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Politik

Kirchen sagen «No» zu No-Billag

Selten waren sich die Kirchen so einig wie über die No-Billag-Initiative. Reformierte, Katholiken und Freikirchen lehnen sie einhellig ab.

Nimmt das Schweizer Volk im März die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der SRG-Gebühren an, betrifft das auch die Kirchen. Diese erwarten nicht nur, dass es keine religiösen Sendungen mehr gibt, sie sehen zudem die nationale Solidarität und die Demokratie in Gefahr.

Teil der Schweizer Medienkultur
«Verkündigende Sendungen sind Service public pur», sagt Pascale Huber, Radio- und Fernsehbeauftragte der reformierten Landeskirchen. Für sie gehören kirchliche Sendungen zur Schweizer Medienkultur. Das Wort zum Sonntag, Gottesdienstübertragungen und Radiopredigten fielen bei einem Ja zu No Billag alle weg, ist Huber überzeugt. Auch Bruno Jakob betont: «No Billag heisst No SRG. Das bedeutet: kein ‚Wort zum Sonntag’, keine ‚Sternstunde Religion’.» Jakob ist Mitglied des Vorstands der SRG Zentralschweiz, wo er die reformierten Kantonalkirchen der Zentralschweiz vertritt.

Kirchliche Sendungen seien für viele, die den Gottesdienst nicht besuchen können, wichtig, sagt Pascale Huber. Für sie zeigt die Diskussion über die Gebühren ein gesellschaftliches Phänomen. Bezahlen wolle man heute nur noch, was einem persönlich etwas bringe. Solidarisch mittragen wollten viele nicht mehr.

Wenn Geld- und Machtpolitik entscheiden
Die Beiträge der SRG zum religiösen Dialog seien beachtlich, argumentiert die katholische Zentralkonferenz und lehnt die No-Billag-Initiative ebenfalls ab. Die Schweizer Bischöfe sorgen sich um den nationalen Zusammenhalt, wenn «die Meinungsbildung noch stärker von ausländischen oder finanzstarken Medienhäusern abhängig wird.» Pascale Huber stimmt dem zu: «Es wäre nicht gut, wenn Geld- und Machtpolitik entscheiden, was über den Sender geht.»

Dass private TV-Anbieter in die Bresche springen, sieht Huber nicht. Diese Einschätzung bestätigte der Lokalsender «Telebasel». 2016 kippte dieser den «Theologischen Tipp» der Kirchen ersatzlos aus dem Programm. «Telebasel» war nicht länger bereit, die Produktionskosten für die dreiminütigen Beiträge zu übernehmen. 

«Dramatische Auswirkungen»
Schlägt nun die Stunde der Fernsehprediger? Nein. Auch die Freikirchen lehnen die No-Billag-Initiative ab. «Wir profitieren nicht von den Empfangsgebühren», erklärt Peter Stolz, «doch wenn es die SRG nicht mehr gibt, fällt für uns der nationale Sendeplatz weg.» Stolz ist Leiter der Kommunikation von Alphavision, die das «Fenster zum Sonntag» produziert. 40’000 bis 60’000 Zuschauer sehen sich die Sendung jeweils an.

Nach einem Ja zu No Billag wären «die Auswirkungen auf unser Land dramatisch», warnt Alphavision: «Welche Medien würden dann noch über die Schweiz und den viersprachigen Reichtum ihrer Kultur informieren?»

Die Verantwortlichen von «Fenster zum Sonntag» nehmen kein Blatt vor den Mund: «Die No-Billag-Initiative will eine Schweizer Medienlandschaft, die nicht mehr zur freien Meinungsbildung, zum Zusammenhalt und zur sachlichen Berichterstattung beitragen soll, sondern TV- und Radiosender, die an den meistbietenden Medienmogul versteigert werden.»

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 27. Dezember 2017


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