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Gesellschaft

Von der Telefonkabine zur Mini-Bibliothek

In der Schaffhauser Gemeinde Dörflingen dient die ungenutzte öffentliche Telefonkabine als Miniatur-Bibliothek. Die Idee dazu hatten vier Frauen aus der Kirchgemeinde Dörflingen. Sie folgen damit einem weltweiten Trend.

Nicht nur in alten Hitchcock-Filmen spielte sie eine zentrale Rolle. Die gute alte Telefonkabine mit ihren gläsernen Wänden, das Telefon für unterwegs, lange bevor das Telefon mobil wurde. In ihren besten Zeit gab es in der Schweiz über 58 000 private und öffentliche Telefonkabinen. Das war im Jahr 1995. 

Heute sind davon noch 5900 in Betrieb. Der Grossteil ist dem weltweiten Siegeszug des Handys zum Opfer gefallen, der dazu führte, dass das öffentliche Telefon nicht mehr weiterentwickelt wurde. Die Telefonkabinen werden heute abgebaut, ihr Unterhalt ist zu teuer. 

Lieber Bücher aus Papier

Auch die öffentliche Telefonkabine in der Gemeinde Dörflingen stand unbenutzt und wäre wahrscheinlich abgebaut worden, wenn nicht Liliane Ulrich, Regula Bosshard, Barbara Zott und Kati Rechsteiner die Idee gehabt hätten, sie zu einer Hol-und-Bring-Bibliothek umzufunktionieren. «Wir sprachen darüber, dass wir alle lieber Bücher aus Papier in der Hand halten, als sie auf dem E-Reader zu lesen», sagt Mitinitiantin Barbara Zott. «Wir wollten das Buch wieder aufleben lassen.» Die Idee, die Dörflinger Telefonkabine als Bücherbox zu nutzen, entstand im weiteren Gespräch. Die vier Initiantinnen unterbreiteten das Projekt dem Gemeinderat, der die Telefonzelle kostenlos zur Verfügung stellte, renovierte und nach ihren Wünschen einrichtete.

Die Telefonkabine fasst 300 bis 400 Bücher, die in Wandregalen eingeräumt sind. Wer die Bibliothek nutzen will, kann das unkompliziert tun. «Man darf einfach kommen, Bücher reinlegen oder mitnehmen. Es gibt keine Abholscheine und Ausleihfristen. Und man darf ein Buch auch behalten, wenn es einem gefällt», erklärt Barbara Zott. Zurzeit ist die Miniatur-Bibliothek randvoll mit Büchern. «Wir haben vor Weihnachten eine Büchersammlung initiiert und unsere ‹Komm.Box›, wie die Kabine inzwischen heisst, Anfang Januar offiziell eingeweiht», sagt Zott.  

Die Initiantinnen ordnen die Bücher laufend in die Regale ein und behalten im Auge, welche Bücher geholt werden. Die Ladenhüter kommen später in die Brockenstube. Noch werden mehr Bücher gebracht als abgeholt. «Wir hoffen, dass mit der Zeit ein lebendiger Austausch entsteht.»  

Trend aus Amerika

Die Idee, ausgediente Telefonkabinen als Bibliothek zu verwenden, stammt aus Amerika. Dort wird der Trend «Little Free Library» genannt . «Little Free Libraries» gibt es in den USA in vielen Formen. Als Kiste, Briefkasten, Vogelhaus – oder als Telefonkabine. Die Idee ist, Leser und Leserinnen sollen kostenlos ihre Lieblingsliteratur mit anderen teilen. Jeder kann mitmachen, egal ob jung oder alt, ob reich oder arm. 

Weltweit existieren mehr als 23 000 dieser kostenlosen Bibliotheken. Auch in der Schweiz gibt es -bereits zahlreiche. Im Kanton Schaffhausen steht eine weitere Telefonzellen-Bibliothek in Diessenhofen. 

Auch in den Städten Lausanne, Biel, Luzern und St. Gallen, in Horgen, in Mülchi im Kanton Bern und in -Neggio im Tessin stösst man in aus-gedienten Telefonkabinen auf Lesestoff a-nstelle zerfledderter Telefonbücher. 

25.01.18 | Adriana Schneider 

 

 


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