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Kultur

Die Zürcher Bibel von 1531

Der Zürcher Buchdrucker Froschauer nutzte die Gunst der Stunde. Denn die mit Zwinglis Amtsantritt 1519 beginnende Kirchenreform gründet in einer neuen Interpretation und Zugänglichkeit der Bibel. Die intensive Zusammenarbeit mit Zwingli und seinem Übersetzungsteam gipfelte in der Froschauerbibel von 1531, erschienen im Todesjahr Zwinglis.

Bei seinen Schriftstudien in Glarus und Einsiedeln wurde dem Priester Zwingli bewusst, dass das Kirchenvolk – unkundig der Bibel – in vielen Belangen in Unmündigkeit belassen wird und eher an die Sakramente und kleinlichen Gebote glaubt als an die in der Bibel verheissene Präsenz Gottes im Glauben. Auf diese Wiederentdeckung der biblischen Botschaft berief sich Zwingli in Zürich. Und er wünschte sich, dass in jedem Schweizer Haus die Bibel gelesen und studiert wird. 

Zürich wollte mit der eigenen Übersetzung eine Bibel schaffen, welche für die künftig reformierte Schweiz identitätsstiftend sein soll.

Verschriftliches Schweizerdeutsch
Seit 1522 waren Luthers Übersetzungen des Neuen Testaments in deutscher Sprache zugänglich. Sie fand auch in Orten der Eidgenossenschaft Anklang. Wie viele Basler Drucker begann auch Christoph Froschauer in Zürich die von Luther übersetzten Teile der Bibel zu drucken. Von sprachlichen Anpassungen an die in der Schweiz übliche Aussprache kam man wieder ab, um im deutschen Markt bestehen zu können. Doch in dieser Zeit wurde in  Zürich bereits an einer eigenen Bibelübersetzung gearbeitet. Da, wo früher die Mönche im Grossmünster ihre Psalmen gesungen hatten, übersetzten und diskutierten nun Pfarrer und gelehrte Theologen regelmässig die Texte der Heiligen Schrift. Aus den Ursprachen übersetzt wurden Jahr für Jahr in engem Kontakt mit dem Drucker Froschauer neue Teile der Bibel veröffentlicht – in einer Art verschriftlichtem Schweizerdeutsch.

Zürich wollte eigene Übersetzung
Schon Luther arbeitete an einer Schriftsprache, die Nord- und Süddeutsche verstehen können. Analog arbeiteten die Zürcher an einer Bibelübersetzung, die vom ganzen Schweizer Volk verstanden werden kann. Das Ziel war klar: Luther beanspruchte mit seiner Bibelübersetzung das Mass für die deutsche Schriftsprache zu sein. Die Stadt Zürich aber wollte mit ihrer eigenen Übersetzung eine Bibel schaffen, welche für die künftig reformierte Schweiz identitätsstiftend sein sollte. Spätere Bearbeitungen und Revisionen der «Zürcher Bibel» haben auf die Dominanz der Lutherbibel reagiert. So wurde im Streit zwischen Wittenberg und Zürich die deutsche Schriftsprache entwickelt – war doch die Bibel bis in die Neuzeit das meist gelesene Buch. 

Blüte der Druckkunst
1531, dem Todesjahr Zwinglis, erschien in Zürich die erste grossformatige, reich bebilderte und typografisch schön gestaltete Vollbibel in deutscher Sprache – drei Jahre vor dem analogen Werk Luthers. Froschauer liess dazu eigens neue Buchstaben giessen. Die Bilder zum Alten Testament stammen von Hans Holbein dem Jüngeren. Sie offenbaren eine neue, schlichte Bildsprache, welche die biblischen Personen stets handelnd und in klaren Konturen zeigt.

Von wegen Bilderfeindlichkeit
Die Holzschnitte wiederlegen auch die den Reformatoren angelastete Bilderfeindlichkeit. Die Stiche sollten die Lust am Bibellesen beflügeln. Die Bibel von 1531 enthält neben einer langen Vorrede auch viele Hilfestellungen für die Suche von Bibelstellen zu reformatorischen Themen. Diese Froschauerbibel von 1531 wurde mehrmals neu gedruckt, jeweils in einer Auflage von 2000 Exemplaren. Sie kostete etwa einen halben Monatslohn eines Pfarrers.

 

Text und Foto: Andreas Schwendener – Kirchenbote SG, Januar 2018

 

 


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