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Leben & Glauben

Taizé-Jugendtreffen in Basel

«Das werden wir sonst nie mehr erleben»

04.01.2018
Die vierköpfige Familie Thomi nahm während des Taizé-Jugendtreffens in Basel vier polnische Jugendliche bei sich auf, statt in die Winterferien zu fahren. Erfahrungsbericht einer geglückten und beglückenden Begegnung.

«Wir haben mit unseren Gästen einen Lotto-Sechser gelandet», sagt Claudia Thomi. Ihr Mann Oliver und die beiden Kinder Yorick und Mattia beherbergten vier Jugendliche aus Polen und waren «happy». Nur einen Wunsch hatte die Familie: dass ein Gast mehr oder weniger Deutsch beherrscht – der Wunsch ging in Erfüllung. Claudia Thomi: «Wir wollten das wegen der Kinder. So konnten sie sich auch mit einem Gast unterhalten.» Und wie das klappte. Die Unterhaltung mit den drei anderen Gästen fand auf Englisch statt.

Anna, Basia, Robert und Tomek nahmen sich viel Zeit, um sich mit den beiden Buben zu beschäftigen. Am «Töggelikasten» wurde eifrig um Tore gerungen. Verstanden die Gäste die Spielanleitung für ein Gesellschaftsspiel nicht, so suchten sie diese auf dem Internet auf Polnisch und schon ging es los. Google Earth sei Dank, dass Thomis nun nicht nur wissen, in welcher Stadt ihre vier Gäste zuhause sind, sondern gleich noch das Haus und die ganze Gegend im Bild sehen konnten.

Zweimal Weihnachten
Apropos kennenlernen: für Claudia Thomi war das Taizétreffen wie «zweimal Weihnachten». «Die Spannung, woher unsere Gäste wohl kommen werden und die Überraschung, als sie da waren, das war wirklich ein wunderbares Erlebnis», erzählt das Paar. Eigentlich waren bei Thomis über Neujahr Winterferien in Zweisimmen vorgesehen, auch deshalb, weil die Schulferien diesmal länger ausfallen als in den Vorjahren. «Das Taizé-Jugendtreffen ist eine einmalige Gelegenheit, Zweisimmen läuft uns nicht davon», sagt Oliver Thomi. Im ausgebauten Dachstock – dem Spielzimmer der Kinder – fanden die Gäste eine gemütliche Unterkunft.

Die Tage waren für die ganze Familie intensiv, aber beglückend. Die Gespräche im Wohnzimmer zogen sich oft bis in die Nachtstunden hinein, «unsere Gäste erwiesen sich als sehr gebildet und stolze Vertreter ihres Landes. Sie wussten viel zu erzählen», sagt Claudia Thomi. In diesen Stunden entstand eine Freundschaft, deren Fortgang zwar noch ungewiss ist, aber aufgrund einer herzlichen Einladung nach Polen bereits konkrete Züge angenommen hat.

Raclette-Käse nach Polen
Aus der Schweiz wird mindestens ein Raclette-Käse ins osteuropäische Land zurückreisen. Weshalb dem so ist, verrät die Nase und die Luft im Wohnzimmer: «Wir assen zusammen ein feines Raclette, das bei unseren Gästen sehr gut ankam. So gut, dass Tomek begeistert nach Hause anrief und von der Schweizer Spezialität schwärmte.» Bei der nächsten Gelegenheit ging er auf Käseeinkauf. Die vier jungen Männer und Frauen kennen nun nicht nur die Schweizer und lokale Ess- und Trinkkultur – Rösti und Basler Uelibier –, sondern gleichermassen den Schweizer Fussballmeister. «Von den internationalen Heldentaten des FCB hatten sie wenig Ahnung», witzelt Oliver Thomi.

Ins Schwärmen kommt die ganze Familie Thomi, wenn sie den Anlass Revue passieren lassen. Mattia und Yorick freuen sich über Auto-Zeichnungen, die Tomek, der in Pforzheim eine Ausbildung zum Autodesigner absolviert, im Eiltempo aufs Blatt zauberte. Oliver Thomi ist beeindruckt, wie am Jugendtreffen Christen unterschiedlichster Ausrichtung in Einheit zusammen feierten. Und Claudia Thomi ist sich sicher, «dass wir mindestens so viel von den Gästen zurückbekommen habe, wie unsere Familie ihnen mit der Gastfreundschaft geschenkt hat».

Mit Smileys, von den Kindern mit kleinen bunten Steinchen auf die Matratzen gelegt, begrüsste die Familie Thomi ihre polnischen Gäste. Mit einem «Thanks» revanchierten sich diese auf gleiche Weise bei ihrer Schweizer Gastfamilie: der Familie Thomi, die statt ihrer Winterferien zu einer erlebnisreichen «Europareise» kam.

Franz Osswald, kirchenbote-online, 4. Januar 2018


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