Logo
Kirche

«Ich verurteile nicht mehr»

Die neue Schaffhauser Kirchenrätin Cornelia Busenhart-Hofer ist Fachfrau für Kultur- und Führungskräfteentwicklung. Ihr Know-how will sie in den Kirchenrat einbringen.

Ihr Lachen ist herzlich und offen. Der Blick wachsam und klar. Cornelia Busenhart-Hofer, die neue Frau im Schaffhauser Kirchenrat, strahlt Sicherheit aus. Seit ihrer Wahl an der Novembersynode amtet sie als Nachfolgerin von Marcelina Zürcher für das Ressort Entwicklungszusammenarbeit. «Ein Arbeitsgebiet, für das mein Herz schlägt», wie sie sagt.

Dialog stärken

Das fachliche Rüstzeug hat sich der selbstständige Business-Coach bei World Vision erworben. Busenhart-Hofer war vier Jahre lang verantwortlich für die Kultur- und Führungskräf-teentwicklung während einer Umbruchphase. Die angestrebte Zusammenarbeit mit Firmen erforderten sowohl Professionalisierung wie hohe Fachkompetenz. «Es wurden viele neue Leute ins Boot geholt, säkular, landeskirchlich und freikirchlich orientierte Führungsleute und Mitarbei- tende arbeiteten zusammen. «Meine Aufgabe war es, ein Konzept zu erstellen, wie diese verschieden denkenden Menschen am besten zusammenarbeiten konnten.» Busenhart-Hofer führte eine wertschätzende Gesprächskultur ein und schärfte das Bewusstsein für den gemeinsamen Nenner. Ihr Fachwissen will sie im Kirchenrat einsetzen. «Ich werde mich für den Dialog starkmachen, den wir in grossem Respekt voreinander führen müssen.»

Auf die Kirche bezogen hat sie während der Wahlgespräche ein Bedürfnis und Handlungsbedarf nach Entwicklung wahrgenommen. «Effizienz, Umsetzung und Kompetenzfragen sind für mich Führungsthemen, die auch die Kirche betreffen.»

Als bei World Vision im Jahr 2016 ein weiterer Strategiewechsel anstand, stieg Cornelia Busenhart-Hofer aus und machte sich selbstständig. «Ich wäre sonst nicht glaubwürdig ge- wesen», sagt sie. Und Glaubwürdigkeit ist ihr wichtig. Genauso wie Klarheit und Ruhe.

Herz in der Landeskirche

Letzteres holt sich die Grossmutter einer Enkelin im Kräutergarten Allerheiligen, im Schaffhauser Münster und im Abendgebet auf der Insel Werd. «An solchen Orten komme ich zur Ruhe und kann über das Leben nachdenken», sagt sie. Die Reflexion ist ein Lebenskonzept, das sie seit mehr als 20 Jahren pflegt. «Aus der Reflexion heraus geht man anders an die Dinge heran als aus dem Trubel.»

Dieses Erleben wünscht sie auch Arbeitnehmern und Führungskräften, die unter Leistungsdruck leiden. «Mein Traum ist, dass diese den sakralen Raum als Ort der Erquickung entdecken. Es wäre schön, wenn wir als Kirche Wege fänden, das zu unterstützen», sagt sie.

In Schaffhausen geboren und aufgewachsen, hatte Kirche im Elternhaus von Cornelia Busenhart-Hofer immer eine Rolle gespielt. Glauben ist für die Kirchenrätin etwas Befreiendes, das Mut und Hoffnung gibt. «Das Leben von Jesus hat für mich Vorbildcharakter», sagt sie.

Nach ihrer Ausbildung als Kindergärtnerin und ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Mann eine längere Zeit lang in Amerika und besuchte dort eine Baptistengemeinde. Nach der Rückkehr war das Ehepaar für einige Jahre lang Doppelmitglied in der reformierten Landeskirche und der Baptistengemeinde Schaffhausen. «Als junge Familie mit drei Kindern bot die Freikirche ein ideales Umfeld für uns», erzählt die Buchthalerin. Gleichzeitig engagierte sie sich stark in der reformierten Landeskirche. «Ich hatte eine Brückenfunktion zwischen den Gemeinden. Mein Herz ist aber in der Landeskirche geblieben. Ich wusste immer, dass ich eines Tages zu ihr zu- rückgehen würde.»

Wenn sich Cornelia Busenhart- Hofer selber beschreiben soll, sagt sie als Erstes: «Ich habe mir abgewöhnt, Menschen zu verurteilen.» Der biblische Satz «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein» hat für sie eine besondere Bedeutung. «Die eigenen Erfahrungen haben mich gelehrt, dass Schuldzuweisungen nur verletzen und Entwicklung blockieren. Andere nicht zu verurteilen, ist oft der erste Schritt zum Dialog», sagt sie. Man sagt ihr nach, dass sie mit unterschiedlichsten Menschen umgehen kann. «Das ist keine natürliche Gabe von mir», sagt sie, «das kommt aus der Reflexion heraus.» Ihre natürliche Gabe kann die Kirchenrätin schlecht verstecken. «Das ist meine Fröhlichkeit, mein inneres Kind», lacht sie.

Adriana Schneider


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...


Tenöre gesucht– Luther Oratorium in St. Gallen!  | Artikel

Ein Pop-Oratorium über den Reformator Martin Luther wird am 3. November erstmals in der Schweiz aufgeführt. Für das Projekt in St. Gallen wurden  Sängerinnen und Sänger gesucht, wie der Website des Trägervereins zu entnehmen ist.

Zur grossen Freude der Organisatoren ist der 300-köpfige Projektchor zum Luther-Pop-Oratorium bereits praktisch voll besetzt, und er soll auch noch grosszügig «überfüllt» werden.Was aber noch fehlt, sind 25 weitere Männerstimmen – vorzugsweise Tenöre (oder Tenösen)! Wer hat noch nicht, wer will nochmal? «Wir freuen uns über jede weitere Anmeldung!», schreibt Andreas Hausammann.

www.luther-oratorium.ch

Mitmachen kann man unabhängig von kirchlicher Zugehörigkeit. Eine Anmeldung ist nur online möglich!


Zwitschern Sie mit!  | Artikel

Seit Ende September lädt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) die Bevölkerung ein, über den Glauben nachzudenken. Dies geschieht mit einer Plakatkampagne oder mit den zwölf theologischen Kurzbotschaften, den Glaubenstweets. Lassen Sie sich vom Gezwitscher inspirieren!


Bike und Bibel  | Artikel

Die St.Galler Kantonalkirche nahm 2003 einen Trend vorweg. Als der Begriff E-Bike noch in den Sternen stand, setzte sie aufs Fahrrad und eröffnete den Bibel-Veloweg. Zeit also, ihn wieder in Erinnerung zu rufen und sich auf das Velo zu schwingen, eine Tour zu unternehmen. Mehr erfahren Sie hier.

Der Flyer und die Velokarte dazu