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Gesellschaft

Wer glaubt noch an den Teufel?

Der Teufel ist noch existent in unserer Sprache und Weltsicht, so etwa in Märchen, im Theater, auch in Religionen…doch im Alltag wird das Böse eher weltlich gedeutet. Gibt es nun, wie wir im Geist von Gott bestärkt werden, auch eine Beeinflussung durch Geister des Bösen? Also eine Dualität von Gut und Böse, Gott und Teufel, Engel und Dämonen? Drei Antworten dazu.

Die zum Bösen leitenden Antriebe werden neurologisch, soziologisch, psychologisch und kaum noch geistig erklärt. Das Böse kommt durch schlechte Einflüsse in den Menschen, allenfalls brodelt es aus dem (kollektiven) Unbewussten, mit dem wir uns dann zu versöhnen haben. Bei unserer spirituellen Entwicklung zum Guten lassen wir es eher zu, von etwas geprägt zu werden, das grösser ist als wir selber. Wir glauben, dass uns durch eine Verbindung mit der geistigen Welt Liebe, Erkenntnis oder Guttaten zukommen.

«Gott ist stärker» –  Rolf Nünlist, Pfarrer in Sent GR

Der Teufel und die bösen Geister sind sehr präsent in der Bibel. Und ich glaube nicht, dass die Bibel diese Phänomene frei erfunden hat. Vielmehr weisen auch sämtliche
Naturreligionen auf solche Wesen hin. Sie versuchen, dieser Wesen und Phänomene durch magische Rituale und Zeichen mächtig zu werden und sie zu kontrollieren, was aus biblischer Sicht verboten ist, weil diese Wesen im Prinzip stärker sind als wir Menschen. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, weil Gott und sein Sohn Jesus Christus wiederum viel stärker sind als sie. 

Daran können wir uns halten: Die Kräfte und Wesen auf der Seite der göttlichen Liebe (Agape) sind letztlich viel stärker und bestimmender als diejenigen des Hasses. An uns ist es, uns für die richtige der beiden geistlichen Welten zu entscheiden! «Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit…den bösen Geistern.» (Epheserbrief 5, 12) Und unsere Waffe ist unsere Liebe, unser Gebet zu Gott und der Name Jesu, vor dem alle bösen Geister letztlich weichen müssen! Kurz: Echte Christen kämpfen letztlich nie gegen die anderen Menschen, sondern mit Liebe, Gebet und Heiligem Geist für sie und gegen die bösen Geister, denen sie allenfalls ausgeliefert sind. Kurz: Für mich sind Teufel und Dämonen real! Aber Gott, Jesus Christus und der Hl. Geist sind unendlich viel realer und mächtiger als sie. Die spirituelle Welt ist dualistisch, jedoch hinkend dualistisch, weil das Gute letztlich ungleich stärker ist als das Böse!

 

«Ich bin verantwortlich» –  Sandro Felder, Teufen, Glasmaler, Tätowierer

Meiner Meinung nach existiert das Eine nicht ohne das Andere. Wir könnten das Gute ohne das Böse nicht empfinden und umgekehrt. Mit welchem Namen man die destruktive (für mein Empfinden menschliche) Energie nun betitelt, spielt für mich eine untergeordnete Rolle, wie auch bei der positiven Energie. Mir wäre es ein Anliegen, dass wir uns jederzeit bewusst sind, aus welcher Energie heraus wir gerade fühlen, denken und handeln.

Das Böse scheint in meinem Leben Antrieb für einen Wandel zum Guten zu sein, wenn ich mir dessen bewusst werde. Mir fällt es schwer, bei einer eigenen Empfindung, Haltung oder Erfahrung die Verantwortung an einen Teufel oder an Gott abzugeben. Mir gefällt die Ansicht, dass ich für das Gute und Schlechte in meinem Leben selbst verantwortlich bin. Selbstverantwortung bezüglich meiner Taten und deren Folgen sagt mir mehr zu, wie die Ansicht, dass mich ein Teufel oder Gott in Versuchung führt. Ich prüfe mich, ich stelle mich auf die Probe und ich selber trage die Verantwortung für mein Handeln. Die Schuld oder das Schulterklopfen nehme ich dann auf meine Kappe.

Es reicht ein Ja zu seiner wahren Grösse und ein Urvertrauen, dass das Leben «nur» Lektio- nen bereithält, die man annehmen oder ablehnen kann. Dabei gibt es kein Belohnungs- oder Bestrafungsprinzip, das über uns urteilt. Aber ich erfahre die Folgen der eigenen Taten. Diese richtig einzuschätzen, ist ein ewiger Lernprozess. 

 

«Adam, wo bist du?»  – Peter Winzeler, Biel, Pfarrer im Ruhestand 

Biblisch gesehen ist das eigenmächtige Unterscheidenwollen von Gut und Böse selbst vom «Bösen». Die Schlange im Paradies hat dazu verführt (Gen. 3, 5). 

Sie wirkt als Lügenmacht, die immerfort zu Kriegen der Guten wider die Bösen anstachelt. Sie tut es mit moralischen Verdikten wider die «Gottlosen», die mit Kriegen überzogen werden müssten. Böse sind der Islam oder insbesondere Russen in Syrien und der Krim. Sie scheinen den «Sündenfall» Adams allein für sich gepachtet zu haben. Derweil vertritt die NATO die lautere Vormacht der scheinheiligen «Guten» wider die «Bösen». 

Die biblische Weisheit warnt vor allem vor solch selbstherrlichem WISSEN des Menschen um Gut und Böse und lädt zur selbstkritischen Wahrnehmung des ADAM ein, der seine Blösse vor dem Angesicht Gottes nicht verstecken kann. Gerade der westliche Mensch ist gerufen: «Adam, wo bist du?» (Gen. 3, 9), damit er zur Vernunft komme und nicht dem selbstgewählten Verderben (der Schlange) anheimfalle.

Diese Deutung des Bibeltextes mag umstritten und den Mächten des GUTEN (Nato usw.) äusserst unwillkommen sein, aber sie steht da (geschrieben), damit die Menschheit vom Wahn des eigenen Rechthabens (gegenüber den unterworfenen und per se unrechthabenden Völkern dieses Planeten) sich befreie, mit ihnen den Dialog suche und jenem Frieden, den Gott haben will, sich zuneige.

Leserbriefe zum Thema

Zusammengestellt von: Andreas Schwendener , Foto: zVg– Kirchenbote SG, Februar 2018

 

 

 


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