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Kultur

Mit den Teufeln tanzen

Wer kommt bloss darauf, dass ausgerechnet die junge Wanja Sulser aus Wangs etwas zum Teufel sagen könnte? Sie, die den Kindergottesdienst liebte und moderne Musik-Gottesdienste mag, die mit ihren 16 Jahren gar schon im Kirchenvorstand mitmacht.

Höflich ist sie, eher leise, zuvorkommend. Doch sie formuliert deutlich. Und hat etwas zu sagen: «Ich glaube nicht an den Teufel, sondern an Gott.» Das andere sei Aberglaube.

«Seit zwei Jahren ist sie mit zwei Freundinnen bei der Gruppe Hohlgasspass aktiv, eben den Teufelsmasken.» 

Das mit den Teufelsmasken findet sie trotzdem lustig. Damit meint sie ihr saisonales Hobby, die Sarganserländer Fasnacht, die derweil auf gutem Weg ist, als Teil des Welterbes anerkannt zu werden. Seit zwei Jahren ist sie mit zwei Freundinnen bei der Gruppe Hohlgasspass aktiv, eben den Teufelsmasken. Diese knüpfen mit ihren Widderhorn-Holzlarven an das Brauchtum der im alemannischen Alpenraum verbreiteten Krampusse an. Sie gelten als pädagogischer Schatten des Nikolaus und als gezähmte Teufel, vergleichbar dem helvetischen Schmutzli. 

«Kinder trösten, Menschen helfen»

«Mir gefallen die Umzüge und die Guggenmusik», schwärmt Wanja. «Es ist so farbig.» Das Verkleiden, mal anders sein dürfen als sonst, das sei schön. «Wenn man mal etwas falsch sagt, ist es kein Beinbruch, sondern lustig.» Die Fasnacht sei halt locker. «Solange kein Alkohol im Spiel ist», ergänzt sie. Die Freude am wilden Spiel nimmt man Wanja gerne ab. Denn wenn sie nicht gerade beim Umzug in Vilters, Sargans oder Wangs Zuschauer erschreckt und Kinder, die vielleicht doch einmal weinen müssen, mit guten Worten und Süssem tröstet, dann macht sie viele wertvolle Dinge, auf die alle Eltern stolz wären. 

Sie liebt Fantasy-Romane

Sie startet eben ihre Lehre als Orthopädistin. «Ich will Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen», erklärt sie. In der Freizeit liest sie, Fantasy-Romane am liebsten, aber auch mal Schnulzen oder Krimis und sie fährt gerne Ski, mit der Schwester, gleich hinter dem Dorf, am Pizol. Sie klettert, und jüngst war sie mit der Familie in den Ferien zum Schnorcheln. Da hat es ihr – ausgerechnet – der Teufelsfisch angetan. Ein kugelförmiger, rötlicher Fisch mit weiten, weissen Schwingen, ein Einzelgänger, der majestätisch über dem Riff schwebt. Giftig sei er schon, aber schaurig-schön. Und so farbig! 

 Leserbriefe zum Thema

Text und Foto: Reinhold Meier, Wangs  – Kirchenbote SG, Februar 2018

 

 

Keine Angst

Was fasziniert dich an der Teufelsmaskengruppe?
Dass man sich mal in etwas ganz anderes verwandeln kann. Dass wir durchs Publikum laufen und die Leute erschrecken. Wir sind ja eine gemischte Gruppe mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir kommen viel rum mit den Umzügen, in der halben Schweiz, und hinterher sitzen wir dann oft noch gemütlich zusammen. Aber wir trinken nur Rivella, meine Freundinnen und ich. 

Wie reagieren Kinder auf euren Auftritt?
Das ist ganz verschieden. Manche sind total mutig und sagen: «Ich habe keine Angst.» Das finde ich toll. Manche müssen weinen. Das tut mir dann leid und wir trösten sie, obwohl wir normalerweise nicht sprechen unter der Maske. Wir geben ihnen dann auch Süssigkeiten.

Welche Werte vermittelt ihr?
Dass es ziemlich lustig ist, mal ganz anders zu sein. Aber auch das Gemeinschaftserlebnis und dass wir eine Tradition pflegen mit den Kostümen. 

Wie sind die Feedbacks auf eure Auftritte?
Das kommt natürlich auf den Umzug an. Manche Leute wollen unbedingt ein Selfie mit uns machen. Andere kreischen grad drauflos, vor allem Mädchen. Aber die allermeisten haben einfach Freude, wenn wir kommen. Wir sehen ja durch die engen Schlitze der Masken gar nicht so viel, aber es ist schon lustig, wie die Leute reagieren. Am besten sind die, die sich hinstellen und sagen: «Wir haben keine Angst vor euch.» Die erschrecken wir dann am liebsten so richtig. 

Wie passt das zu deinem Einsatz in der Kirchgemeinde?
Das passt für mich gut. Für mich sind es zwei verschiedene Sachen, die ich beide total gerne mache. Der Kindergottesdienst war immer «uh-schön». Der Glauben interessierte mich, das Singen und Spielen war toll, das Soziale und das Weihnachtsspiel. Und bei der Fasnacht spielt der Spass mit den Kolleginnen die Hauptrolle. Das sind zwei Paar Schuhe. Ich glaube ja nicht an den Teufel, sondern an Gott. Ein Todesfall auf unserer Konfirmandenreise hat mich sehr berührt, und ich bin dankbar, dass unser Pfarrer Rolf Kühni das so gut mit uns aufgearbeitet hat. Das war mir wichtig. 

 

Interview: Reinhold Meier, Wangs


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