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Spiritualität

Näher ran an Gott geht es kaum

Kinder Gottes sind wir…

22.05.2017
Biblische Besinnung zum Thema «Pfingsten – heiliger Geist»

Denn alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, das sind Söhne und Töchter Gottes. Ihr habt doch nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, um wiederum in Furcht zu leben; nein, ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Eben dieser Geist bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.         

Römer 8, 14-16

Söhne und Töchter Gottes. Was für eine Aussage! Näher ran an Gott geht es kaum in biblischer Sprache. Im Alten Testament nennt Gott das Volk Israel seinen Sohn. Oder den König. Die Vater-Sohn-Metapher drückt dabei eine enge Zugehörigkeit zu Gott aus. Keine leibliche Abstammung, wie wir sie von griechischen Göttern her kennen, sondern vielmehr eine besondere Qualität von Beziehung. 

Diese Beziehung zeigt sich in unserem Handeln und Denken. Sohn und Tochter Gottes ist, wer sich vom Geist Gottes leiten lässt. Hier klingen Vorstellungen wie aus Psalm 23 an: «Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.» Paulus spricht nicht von einer Fremdsteuerung oder göttlichen Invasion, sondern fragt nach der Ausrichtung unseres Lebens. Von wem lasse ich mich leiten? Woran orientiere ich mich? Wer oder was treibt mich an? Wer diese Fragen mit Geist Gottes beantwortet, der wird Sohn oder Tochter Gottes genannt.  

Der Geist entzieht uns also nicht unsere Freiheit, sondern ermöglicht sie erst. Er schenkt und bestätigt uns eine neue Identität als Kinder Gottes. Früher, so schreibt Paulus den Römern, wart ihr gefangen in eurem alten Leben. Furcht war euer tägliches Brot. Jetzt aber habt ihr die Freiheit entdeckt, die im Glauben an Christus zu finden ist. Ihr dürft euch nun Kindern Gottes nennen, weil Gott euch adoptiert hat.

«Wir rufen Gott als Vater an, weil der Geist es uns ermöglicht.» 

Adoption, darum geht es Paulus hier eigentlich. Wortwörtlich übersetzt bedeutet ‹Geist der Kindschaft›  nämlich ‹Geist der Adoption›. Wir haben also einen Geist empfangen, der uns die Aufnahme in die Familie Gottes ermöglicht. Er ist unser Eintrittsticket und unser Begleiter zugleich. Unsere Beziehung zu Gott als Vater beruht dabei alleine auf seiner freien Entscheidung, uns als seine eigenen Kinder anzunehmen. Wir werden, was wir nicht sind. Nicht aufgrund eines natürlichen Rechts oder einer Leistung unsererseits, sondern alleine aufgrund seiner Gnade. 

Und wer wird da alles Familienmitglied? Schon interessant, dass Paulus nicht «ich rufe», sondern «wir rufen» schreibt. Er bündelt die Römer und reiht sich sogleich selbst ein. So hat man als Christ plötzlich viele Geschwister. Gott hat keine Einzelkinder, er hat eine Grossfamilie. Und was für eine! Eine wunderbar farbige und vielfältige Familie. Weltweit und zeitübergreifend, über Landes- und Kulturgrenzen hinweg, quer durch alle sozialen Schichten und Milieus, über Generationen und Konfessionen hinaus. Ein Volk aus tausend Völkern. Und auch wenn die Kinder sonst nichts gemeinsam haben, steht eines fest: Sie sind Kinder desselben Vaters. Mein Vater ist dein Vater ist Unser Vater. 

Der Geist, den wir empfangen haben und in dem sich unsere Kindschaft verwirklicht, steht in keiner Konkurrenz zu unserem Geist. Vielmehr arbeiten die beiden zusammen. Teamwork. Wir rufen Gott als Vater an, weil der Geist es uns ermöglicht. Der Geist legt zusammen mit unserem Geist Zeugnis ab über unsere Identität als Kinder Gottes. Im Alten Testament ist eine Aussage vor Gericht dann gültig, wenn sie durch zwei Zeugen gestützt wird. Wir haben hier zwei Zeugen, den Geist Gottes und unseren Geist. Klarer Fall also: Wir sind Kinder Gottes.

 

Text: Florence Gantenbein, Theologiestudentin, Bronschhofen SG | Bild: Marlies Pekarek, St. Gallen  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2017

 

 


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