Logo
Kirche

Evangelium verbindet und motiviert

23.01.2018
«Die Freude des Evangeliums» – die Schrift des Papstes verbindet im Thurgau katholische und evangelische Christen. Der Romanshorner Pfarrer Ruedi Bertschi hat sich intensiv damit auseinandergesetzt – unter anderem im ökumenischen Hauskreis, in dem auch der katholische Thurgauer Kirchenratspräsident Cyrill Bischof Mitglied ist. Ein ganz persönlicher Einblick.

Jetzt lese ich es zum dritten Mal. Zwei Mal tat ich es für mich und nun lese ich es in einer Kleingruppe von engagierten Christen. Das Buch hat es in sich: Es macht Mut. Es fordert heraus. Es weitet das Herz. Es führt konsequent in die Bibel hinein und ins Leben hinaus. Das Buch feiert dieses Jahr seinen fünften Geburtstag und ist dennoch so frisch und fröhlich, tiefsinnig und treffend wie je zuvor. Es handelt sich um die erste vollständige Schrift von Jorge Mario Bergoglio, die er als Papst Franziskus im fortgeschrittenen Alter von 76 Jahren geschrieben hat. Sein Titel: «Die Freude des Evangeliums».

«Zuerst mal ein Aufsteller»
Für mich als kleiner Pfarrer einer grösseren Thurgauer Gemeinde, in der jährlich zehnmal mehr Leute aus- wie eintreten, ist das Buch zuerst mal ein Aufsteller. So heisst es da beispielsweise: «Das Leben wird reicher, wenn man es hingibt. Es verkümmert, wenn man sich isoliert und es sich bequem macht. In der Tat, die grösste Freude am Leben erfahren jene, die sich nicht um jeden Preis absichern, sondern sich vielmehr leidenschaftlich dazu gesandt wissen, andern Leben zu geben.»

Lieber «verbeult» als bequem
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und Abbrüche. Gewiss! Manchmal werden wir etwas ängstlich und verzagt. Franziskus aber schreibt: «Wenn der Sämann inmitten des Weizens das Unkraut aufkeimen sieht, reagiert er nicht mit Gejammer und Panik …» Im Gegenteil: «Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.» Und vielleicht noch dies: «Mir ist eine ‹verbeulte› Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Strassen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schliesslich in eine Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.»

Leidenschaftlich, lohnenswert
Wer dieses Buch liest, spürt den leidenschaftlichen Bischof aus Südamerika, wo die Schere zwischen Arm und Reich noch viel grösser ist als bei uns. Er ringt um die Würde des Menschen, gerade auch um die Würde der Armen, die für die Reichen und Mächtigen wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht interessant sind. Wörtlich sagt er: «Die Ausgeschlossenen sind nicht ‹Ausgebeutete›, sondern Müll und ‹Abfall›.» Durch seine Erfahrungen in Südamerika entkräftet Franziskus die «Trickle-down-Theorie» (wenn die Reichen reicher werden, geht es den Armen automatisch auch besser). Er hat beobachtet, dass zunehmender Reichtum nicht automatisch auch freigiebiger und spendenfreudiger macht. Und vielleicht haben Sie gemerkt: eine Lektüre lohnt sich durchaus auch für Evangelische.


Papst Franziskus: «Die Freude des Evangeliums», Verlag Herder, 320 Seiten, ISBN: 978-3-451-33492-4


(Ruedi Bertschi, 23. Januar 2018)


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Mitreden!  | Artikel

Der Kirchenbote hat neu einen Blog. Reden Sie mit, schauen Sie herein. Es warten spannende Themen auf Sie. 

 


Wie die Graffiti an der Offenen Kirche St.Gallen entstanden  | Artikel

Am 11. Juni jährt sich zum 5. Mal die Vernissage «Weltoffen» zum Graffiti an der Offenen Kirche. Hier ein «Jubiläums-Video», zusammengeschnitten aus Filmarbeiten von Filmemacher Zeno Georgiou aus dem Jahr 2016. Theodor Pindl, Intendant der Offenen Kirche, spricht zur Entstehung und Bedeutung des markanten Graffiti, das in St. Gallen inzwischen wohl alle kennen, aber bald verschwinden wird – wegen Abbruch der Kirche.


Der Atem in Wasser und Klang   | Artikel

Vom Zauberklang der Dinge von Peter Roth

Wir erwachen gerade in eine Zeit in der uns dämmert, dass wir nicht als abgetrenntes Ich existieren. Wir sind mit allem und allen verbunden! Am Einfachsten erfahren wir diese Tatsache über den Atem: Alle Geschöpfe, ob Tier, Pflanzen oder Mensch atmen die gleiche Luft. Der Ein-Atem verbindet uns mit der Zukunft, der Aus-Atem mit der Vergangenheit und die Atem-Stille mit dem Jetzt! Der Ein-Atem schöpft Energie, der Aus-Atem lässt los und die Atem-Stille schafft Präsenz. Diese Einsichten vermittelt die neue Folge 19 mit Klang und Musik, Erfahrungen in der Natur und begleitenden Gedanken.


Podcast: Oh Gott, ich hätte da mal eine Frage!  | Artikel

Ein hinterfragender Podcast über Religion, Glaube, Kirche sowie Gott und die Welt. Isabelle Tschugmall stellt seichte, tiefsinnige und kritische Fragen jeweils den Pfarrpersonen der Kirchgemeinden von Rapperswil-Jona, Weesen-Amden-Riet sowie Uznach und Umgebung. Die Fragen werden von neugierigen Personen via Webseite oder E-Mail eingereicht. Die Idee ist, dass wir den Gemeindemitgliedern einen Zugang zur Kirche und den Pfarrpersonen geben. Ein interaktives Werkzeug resp. Kanal für offene Fragen entsteht.