frauennetz Gossau, vorgestellt. In ihren Büchern nehme die Referentin Stellung zu ethischen Fragen, beschreibe Handlungsfelder für die Welt- und Lebensgestaltung und versuche, das Wissen der Frauenbewegung fruchtbar zu machen. 

Ina Praetorius erläuterte, dass im Hinblick auf soziales Handeln viel Ratlosigkeit vorhanden sei und in Verantwortung das Wort «Antwort» stecke. Das von der griechischen Mythologie geprägte Christentum hätte lange seinen Fokus auf das Jenseits und den Perfektionismus gelegt. Die Merksätze «Jeder Tag hat genau 24 Stunden» und «Du bist nicht allein» könnten helfen, ein realistischeres Selbstbild zu ent­wickeln und täglich das zu tun, was in der eigenen Macht stehe. 

Die schwierigste Prüfungsaufgabe

Als dritten Vortragenden stellte Pfarrerin Friederike Gretzky Dr. Lukas Krejci als unkonventionellen Rektor vor. Die christlichen Werte des Gymnasiums Friedberg Gossau würden auf Toleranz, Nächstenliebe und Chancengleichheit basieren. Für den Theater- und Literaturliebhaber sei es eine Herausforderung, Jugendliche zu mehr Verantwortung zu sensibilisieren.

Mit der Geschichte des Sisyphus, der immer wieder, scheinbar sinnlos, Marmorsteine den Berg hinaufschleppte, begann Herr Krejci sein Referat und zog auch gleich Parallelen zum Auftrag der Pädagogen. Er sprach vom notwendigen Misslingen und Scheitern. Der Vorteil des Pädagogen sei, dass er nicht weggezappt werden könne. Er habe die Möglichkeit, Werte zu vermitteln, wie «in Beziehung bleiben, Vertrauen schenken, Verantwortung übertragen».Wichtig sei es, die Schüler gern zu haben und sie in ihrer sozialen Entwicklung zu unterstützen.

 

Text: Friederike Gretzky | Foto: Daniela Bologna   – Kirchenbote SG, März 2017

 


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Mitreden!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie. 

 


Neues Graffiti – «Michelangelo» in der offenen Kirche St. Gallen  | Artikel

Für die Installation «Die Pilger» von Johann Kralewski Ende August in der offenen Kirche St.Gallen entsteht an der Kuppel der Kirche ein neues Graffiti. Hier erste Einblicke vom 26. Juli 2021 in das entsthende Werk von Graffiti-Künstler Stefan Tschirren und Erklärungen dazu vom Intendanten Theodor Pindl. Ein ausführliches Interview mit dem Künstler sowie dem Intendanten können Sie hier verfolgen. Beide Clips stammen von Andreas Schwendener. 


(K)ein Spaziergang – Wirtschaft ist Care  | Artikel

Die siebte schweizerische Frauensynode erscheint im coronakonformen Gewand. Sie diskutiert mit dem Stationenweg »Wirtschaft ist Care - (K)ein Spaziergang» ein enkelinnentaugliches Wirtschaftsverständnis. Der Rundgang kann in Sursee individuell begangen oder bis Oktober 2021 von Gruppen gebucht werden. Die dazugehörige Broschüre dient als Wegleitung zu insgesamt 15 Stationen, an denen Aspekte menschlicher Bedürftigkeit und damit des Wirtschaftens behandelt werden. Sie kann als  pdf-Datei heruntergeladen werden.

Zusammen mit der Comic-Broschüre und dem Erklärfilm zu «Wirtschaft ist Care» stehen nun Grundlagen und Anregungen für die Umsetzung zur Verfügung, damit engagierte Menschen auch an anderen Orten ihren eigenständigen Rundgang einrichten können.


Alles Leben ist heilig!  | Artikel

Gemeinsam mit Peter Roth begleiten wir den Hotelier Roland Stump aus Wildhaus in sein alpines Jagdrevier am Toggenburger Altmann. Bis auf wenige Meter nähern wir uns einer dort lebenden Herde von Steinböcken. Ehrfürchtig spricht Roland über das Wesen dieser Tiere, zu denen er über das Jahr hinweg eine enge Beziehung aufbaut. "Auch wenn ich selbst nicht fähig wäre ein Lebewesen zu schiessen, macht mir die achtsame und auf das Ganze gerichtete Haltung von Roland tiefen Eindruck", sagt Peter Roth. Ferdinand Rauber spielt auf einem Felseninstrument Didgeridoo und das Chorprojekt St. Gallen singt Texte aus der Rede des Häuptlings Seattle.. Beim Film handelt es sich um die 21. Folge aus der Reihe «Zauberklang der Dinge» von Peter Roth.