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Kirche

Gott nicht habhaft werden

Der Lütisburger Pfarrer Fabian Kuhn macht sich in seiner biblischen Besinnung Gedanken zu Gottesbildern und Abbildern respektive dem Bibeltext Ex 20,3-5a.

«Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Gottesbild machen noch irgendein Abbild von etwas, was oben im
Himmel, was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht die­­­nen,…» Ex 20, 3-5a

Gottes Kraft für sich nutzen

Tragen Sie auch ein kleines Kreuz um Ihren Hals? Hängt bei Ihnen zu Hause irgendwo ein Bild mit Jesus am Kreuz? Haben Sie in Ihrem Regal eine Engelsfigur ausgestellt? – Dann sind Sie nicht alleine. Denn Götterbilder, auch als Statuen, Amulette und Zeichen, sind an fast allen Orten und zu fast allen Zeiten der menschlichen Zivilisation verbreitet. Die Bibel berichtet von ihrer Verwendung, sowohl in Klein- (u.a. Ri 8, 21) als auch Grossformat (u.a. Ex 32, 1-5). Auch wenn den meisten Menschen – früher wie heute – klar ist, dass die Gottheit selbst nicht in Abbildungen und Statuen von Menschenhand wohnhaft ist, trugen und tragen viele Menschen Figürchen und Zeichen an ihrem Körper. Denn eine besondere Kraft und Wirkung wird den Symbolen und Figürchen auch ohne direkte Wohnsitznahme der Gottheit zugeschrieben.

Kein Bild vom einen Gott

Im alttestamentlichen Gesetz ist das sogenannte «Bilderverbot» gut belegt (Ex 20, 4.23; 34, 17; Lev 19, 4; 26, 1; Dtn 4, 16). Dabei sind die verwendeten hebräischen Bezeichnungen so vielfältig, dass wohl sämtliche Darstellungen von Gottheiten und auch des einen Gottes untersagt sind. Doch warum verbietet der biblische Gott das, was im alten Orient untrennbar zu jeder anderen Religion gehörte und noch heute ein Bedürfnis vieler Menschen zu sein scheint? Wo könnte das Problem der Darstellung Gottes liegen? 

Dort bezeichnet sich Gott selbst als «Ich werde sein, der ich sein werde». 

Die Szene von Mose und dem Dornbusch verrät viel. Dort bezeichnet sich Gott selbst als «Ich werde sein, der ich sein werde» (Ex 3, 14). Damit nimmt sich Gott aus unserer Verfügungsgewalt. Er verhält sich uns Menschen gegenüber so, wie er das will. Denn Gott kann und will sich als der eine Schöpfer, Bewahrer und Vollender aller Dinge nicht von Menschen gefangen nehmen lassen. Stattdessen will er mit uns diese Welt nach neuen Massstäben gestalten.

Was ist wichtig?

Dank des Kreuzes soll Konstantin gesiegt haben. Dank ihrem Kruzifix schiessen Fussballer Tore. Dank meinem Amulett weiss ich, dass ich geschützt bin. Die Grenze zwischen der Instrumentalisierung Gottes für meine eigenen Ziele und dem bedingungslosen Vertrauen auf Gott ist nicht immer genau zu ziehen. Das umfassende Bilderverbot ermahnt uns, Gott nicht für unsere eigenen Ziele und Zwecke einzuspannen, sondern die dritte Bitte des Unser Vater ernst zu nehmen: «Dein Wille geschehe!» (Mt 6, 10).

 

Text: Fabian Kuhn, Pfarramt Lütisburg | Bild: Hans Thomann, St. Gallen  – Kirchenbote SG, Juli-August 2017

 

 


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