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Gesellschaft, Politik

Integra-Flüchtlingsschule Rheintal unterstützt freiwillige Integrationsbemühungen

Flüchtlinge lernen aus freien Stücken Deutsch

31.07.2017
Mit einem Grillfest feierte die Integra-Flüchtlingsschule-Rheintal (ein Schulprojekt der Solinetzgruppe-Rheintal) Anfang Juli in Widnau das Ende eines erfolgreichen Schuljahres. Der Sprachkurs ist die einzige Möglichkeit im Kanton, Deutsch vor dem Asylentscheid zu erlernen (siehe auch Kasten).

Durchschnittlich 120 bis 140 Schülerinnen und Schüler besuchten im vergangenen Schuljahr zweimal wöchentlich den kostenlosen Deutschunterricht der Rheintaler Flüchtlingsschule, entweder im Katholischen Pfarreizentrum in Diepoldsau, oder aber im Reformierten Kirchenzentrum in Widnau, wo diesmal auch das Grillfest stattfand.

Während des Wartens wird gelernt
Aus ihren Wohngemeinden im Rheintal kommen viele Asylsuchende schon seit 2015 nach Diepoldsau oder nach Widnau, um auf freiwilliger Basis Deutsch zu lernen, während sie auf die Bearbeitung und Entscheidung ihres Asylantrags warten. Unterrichtet wurden die Asylsuchenden im vergangenen Schuljahr von insgesamt 16 ehrenamtlichen Lehrpersonen und Klassenhelfer (Primarlehrerinnen, Sprachschul-Lehrerinnen, Pädagogen, Studierende und sonstige Freiwillige), welche ebenfalls aus dem gesamten Rheintal kommen.

Integrationsbestrebungen auf allen Ebenen
Auf sechs verschiedenen Leistungsstufen erteilten sie in Diepoldsau oder in Widnau ehrenamtlich Deutschunterricht, betreuten einzeln oder gruppenweise die Hausaufgaben, boten logopädische Sprechübungen an, leiteten Schreibübungen und Alphabetisierungsgruppen, übten in einer Basisgruppe spielerische einfache Dialoge oder führten für sehr gute Schüler eine eigene Konversationsgruppe. Es gab über das Schuljahr verteilt in manchen Klassen themenbezogene Exkursionen, Firmenbesichtigungen, Sportanlässe, Tanznachmittage, gemeinsames Einkaufen und Kochen sowie eine besinnliche Weihnachtsfeier mit Krippenspiel, welche bei den Schülern aller Religionsgemeinschaften auf grosses Interesse stiess.

Verschiedene Projekte
Über den Unterricht hinaus bieten andere Freiwillige des Solinetzes schon seit mehreren Jahren einmal wöchentlich einen Familien-Deutschtreff in der Spielgruppe Au an, wo Eltern gemeinsam mit ihren Kleinkindern spielerisch Deutsch lernen können. Weitere Projekte der Solinetzgruppe Rheintal sind z.B. eine interkulturelle-Gartenbau-Gruppe in der Kleingartenanlage Diepoldsau-Schmitter, eine Velowerkstatt, eine Nähgruppe und neu auch ein Kunstprojekt mit ansässigen Künstlern.

Mit ihrem Engagement leisten die Freiwilligen der Solinetzgruppe-Rheintal und der Integra-Schule-Rheintal einen qualitativ sehr hohen Beitrag, um die Asylsuchenden im Rheintal bei ihren Integrationsbemühungen zu unterstützen, aber auch um der einheimischen Bevölkerung das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern, wie die Verantwortlichen schreiben.

Ermöglicht werden alle Projekte der Integra-Schule und der Solidaritätsnetz-Gruppe-Rheintal durch ehrenamtliches Engagement sowie durch Sach- und Geldspenden.

 

Text und Bild: Sonja Bürgermeister, Solidaritätsnetz Gruppe Rheintal – Kirchenbote St. Gallen Juli 2017

Einzige Möglichkeit, Deutsch vor dem Asylentscheid zu lernen

Da die St. Galler Gemeinden den Asylsuchenden bis zur Asyl-Anerkennung keine qualifizierten Deutschkurse finanzieren dürfen, bot die Integra-Schule für Menschen im Asylverfahren bis jetzt die einzige Möglichkeit, während der langen Wartezeit bis zum Asylentscheid kostenlos Deutsch zu lernen.

Nach dem Asylentscheid durften staatlich anerkannte Flüchtlinge von den Sozialämtern bis Dezember 2016 so lange in qualifizierte Sprachschulen geschickt werden, bis sie ein Deutschniveau erreicht hatten, mit welchem sie in die Arbeitswelt integriert werden konnten. Seit 1. Januar 2017 haben die St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP) und der Kanton St. Gallen diese Möglichkeit nun erheblich eingeschränkt, so dass ein Teil der anerkannten Flüchtlinge im Kanton St. Gallen seit Beginn des Jahres keinen qualifizierten Deutschunterricht mehr erhält. Viele Sprachschulen im Kanton mussten Lehrkräfte entlassen, welche bisher die anerkannten Flüchtlinge von der Alphabetisierung bis zum B1-Diplom unterrichteten.

Die Quartierschulen, welche in allen St. Galler Gemeinden neu aufgebaut werden sollen, bieten vom kantonal vorgegebenen Konzept her bislang nur spielerische Angebote für neuankommende Asylsuchende ohne Deutschkenntnisse. Als Unterrichtende werden ausdrücklich «aufgestellte Personen ohne pädagogische Vorbildung» gesucht.

Für die anerkannten Flüchtlinge, welche bereits deutsch sprechen können und mit Hilfe von Lehrmitteln unterrichtet werden müssten, gibt es von Seiten des VSGP und des Kantons noch keinen Konzeptvorschlag, heisst es in der Mitteilung der Solinetzgruppe Rheintal weiter. (SB)


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