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Gesellschaft

Warum wir «Aschenbrödel» lieben

Weihnachten ist Fernseh-Zeit: SRF-Redaktor und Moderator Norbert Bischofberger weiss, welche Sendungen und Filme die Zuschauer lieben.

Wenn er mit seinen Gästen diskutiert, verfolgt sein Blick gespannt die Mimik des Gegenübers, um einzugreifen, wenn dieses sich in akademischen Fussnoten versteigt. Und dann huscht plötzlich ein spitzbübisches Lächeln über sein Gesicht. Norbert Bischofberger arbeitet seit 2002 bei «Sternstunde Religion». Der Redaktor und Moderator hat etliche Persönlichkeiten interviewt. Seit Neuestem wandert er auf spirituellen Wegen durch die Schweiz. Die Fernsehnation schaut ihm dabei zu.

Ergreifendes miterlebt
2015 war Norbert Bischofberger für eine Radio-Reportage in München, als 20‘000 Flüchtlinge an einem Wochenende in der bayrischen Hauptstadt ankamen. Die meisten besassen kaum mehr als ihre Kleidung am Leib. Es gab ergreifende Szenen. «In diesem Moment verlor ich fast die journalistische Distanz», sagt der Moderator. Das Schicksal der Flüchtlinge ging ihm nahe. Ihr Überlebenswille und ihre Lebensfreude haben ihn beeindruckt.

Bischofberger verkörpert gemeinsam mit Amira Hafner-Al Jabaji das Gesicht der «Sternstunde Religion» bei SRF. Sie ist Muslimin, er Katholik. Das Interesse an der Sendung nimmt zu. «Religion ist ein Boom-Thema, sie berührt die Fragen nach dem Sinn des Lebens», sagt Bischofberger. «Themen wie Minarett oder Kirchensteuer lösen gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen aus.» «Sternstunde Religion» vertiefe diese Fragen auf sachliche und fundierte Art. 

«Urbi et orbi» am Bildschirm
Die andere religiöse Schiene bei SRF bilden die Übertragungen der Gottesdienste und des «Worts zum Sonntag». Sie gehören zu den Evergreens im Programm. Höhepunkt der Live-Übertragungen bleibt der Weihnachtssegen auf dem Petersplatz. Millionen verfolgen weltweit am Bildschirm das «urbi et orbi» des Papstes, egal ob Christen oder nicht.

Dieses Jahr strahlt SRF am 24. Dezember das Weihnachtsspiel von Andrew Bond aus. Und am 31. Dezember überträgt SRF den Gottesdienst der Taizé-Brüderschaft aus dem Münster Basel.  Angeschlossen ist die ARD. 

Im Feiertagsprogramm finden sich alle Jahre wieder Filme wie «Der kleine Lord» oder «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». «Solche Filme gehören zum weihnachtlichen Ritual», sagt Bischofberger. «Entspannt schaut man sie mit der Familie.» 

Bald weniger Kultur und Religion?
Im März stimmen die Schweizer über die No-Billag-Initiative ab. Was würde die Annahme bedeuten? Entfielen die Gebühren, würden auch kulturelle und religiöse Sendungen gestrichen. Bischofberger erwartet dann eine Kommerzialisierung des Fernsehens und vermehrt Werbung. «Finanzstarke Player werden ihren Einfluss geltend machen.» Vielleicht beginnt dann das Zeitalter der Fernsehprediger in der Schweiz? «Da bleibe ich lieber beim ‹Wort zum Sonntag›», sagt Bischofberger. 

Tilmann Zuber, kirchenbote.online, 22. November 2017


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