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Kirche

20 Jahre Marga-Bührig-Stiftung

Gerechtigkeit – leidenschaftlich gesucht

03.11.2017
Die vier feministischen Theologinnen Verena Naegeli, Josée Ngalula, Ina Praetorius und Brigitte Rabarijaona erhalten am 4. November den Marga-Bührig-Preis. Das Wirken der Stiftungsgründerin ist etwas in Vergessenheit geraten – zu Unrecht.

Marga Bührig? Ein Name, der jüngeren Theologiestudentinnen nicht mehr so präsent ist, wie es noch bei einigen Generationen zuvor der Fall war. Gerade im Zusammenhang mit den Reformationsfeierlichkeiten lohnt es sich, sich diesen Namen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Zumal die Marga-Bührig-Stiftung in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiert, das 20-jährige. «Marga Bührig hätte es verdient, anlässlich dieses Jubiläums wieder mehr ins Bewusstsein der Frauen in der Kirche gerückt zu werden», sagt Stiftungsratsmitglied und Theologin Monika Hungerbühler.

Reformation veränderte wenig
Vor 500 Jahren hat die Reformation zu einem Wandel in Denken und Handeln der damaligen Kirchen und Gesellschaft geführt. Die neu reformierte Kirche hat sich auf die Fahne geschrieben, sich stets zu erneuern. Ein guter Vorsatz, der auch die gesellschaftliche Stellung der Frau und ihre Arbeit im Haushalt aufwertete. In der Kirche veränderte sich aber für die Frauen lange Zeit wenig. Trotz Reformation im Jahre 1529 wurde den Frauen das volle Pfarramt erstmals in Basel-Stadt erst 1956, 447 Jahre später, ermöglicht. Es brauchte engagierte Theologinnen, die sich für ihr Geschlecht stark machten: Marga Bührig war eine von ihnen.

Pionierin für die Frauen
Marga Bührig kam 1915 in Berlin zur Welt. Ursprünglich Germanistin und Historikerin, studierte sie in Chur nachträglich Theologie. 1945 gründete sie das reformierte Studentinnenheim Boldern in Zürich und zwei Jahre später den Evangelischen Frauenbund der Schweiz. Bis zu ihrer Pensionierung setzte sich Marga Bührig mit zwei Mitstreiterinnen im Tagungszentrum Boldern für eine gesellschaftliche Öffnung der Kirche ein. Konkret hiess das, die Stellung der Frauen in der Kirche zu verbessern.

Mit ihrem Leitsatz «Das Leben leidenschaftlich lieben – die Gerechtigkeit leidenschaftlich suchen», gründete die in Binningen BL lebende feministische Theologin 1997, fünf Jahre vor ihrem Tod, die Marga-Bührig-Stiftung. Deren Zweck ist es, Studentinnen und Forscherinnen, die einen Beitrag an die feministische Befreiungstheologie leisten, zu fördern, indem sie einen Preis für besonders relevante Arbeiten verleiht.

«Wir haben eine Sehnsucht»
Die Theologinnen Verena Naegeli, Josée Ngalula, Ina Praetorius und Brigitte Rabarijaona erhalten für ihren Beitrag zum interkulturellen Dialog den Marga-Bührig-Preis 2017. Ausgezeichnet wird der von den Gewinnerinnen verfasste und 2015 erschienene Sammelband «Nous avons un désir. There is something we long for». Die Publikation entstand im Rahmen eines Austauschforums für Theologinnen aus Afrika und Europa.

Franz Osswald, kirchenbote-online, 3. November 2017

Marga-Bührig-Preis
Die Preisverleihung findet am 4. November in Basel im Rahmen des Symposiums «Migration, Gender, Religion – der Beitrag feministischer Befreiungstheologie für ein offenes und demokratisches Europa» statt.
Symposium: Samstag, 4. November, 9.30–16 Uhr, Mission 21, Missionsstrasse 21, Basel, Preisverleihung: 14 Uhr, www.marga-buehrig.ch
Buchpräsentation, Lesung und Austausch mit den Preisträgerinnen ausserdem am Sonntag, 5. November, 13.45–15 Uhr, DenkBar, Gallusstrasse 11, St. Gallen


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