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Politik

Afrika: ein vielfältiger Kontinent, kein «Drecksloch»

Die Evangelische Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine) protestiert gegen Donald Trumps Aussage, Afrika sei ein «Drecksloch». Diese Auffassung herrsche in vielen Köpfen, bedauert Jochen Kirsch von Mission21.

US-Präsident Donald Trump soll gesagt haben, er wolle keine Einwanderer aus «Dreckslöchern» wie Afrika oder Haiti in den USA. Jochen Kirsch, arbeitet Mission 21 in Dreckslöchern?
Das Problem ist der Ausdruck. Wer Armut meint und Drecksloch sagt, spricht verachtend und despektierlich über Menschen, die benachteiligt sind. Anders gesagt: Ja, wir haben kürzlich gefeiert, dass Jesus in Armut zur Welt kam. Unsere Partner leben und arbeiten mit Menschen, die von Armut betroffen sind – und entwickeln mit ihnen neue Perspektiven für ihr Leben und Zusammenleben.

Viele verbinden mit Afrika Elend, Krankheit und Migration.
Das ist zu simpel: Afrika ist kein homogenes Gebilde, sondern ein riesiger, enorm vielfältiger Kontinent, auf dem über eine Milliarde Menschen leben, in den unterschiedlichsten Klimazonen, Kulturen und Lebensverhältnissen.

Verstärken die Hilfswerke mit den Bildern von hungernden Kindern nicht das schlechte Image von Afrika?
Zum Teil ja. Solche Bilder und Klischees gibt es leider nicht nur im Kopf des amerikanischen Präsidenten, sondern bei vielen, auch bei uns. Es sind alte Muster aus kolonialen Zeiten, die ständig weiter transportiert werden, wohlwollend oder mit Kalkül. Sie stellen Afrikanerinnen und Afrikaner als unfähig dar, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und legitimieren damit den Anspruch anderer – seien es Hilfswerke, Regierungen oder ökonomische Player – zu entscheiden, was vermeintlich gut für die Menschen ist und wie sie sich «entwickeln» sollen.

Die Kolonialzeit ging in Afrika vor mehr als 50 Jahren zu Ende. Warum kommt der Kontinent nicht vom Fleck?
Fakt ist, dass zwar die Kolonialzeit vorbei ist, die Industrieländer aber weiterhin von Afrika profitieren. So fliesst – entgegen aller Klischees – bis heute ein Vielfaches mehr an Geldern aus Afrika nach Europa, Asien und in die USA als umgekehrt. Wir transferieren vergleichsweise wenig Geld als Entwicklungshilfe nach Afrika. Der Kontinent ist äusserst reich an Rohstoffen. Davon profitieren kleine politische und wirtschaftliche Eliten in den Ländern sowie internationale Wirtschaftsunternehmen und die Volkswirtschaften in den Industrieländern. Für die Menschen vor Ort wird der Segen der Rohstoffe eher zum Fluch: Öl ist einer der wichtigsten Treiber des Kriegs im Südsudan. Und der Abbau von Rohstoffen in der DR Kongo dient nicht nur der Herstellung unserer Handys und Computer, sondern finanziert auch die bewaffneten Auseinandersetzungen im Osten des Landes.

Wie lässt sich das ändern?
Es braucht eine weitere Stärkung der Zivilgesellschaften in vielen afrikanischen Ländern, so dass die Menschen bei der Entwicklung ihrer Gesellschaft mitentscheiden können. Es muss gelingen, die Korruption abzubauen und die Good Governance zu fördern. In all diesen Bereichen engagiert sich Mission21 mit ihren Partnern.

Und weltweit?
Einfach gesagt: mit dem Einsatz für gerechtere weltwirtschaftliche Strukturen und Verhältnisse. Dazu gehört auch Klimagerechtigkeit. Die USA zum Beispiel tragen mit am meisten zum Klimawandel bei. Und ausgerechnet Präsident Trump leugnet die Existenz des Klimawandels und damit auch die Verantwortung für die Folgen – zum Beispiel auch in Afrika.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 24. Januar 2018

Stellungnahme der Herrnhuter Brüdergemeine

Pfarrer Jochen Kirsch ist Abteilungsleiter Internationale Beziehungen und Mitglied der Geschäftsleitung bei Mission 21. Davor war er Teamleiter Afrika, Programmverantwortlicher für Kamerun und Nigeria sowie Themenverantwortlicher für die Bereiche HIV/Aids und Theologische Ausbildung. Zuletzt war Kirsch Programmverantwortlicher Südsudan und zuständig für den Bereich Religion und Entwicklung.


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