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Kultur

Die Kirche Bruggen schallt und raucht

Auf dem Balkon des Pfarrhauses in St. Gallen-Bruggen steht eine Pfarrerin. Sie holt mit ihrer Begrüssung weit aus – so dass einzelne Zuschauer denken: Ich gehe wieder heim. Doch dann ändert sich alles. Auf theologische Phrasen folgen Szenen aus dem Alltag.

Mit Themen aus dem wirklichen Leben wie dem Leistungsdruck, Genderfragen oder dem Zwang zur Fitness. Statt über Freiheit zu theoretisieren, vertraut das Theater auf die Kraft von Erzählungen. Das ist der Beginn von «Schall und Rauch». Die Pfarrerin spielt Kirchenrätin Antje Ziegler. Sie ist eine der gegen 30 Laienschauspielerinnen und -schauspieler, die unter der Leitung von Regisseurin Barbara Bucher das Stück über «reformatorische Freiheit aus heutiger Sicht» einstudieren. 

Fitness auf der Kirchenempore
Dieser Anfang zeigt eine Qualität des Stücks von Autor Michael Hasenfuss. «Wir wollen das ernste Thema Freiheit in unterhaltsamer Art beleuchten», sagt Antje Ziegler. Im ersten Teil geht das in Gruppen aufgeteilte Publikum in einem Stationentheater von einer Szene zur anderen, etwa in den Keller der Kirche und zum Fitness auf die Empore. 

Lebe Dein Leben jetzt und in Verantwortung für Dich und andere!»

Nach der Pause nimmt das Stück begonnene Erzählungen auf und führt sie zum Finale. Figuren aus dem ersten Teil können dabei eine Persönlichkeitsentwicklung durchmachen: Sich verändern ist Freiheit. «Der Grundzug des Stücks ist: Lebe dein Leben jetzt und in Verantwortung für dich und andere», sagt Ziegler. Freiheit und Verantwortung gehören in der Reformation zusammen. Damit umzugehen ist nicht immer einfach. Aber der Mensch kann mit diesem Ernst des Lebens leben: «Wir können das Leben mit Humor nehmen, wie es das Stück tut.»

Kathrin Bolt, die «Schall und Rauch» zum Reformationsjubiläum lanciert hat, hofft auf eine erkenntnishafte «Nachwirkung» des Stücks. Nämlich: «Dass die reformatorische Botschaft vom Leistungswahn befreit. Statt darüber zu reden, zeigen wir, wie das lebenspraktisch geschehen kann», sagt die Pfarrerin. Vom Inhalt will sie nicht zu viel verraten. Nur dass «kirchliche Symbole» mitspielen: «Der ‹Güggel› und die Turmkugel haben prominente Rollen.»

 Die Freiheit, jemand anders zu sein
Eine Wirkung hat das Theater schon jetzt: Die Gemeinde St.Gallen-Straubenzell ist von der Theaterbegeisterung gepackt. «Es ist eine Art Gemeindeentwicklung», sagt Bolt. Das geschieht etwa durch freiwillige Mitarbeit. «Es braucht auch Kuchenbäcker und Kostümnäherinnen», steht auf der Homepage. Für das Schauspielensemble kommt nun die entscheidende Probenphase. Es gilt, die Rolle zu «finden». Auch das hat für Antje Ziegler mit Freiheit zu tun. «Was gibt es für eine grössere Freiheit, als mithilfe der Regisseurin auf der Bühne in eine andere Person schlüpfen zu dürfen?»

 

Text | Foto: Daniel Klingenberg, St.Gallen  – Kirchenbote SG, April 2018

 

Schall und Rauch

Eine explosive Suche nach der Freiheit

Ref. Kirche Bruggen
Acht Aufführungen

23. August –
2. September 2018

www.schall-und-rauch.ch


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Pop-Oratorium «Luther» begeisterte  | Artikel

Die Schweizer Uraufführung des Poporatoriums «Luther» fand am 3. November in der Olmahalle St. Gallen statt. Das musikalische Projekt entstand als Zusammenarbeit der Creativen Kirche Witten, der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen und der Evangelischen Allianz St.Gallen. Beide Vorstellungen waren ausverkauft und fanden beim Publikum begeisterten Zuspruch. Karsten Risseeuw war mit der Kamera dabei. 


Das Buch der Bücher – von Josef Geier  | Artikel

Der St.Galler Künstler Josef Geier konnte anslässlich des Reformationsjubiläums eine Skulptur in der Form einer begehbaren Bibel verwirklichen. Das Werk stand bei der Universität (Themenschwerpunkt: Bildung), auf dem Klosterplatz (Themenschwerpunkt: Basis & Beteiligung, beim Vadiandenkmal (Themenschwerpunkt: Befreiung) und beim Bahnhof (Themenschwerpunkt: Bewegung). In diesem Kurzporträt erzählt der Künstler, wie es zu diesem Projekt kam, das die Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen unterstützte. 

 


Uraufführung von Peter Roths Requiem  | Artikel

Im Auftrag der St. Galler Kantonalkirche hat der Musiker und Komponist Peter Roth ein Requiem geschaffen. Die Uraufführungen in St. Gallen und in Alt St. Johann zogen über 1500 Interessierte in Bann. Wer keinen Stuhl mehr ergattern konnte, dem bietet sich im kommenden Jahr nochmals die Gelegenheit «Wisst ihr denn nicht?» zu erleben, und zwar am: 


Samstag, 23. Februar 2019, 20 Uhr, in der evang. Kirche in Teufen
Sonntag, 10. März 2019, 17 Uhr, Kirche St. Maria Neudorf, St. Gallen
Samstag,15. Juni 2019, 20 Uhr, Grossmünster, Zürich
Sonntag, 23. Juni 2019, 17 Uhr, Lukaskirche, Luzern